# taz.de -- Presselandschaft in Ostdeutschland: Wenn überall das Gleiche steht
> Zur Demokratie gehört ein dichtes Netz aus Meinungsvielfalt und
> Pressevielzahl. Im Osten Deutschlands wird das seit Jahren dünner.
IMG Bild: Bald wehen hier andere Fahnen: DuMont hat die „Mitteldeutsche Zeitung“ an den Bauer Verlag verkauft
Endlos Weite, menschenleere Landschaften.“ Na, wo befinden wir uns? Taiga,
Lappland, Anden? Falsch! Wir befinden uns im Osten Deutschlands. Also in
dem Osten, es gibt ja nur einen. Das kann man zumindest glauben, wenn man
die ZDF-Doku [1][„Wenn der Osten ruft“] sieht. Sie begleitet drei Ossis,
die in Westdeutschland beziehungsweise im Ausland (!) gelebt haben und
jetzt zurückziehen. Das ist natürlich bemerkenswert, in Anbetracht von
Pegida und den fehlenden Bussen und ÄrztInnen, über die es immer heißt, sie
wären verantwortlich dafür, dass so viele Ostdeutsche die AfD wählen.
Schade, dass die Doku stellenweise so klischeebeladen ist, dass sich Mandy
aus Magdeburg die blaugefärbten Haare sträuben. Was soll das schon sein,
der Osten? Und meinen sie mit „menschenleeren Landschaften“ auch Leipzig
aka „Hypezig“?
Nebenan in Sachsen-Anhalt zeigt sich, dass nicht nur der Ossi kommt, wenn
der Osten ruft. Der Hamburger Bauer-Verlag, bekannt für Tv14, TV Hören und
Sehen, TV Klar, TV Movie, Fernsehwoche und Bravo, [2][kauft die
Mitteldeutsche Zeitung]. Die gehörte bisher DuMont, der gerade all seine
Zeitungen verscherbelt. Seine Berliner Zeitung hat der Verlag vor Kurzem an
ein [3][ostdeutsches Unternehmerpaar] verkauft. Und an wen DuMont seine
Hamburger Morgenpost abgeben will, soll in den kommenden zwei Wochen
bekannt werden.
## Schlechte Aussichten
Die Mitteldeutsche jedenfalls wandert zur Bauer Media Group, die mit der
Volksstimme die zweite große Tageszeitung in Sachsen-Anhalt besitzt.
„Synergieeffekte“ ist das Stichwort, und wie die aussehen, konnte man
zuletzt in Thüringen sehen. Dort hat der [4][Funke-Verlag die drei größten
Tageszeitungen gekauft] und zusammengeführt: MitarbeiterInnen
rausgeschmissen, die Berichterstattung vereinheitlicht. In Thüringen
erscheinen nun drei Tageszeitungen, in denen im Großen und Ganzen dasselbe
drinsteht und die sich nur in der Farbe ihres Titels unterscheiden.
Schlechte Aussichten für die Mitteldeutsche, für ihre LeserInnen und das
gesamte Land.
Das mag Ihnen in Tübingen oder Oldenburg egal sein. Vielleicht nehmen Sie
von ihr nur dann Kenntnis, wenn sie morgens in der „Presseschau“ im
Deutschlandfunk zitiert wird. Doch zur Demokratie gehört ein dichtes Netz
aus Meinungsvielfalt und Pressevielzahl. Nur wird das seit Jahren dünner,
vor allem im Osten.
In die Löcher versuchen jene einzudringen, denen an Journalismus nicht viel
liegt. Wie in Thüringen, wo sich ein rechter Bauingenieur aus Hessen, der
auf rechten Demos gerne gegen die „Lügenpresse“ wettert, gerade um eine
Radiolizenz beworben hat. Ob er die bekommt, will die Landesmedienanstalt
demnächst entscheiden. Die Gesinnung eines Rundfunkveranstalters sei
allerdings kein Kriterium dafür, ob jemand eine Zulassung bekäme,
[5][zitiert der Tagesspiegel ] eine Sprecherin der Anstalt. Wesentlich sei
die „Sicherung der Meinungsvielfalt“. Der Osten ruft? Hoffentlich nicht
bald aus dem Volksempfänger.
20 Jan 2020
## LINKS
DIR [1] https://www.zdf.de/dokumentation/37-grad/37-wenn-der-osten-ruft-100.html
DIR [2] /Verkauf-der-Mitteldeutschen-Zeitung/!5654041
DIR [3] /Stasi-Vorwurf-gegen-Holger-Friedrich/!5649482
DIR [4] /Medienkrise-in-Thueringen/!5608307
DIR [5] https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/medien/rechtsradikaler-will-radio-frequenz-in-thueringen-sendung-mit-rechter-gesinnung/25435384.html
## AUTOREN
DIR Anne Fromm
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