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       # taz.de -- Tod von NBA-Star Kobe Bryant: Ein ganz Großer
       
       > Der ehemalige Spieler der Los Angeles Lakers verstarb am Sonntag bei
       > einem Hubschrauberabsturz. Für den US-Sport ist das ein Schock.
       
   IMG Bild: Entschlossener Zug zum Korb: Kobe Bryant im Jahr 2006 gegen die Boston Celtics
       
       „Mamba out“, sagte er nach seinem letzten Spiel. Mamba out. Die Schlange
       beißt nicht mehr. [1][Dieses finale Match gegen die Utah Jazz] war ein
       Destillat von Kobe Bryants spektakulärer Karriere: Sein Team, die Los
       Angeles Lakers, lagen in der Schlussphase, die Basketball-Fans Crunch Time
       nennen, mit einigen Punkten zurück, aber der Altmeister wollte das nicht
       auf sich sitzen lassen. Natürlich nicht. Er zog zum Korb, warf von der
       Dreipunktelinie, infizierte die Halle, das Staples Center in L.A., ein
       letztes Mal mit seinem hypertrophen Ehrgeiz.
       
       Die Masse kreischte verzückt, und Edel-Fan Jack Nicholson grinste
       sardonisch. Am Ende hatte Bryant, wir schreiben das Jahr 2016, sechzig
       Punkte erzielt und seine Mannschaft hatte gewonnen. Er selbst hatte sich
       einst den Spitznamen „Black Mamba“ gegeben, weil er überzeugt war, in jeder
       Situation des Spiels zubeißen und sich mit schlangengleichen Bewegungen
       durch die Gegenspieler winden zu können.
       
       Am Sonntag ist Kobe Bryant mit einem Helikopter des Typs Sikorsky S-76 in
       Orange County, seinem Wohnort, gestartet, um mit seiner Tocher Gianna zu
       einem Basketballspiel in seiner Mamba Sports Academy zu fliegen, ein
       Sportzentrum, das mit dem Slogan wirbt: „Train the Mamba Way!“ Weder er
       noch die restlichen sieben Insassen kamen an. 30 Kilometer vom Startort
       entfernt stürzte das Fluggerät an einem Ort namens Calabasas ab und brannte
       vollständig aus. Alle Insassen starben. Es heißt, zum Zeitpunkt des Unfalls
       sei es neblig gewesen und der Helikopter sei untypisch tief geflogen.
       
       Mamba out. Dieses Mal für immer. Kobe Bryant ist 41 Jahre alt geworden. Er
       hinterlässt seine Frau Vanessa Cornejo Ubrieta Laine, drei Töchter und ein
       Millionenvermögen.
       
       ## Keine sentimentale Floskel
       
       Schock für den US-Sport. Gegangen ist einer der besten Basketballspieler
       aller Zeiten. Das ist keine Floskel, wie sie im sentimentalen Rausch in
       Nachrufe eingebaut wird – dieser Typ war ein sehr, sehr seltenes
       Bewegungstalent. Schon früh wurde er mit Michael Jordan verglichen.
       
       Und das war angemessen, denn Kobe Bryant, der als Shooting Guard, also als
       Aufbauspieler, 1,98 Meter groß war, stopfte die Bälle in die Reuse wie ein
       Großer, er schoss von außen wie ein Kleiner, und er bewegte sich unter den
       Körben so elegant wie der große Jordan. Ein Flummi mit lockerem Händchen.
       Ein fliegender Artist mit Augen am Hinterkopf. Ein Alles-Entscheider im
       Schlussviertel.
       
       Die US-Basketballliga NBA und ihr schlauer Commissioner David Stern hatten
       das Talent des jungen Burschen früh erkannt, weswegen sie ihn schon mit 18
       in ihre heiligen Hallen ließen. Kobe Bryant, der in einem Vorort von
       Philadelphia auf die Lower Merion High School gegangen war und dort etliche
       Rekorde pulverisiert hatte, übersprang wegen seiner überragenden
       Fähigkeiten das College und landete direkt in der NBA.
       
       Er wurde zwar von den Charlotte Hornets 1996 in den Kader berufen, aber
       nach einem Tausch landete Bryant bei den Los Angeles Lakers, bei denen er
       ohne Unterbrechung zwanzig Jahre lang spielen sollte.
       
       ## Jedes verdammte Spiel gewinnen
       
       Er trug zunächst die Nummer acht, erst später switchte er zur 24, die er
       auf der High School getragen hatte und unter der er in Erinnerung bleiben
       wird. Bryant spielte sich nicht nur ins Team, er schaffte es auch, aus den
       Lakers einen Titelanwärter zu machen, indem er der wenig erfolgsverwöhnten
       Mannschaft seinen unbedingten Siegeswillen aufdrückte. Sein Credo: Ich will
       gewinnen, jedes verdammte Spiel, und wenn ich dabei auch noch vierzig
       Punkte mache, umso besser.
       
       Am Aufschwung der Lakers war aber noch ein anderer Profi maßgeblich
       beteiligt: Bryants kongenialer Partner Shaquille O’Neal, das Kraftpaket in
       der Zone. Ein paar Spielzeiten harmonierten die beiden, dann kam es zum
       Bruch. Einer der eindrucksvollsten Zickenkriege im amerikanischen Sport
       folgte. „Shaq und Kobe haben eine Definition von Basketball, die lautet:
       Gib mir den Ball, und ich mache die Punkte. Mit einem Star funktioniert
       das. Mit zwei nicht“, sagte Jim Cleamons, Assistenztrainer der Lakers.
       Einmal sprachen die Basketballdiven nicht miteinander, ein andermal rissen
       sie sich zusammen.
       
       Beendet wurde das Theater der beiden Super-Egos erst, als Shaquille O’Neal
       die Lakers verließ und nach Miami wechselte. Kobe Bryant durfte sich über
       mehr ungeteilte Aufmerksamkeit und ein deutlich höheres Gehalt freuen.
       Außerdem war auch noch Coach Phil Jackson weg, der seinen eifrigsten
       Punktesammler immer wieder versucht hatte, in die Angriffsformation
       Triangle Offense zu pressen, was dem nicht behagte.
       
       Kobe Bryant wurde auf dem Parkett für seine Flugkünste und irren Dribblings
       bewundert, als sonderlich sympathischer Zeitgenosse galt er nicht. Zu
       verbissen, zu „selfish“, zu kompromisslos. Sein Image besserte sich auch
       nicht, als es im Sommer 2003 zu einer Festnahme nach einem
       Vergewaltigungsvorwurf kam. Bryant soll in dem Nobelhotel Lodge & Spa nahe
       dem Wintersportort Vail in Colorado eine Hotelangestellte unter
       Gewaltanwendung zum Beischlaf gezwungen haben.
       
       ## Seitenhiebe selbst in verzwickter Lage
       
       Bryant kam gegen eine Kaution in Höhe von 25.000 Dollar frei. Auf einer
       Pressekonferenz im Beisein seiner Frau Vanessa gestand er den
       Geschlechtsverkehr mit der 19-Jährigen ein, fügte aber hinzu: „Es ist
       nichts gegen ihren Willen passiert.“ Die Wut seiner Frau besänftigte er mit
       dem Kauf eines fünf Millionen Dollar teuren Brilliantrings. Der
       Strafprozess endete 2004, weil das mutmaßliche Opfer die Aussage
       verweigerte; im Zivilprozess kam es zu einer außergerichtlichen Einigung.
       
       Bryant schaffte es, selbst in dieser verzwickten Lage einen Seitenhieb auf
       Shaquille O’Neal zu platzieren. Er hätte es „mal lieber machen sollen wie
       O’Neal“, sagte er einem Polizeibeamten. Der habe Frauen in gleicher
       Situation bis zu einer Million Dollar Schweigegeld gezahlt und so sein
       Saubermann-Image bewahren können.
       
       O’Neals indignierter Konter: „Ich bin hier nicht derjenige, der für Liebe
       bezahlen muss.“ Nachhaltig geschadet hat Bryant die Anklage nicht, Nike
       schaltete 2005 wieder Reklame mit dem Superstar, und endgültig vergessen
       war die Sache wohl, als er sich wieder auf die Jagd nach sportlichen
       Trophäen begab.
       
       So wurde er mit 29 Jahren zum jüngsten Spieler, der 20.000 Punkte in der
       NBA erzielte. Im Jahr 2008 kürte man ihn zum Most Valuable Player, zum
       wertvollsten Spieler der Saison. 2009 gewann er seinen vierten
       Meistertitel, im Folgejahr den fünften. Vom gereiften Kobe Bryant hieß es
       nun, er setze nach langen Jahren der Skepsis auf die innere Kraft des
       Teambasketballs, aber wenn es darauf ankam, schnappte er sich doch lieber
       selbst den Ball und erledigte die Sache in Eigenregie.
       
       Diese Qualität als Self-made-Man schätzen die US-Amerikaner offenbar,
       weswegen die Los Angeles Times jetzt auch schreibt, Kobe Bryant habe
       Landsleute aller Hautfarben und Schichten in ihrem Glauben bestärkt,
       [2][„dass der Sieg nicht nur eine Möglichkeit, sondern unser Geburtsrecht
       ist“].
       
       Als sich am Sonntag die Nachricht von Bryants Tod verbreitete, reagierten
       seine ehemaligen Kollegen mit großer Betroffenheit, die sie in symbolischen
       Gesten äußerten. Vor dem Spiel der San Antonio Spurs gegen Meister Toronto
       Raptors etwa gab es eine Schweigeminute. Nach dem Anwurf ließen beide
       Mannschaften je einmal die 24 Sekunden auf der Wurfuhr ablaufen. Das
       Publikum rief „Kobe, Kobe“.
       
       Mamba out. Die Schlange beißt nicht mehr.
       
       27 Jan 2020
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Letztes-Spiel-von-Kobe-Bryant/!5291884
   DIR [2] https://www.latimes.com/california/story/2020-01-26/column-kobe-bryant-was-our-dreams-our-sweat-and-the-drive-that-unites-a-far-flung-city
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Markus Völker
       
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