URI:
       # taz.de -- Identitäre Bewegung räumt Hausprojekt: Identitäre ohne Zentrum
       
       > In Halle kündigt die Identitäre Bewegung ihre Räume. Das rechtsextreme
       > „Leuchtturmprojekt“ scheiterte auch dank Druck aus der Gesellschaft.
       
   IMG Bild: Ein Bild aus der Vergangenheit: Anhänger der Identitären Bewegung im Juli vor ihrem Haus in Halle
       
       Hamburg taz | Aus und vorbei. In Halle an der Saale ist die Identitäre
       Bewegung (IB) mit ihrem Hausprojekt „Flamberg“ gescheitert. Die
       Rechtsextremen um Mario Müller betreiben in dem vierstöckigen [1][Haus in
       der Adam-Kuckhoff-Straße] keine Bar mehr. Die Büroräume in dem Gebäude hat
       die IB ebenfalls schon geräumt. Auf dem neurechten Webportal sezession.net
       bestätigt der Portalbetreiber Götz Kubitschek am Donnerstag das Ende des
       Wohnprojekts. Mehr noch: Er spekuliert über das Aus der IB.
       
       Im April 2016 hatte der Leiter des Instituts für Staatspolitik (IfS) und
       hessische AfD-Landtagsabgeordnete Andreas Lichert das Haus mit einer
       Grundfläche von 338 Quadratmetern für 330.000 Euro erworben. Knapp ein Jahr
       später, im Frühjahr 2017, zog die regionale Gruppe der IB in das Gebäude
       gleich gegenüber der Universität ein.
       
       Auch andere neurechte Projekte nutzten die Räume. In einem Spendenaufruf
       für das Objekt legte Kubitschek, der das IfS gründete und den Antais Verlag
       betreibt, dar, dass das rechte Milieu für die Verstetigung der politischen
       Arbeit mehr feste Orte mit „Strahlkraft“ bräuchte. Im ersten Jahr fanden
       auch Salons, Partys, Konzerte und Vortragsabende statt.
       
       Die Veranstaltungen der IB waren aber immer wieder von Protesten begleitet.
       Auf ihrer bundesweiten Webseite räumt die IB ein, dass dieser Druck ein
       Grund dafür gewesen sei, dass das „Leuchturmprojekt AK 16 den ersten echten
       Rückschlag“ erlitt. Das Mietverhältnis sei seit Oktober aufgelöst, im
       November hätten sie endgültig die Räume geräumt.
       
       ## Lebenslüge von der gewaltfreien rechten Gruppe
       
       In diesem Jahr waren die Aktivitäten der IB in der Adam-Kuckhoff-Straße 16
       auch schon zurückgegangen. „Die Idee eines Zentrums hier in Halle ist
       gescheitert“, sagt Torsten Hahnel, Rechtsextremismusexperte von
       „Miteinander e.V.“. Den anhaltenden Protest gegen die Nutzer des Hauses
       nennt auch Hahnel als wichtigen Grund dafür, dass „das Leuchtturmprojekt
       nicht mehr leuchtet“. Gegen diesen Druck von Anwohner*innen, der
       Universität und der Stadt Halle hätte die IB kein Konzept gehabt. Mit ihrem
       Versuch, am 20. Juli einen Aufmarsch auszurichten, scheiterte sie zuletzt
       an breitem Protest.
       
       Hahnel denkt aber auch, dass „die Lebenslüge der IB, gewaltfrei zu sein“,
       längst entlarvt sei. IB-Anhänger*innen griffen aus dem Haus heraus
       [2][unter anderem zwei Zivilbeamte an]. Erst am Abend des 29. November
       durchsuchte die Polizei das Gebäude. Der Grund: Identitäre hatten Gäste
       einer Geburtstagsfeier in der Nähe angegriffen. Vier Menschen mussten
       medizinisch versorgt werden.
       
       In seinem Statement zur IB auf sezession.net schreibt Kubitschek die Mär
       von der gewaltfreien Gruppe fort und sieht sie als Opfer politischer
       Verhältnisse. „Es ist dem Staat samt seinen gewalttätigen Helfern aus
       Antifa-Kreisen gelungen, einen jungen, patriotischen Ansatz zu
       kriminalisieren und letztlich zu marginalisieren“, schreibt Kubitschek.
       
       ## „Bio und Jute“ statt „Glatze und Bomberjacke“
       
       Ohne die Unterstützung von Kubitschek wäre die IB schon 2013 gescheitert.
       Seit 2012 ist der eingetragene Verein mit rund 500 Anhängern in Deutschland
       aktiv. Bundesweit bekannt wurden die Identitären 2016 mit der kurzfristen
       Besetzung des Brandenburger Tors. Immer wieder versuchen sie durch Aktionen
       vor dem „großen Austausch der eigenen Bevölkerung“ und der „Islamisierung
       des Landes“ zu warnen.
       
       Die [3][moderne Präsenz in den sozialen Medien] brachte ihnen viel
       Resonanz. Aber auch dass sie Klischeevorstellungen zum Rechtsextremismus
       unterliefen. Die Anhänger*innen machten eher auf Jute und Bio statt auf
       Glatze und Bomberjacke.
       
       In der Auseinandersetzung legten Rechtsextremismusforscher*nnen und
       Journalist*innen die Blut-und-Boden-Ideologie der IB jedoch bloß.
       Verfassungsschutzstellen stuften den Verein als rechtsextremistisch ein und
       Facebook sperrte ihre Seiten. Eine Geldspende des neuseeländischen
       Christchurch-Attentäters an die IB führte zu Ermittlungen.
       
       In einzelnen Regionen ist die IB weiterhin aktiv. Aber nicht mehr in
       Sachsen-Anhalt. „Die Jungs müssen jedenfalls neu nachdenken, sich neu
       erfinden“, schreibt Kubitschek und weiter: „Das wird aber nicht mehr im
       Haus in Halle stattfinden, denn über dieses Haus müssen nun auch wir neu
       nachdenken“.
       
       13 Dec 2019
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Rechte-Identitaere-zeigen-Praesenz/!5456925
   DIR [2] /Rechter-Haeuserkampf-in-Halle/!5466846
   DIR [3] /Identitaere-Bewegung-und-Social-Media/!5611738
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Andreas Speit
       
       ## TAGS
       
   DIR Rechtsextremismus
   DIR Identitäre Bewegung
   DIR Götz Kubitschek
   DIR Schwerpunkt Demos gegen rechts
   DIR Identitäre Bewegung
   DIR Schwerpunkt G20 in Hamburg 
   DIR Schwerpunkt Neonazis
   DIR Identitäre Bewegung
   DIR Identitäre Bewegung
   DIR Halle
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
   DIR Angriff von Identitären in Halle: Freispruch trotz massiver Gewalt
       
       Identitäre sollen in Halle drei Studierende attackiert haben – und werden
       freigesprochen. Das Gericht sieht Notwehr, die Nebenklage einen Skandal.
       
   DIR Prozess wegen G20-Jahrestag: Von der Park- auf die Anklagebank
       
       Am zweiten Jahrestag des G20-Gipfels in Hamburg sind drei Menschen mit
       Brandsätzen festgenommen worden. Nun wird ihnen der Prozess gemacht.
       
   DIR Nazi-Kontakte des CDU-Mannes Möritz: CDU bröckelt am rechten Rand
       
       In Sachsen-Anhalt geht der Streit um die rechte Vergangenheit des
       CDU-Politikers Robert Möritz weiter. Jetzt äußert sich erstmals die
       Bundespartei.
       
   DIR Identitäre unter Beobachtung: „Die geistigen Brandstifter“
       
       Der Verfassungsschutz stuft die Identitären nun als klar rechtsextrem ein
       und will sie künftig beobachten. Dort fürchtet man bereits ein Verbot.
       
   DIR Identitäre Bewegung in Deutschland: Weiche Rechte auf die harte Tour
       
       Die sogenannten Identitären geben sich als gewaltfreie rechte Hipster. Dass
       dieses Image bröckelt, zeigt die Lage um ein Wohnhaus in Halle.
       
   DIR Rechte „Identitäre“ zeigen Präsenz: Das unheimliche Haus von Halle
       
       Die Nummer 16 hat neue Bewohner. Sie kommen von den „Identitären“. Der
       Protest ist laut. Aber was soll man machen?