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       # taz.de -- Berichterstattung über Coronavirus: Wo bleibt die Empathie?
       
       > Die europäische Berichterstattung über Corona macht viele Chines*innen
       > wütend. Ihnen fehlt es an Mitgefühl.
       
   IMG Bild: Passant*innen tragen Atemschutzmasken in der Innenstadt von Hongkong
       
       Als der Spiegel letzte Woche seine Cover-Story mit der Schlagzeile „Made in
       China“ anpries, zeigten sich viele Chines*innen enttäuscht und wütend. Sie
       halten solche Berichte für Belege [1][westlicher Scheinheiligkeit]. Oder
       wäre vor zehn Jahren ein Medium auf die Idee gekommen, bei der Vogelgrippe
       „Made in USA“ zu titeln?
       
       Insbesondere bei den Artikeln der Peking-Korrespondent*innen aus dem
       englischsprachigen Raum schimmert nicht selten Schadenfreude darüber durch,
       dass die Kommunistische Partei in Peking nun angesichts des Virusausbruchs
       [2][politisch in Bedrängnis] gerät. Natürlich gibt es genügend Grund zur
       Kritik: Die chinesische Regierung sorgt durch Unterdrückung der
       Meinungsfreiheit und unabhängiger Berichterstattung für ein Klima der
       Verunsicherung. Die Parteikader aus Wuhan haben gar durch
       Verschleierungsaktionen den Virusausbruch deutlich verschlimmert.
       
       Und dennoch ist der Mangel an Empathie gegenüber der Bevölkerung geradezu
       erschreckend: Für das Gros an Chines*innen ist die Situation belastend bis
       existenziell gefährdend. Die Quarantänemaßnahmen und massiven
       Einschränkungen der Bewegungsfreiheit zerren an den Nerven, rauben
       Kleinunternehmern und Arbeitsmigrant*innen die wirtschaftliche Grundlage.
       Die Opfer, die die Leute mit teils beeindruckender Disziplin erbringen –
       auch weil die Regierung sie mit ihren drastischen Maßnahmen angeordnet hat
       –, sollten gewürdigt werden.
       
       Die [3][Quarantäne] einer Provinz mit rund 60 Millionen Menschen ist
       schließlich einmalig in der Menschheitsgeschichte. Allzu schnelle
       Schuldzuweisungen sind da unangebracht.
       
       14 Feb 2020
       
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