# taz.de -- Wir retten die Welt: Jenseits von Corona
> Das Virus zeigt uns, was wir in unserer Hybris längst verdrängt haben:
> Die Natur ist nicht nett. Und wir haben guten Grund zur Panik.
IMG Bild: Atemschutzmaske gegen Hilflosigkeit?
Berlin taz | Meine Hausärztin war ratlos. „ich verstehe auch nicht, warum
alle so eine Panik um Corona machen“, sagte sie. „An der Grippe sterben
mehr Leute.“ Auch ihre Sprechstundenhilfe wunderte sich. Auf jeden Fall hat
die Praxis mal eine Lieferung Mundschutz geordert. Man weiß ja nie.
„Ich will, dass ihr in Panik geratet“, hat Greta Thunberg gesagt. Es
scheint, als ob wir sie beim Wort nehmen. Nicht beim Klima, keine Sorge: Da
denken wir erstmal ganz in Ruhe drüber nach, ehe wir zu spät und mehr so
symbolisch handeln.
Aber beim [1][Corona-Virus], da schlägt die Panik weltweite Wellen:
Quarantäne, Seuchengesetze, Regionen werden abgeriegelt, Lieferketten auch
für Medikamente unterbrochen.
## Ein Gefühl, das wir hassen wie die Pest: Hilflosigkeit
Am Corona-Virus leiden und sterben Menschen. Und der wirtschaftliche
Schaden ist noch gar nicht abzusehen. Aber die Angst vor dem Feind hat
vielleicht nicht nur damit zu tun, dass sich da eine neue, unbekannte,
unsichtbare Krankheit schnell und scheinbar unaufhaltsam ausbreitet.
Vielleicht ist Corona auch so bedrohlich, weil es uns mit dem einem Gefühl
infiziert, das wir hassen wie die Pest: Hilflosigkeit.
Das Virus zeigt uns, was wir auf der Insel der Seligen erfolgreich
verdrängt haben: dass die Natur da draußen nicht so nett ist, wie uns die
Werbung im Biomarkt vorgaukelt. Mit der realen Welt jenseits unserer
Wohlstandsblase lässt sich nicht verhandeln, Kompensationszahlungen und
goldene Kreditkarte interessieren sie nicht. Die Natur schlägt nicht mal
zurück. Sie macht einfach ihr Ding. Wenn du da im Weg stehst: Pech gehabt.
So haben sich die Menschen über Jahrtausende gefühlt, wenn bei ihnen der
Blitz einschlug. Erst seit 100 Jahren und nur in den reichen Staaten
erliegen wir der Hybris, wir könnten unser Schicksal steuern. Das tun wir
auch, und so sieht die Welt auch aus.
## Mutter Erdes Betriebssystem ist eiskalte Physik
Wir reden vom Anthropozän, wo der Mensch zum bestimmenden Faktor der
planetaren Entwicklung wird. Und dann kommt da so ein dahergelaufenes Virus
und erinnert uns daran, was wir in unserer Vollkasko-Gesellschaft gern
vergessen: Wenn wir unsere „Umwelt schützen“, sollten wir das aus
Eigeninteresse tun, aber keine Dankbarkeit dafür erwarten.
Das Betriebssystem von Mutter Erde sind eiskalte physikalisch-chemische
Prozesse. Wer Kohlendioxid in die Atmosphäre pumpt, wer Millionen von Tier-
und Pflanzenarten ausrottet, wer überall Müll verteilt und im globalen Stil
die Physik und Chemie des Planeten verändert, bekommt die Konsequenzen zu
spüren. Mit einem Virus oder einem Waldbrand kann man nicht verhandeln.
Deshalb zittern wir vor diesem Erreger. Wir können ihn nicht kaufen oder
domestizieren. Wir können ihn nicht abschießen wie einen störenden Wolf.
Wir können ihn nicht mit „Das gab´s immer schon mal“ relativieren. Und wir
können ihn nicht als „Müll-Wissenschaft“ diffamieren. Plötzlich beten auch
die größten Verächter der Wissenschaft zu den Halbgöttern in Weiß um ein
Gegenmittel. Und die Impfgegner sind plötzlich ganz leise.
Es gibt da draußen eine Menge guter Gründe für Panikattacken. Vielleicht
nicht das Corona-Virus. Ganz sicher aber unsere chronische
Ignoranz-Psychose mit destruktiven Tendenzen. Wird schon schiefgehen.
28 Feb 2020
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DIR Bernhard Pötter
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