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       # taz.de -- Bauern schüchtern Journalisten ein: Mit Mist vor der Haustür
       
       > Manche Landwirte gehen immer aggressiver gegen Medien vor. Nun belagerten
       > sie unter anderem das Haus eines Journalisten.
       
   IMG Bild: Kundgebung der Bauerninitiative „Land schafft Verbindung“ in Hannover im Oktober
       
       Bauern haben einen Zeitungsjournalisten und eine Kommunalpolitikerin in
       Niedersachsen mit Protesten vor deren Privathäusern bedrängt. Zudem
       forderten Landwirte in einer Petition, eine ihnen nicht genehme Redakteurin
       aus der Agrarredaktion des Bayerischen Rundfunks zu entfernen. In allen
       drei Fällen ging es um Äußerungen der Betroffenen zur
       [1][Landwirtschaftspolitik].
       
       Am vergangenen Sonntag zogen etwa 20 Bauern vor das Haus eines Redakteurs
       der [2][Braunschweiger Zeitung], wie das Blatt selbst und das
       Internetportal [3][Regional Braunschweig] berichten. Demnach fuhren die
       Landwirte mit einer Schubkarre voller Mist vor. Sie hätten dem Journalisten
       vorgeworfen, er habe „polemisch und fachlich sehr mangelhaft“ über die
       Bauern geschrieben, hieß es in der Zeitung. Auf dem Fußweg vor seiner
       Einfahrt hätten sie Tische und Bierbänke aufgebaut.
       
       Selbst als der Journalist zum Sonntagsdienst in die Redaktion musste,
       blieben sie sitzen. „Die Familie des Kollegen empfindet die Lage zunehmend
       als bedrohlich, wie eine Belagerung“, schrieb das Blatt.
       
       Eine ähnliche Aktion fand gleichzeitig vor dem Privathaus einer
       Kommunalpolitikerin der Grünen im Landkreis Wolfenbüttel statt, die in
       einer Pressemitteilung [4][Proteste der Bauern gegen Umweltauflagen]
       kritisiert hatte. Das berichteten Medien und der Gemeindeverband Cremlingen
       der Partei.
       
       ## Chefredakteur: „Grenze überschritten“
       
       „Das Eindringen in das Privatleben eines Journalisten werden wir nicht
       hinnehmen“, erklärte der Chefredakteur der Braunschweiger Zeitung, Armin
       Maus, in einem Artikel. „Hier ist eine Grenze überschritten worden, die
       verteidigt werden muss.“
       
       Abgesehen davon gehe der von den Bauern monierte Meinungstext des
       Redakteurs fair mit den Bauern um. Tatsächlich hieß es in dem Kommentar zu
       den Demonstrationen Tausender Bauern in mehreren Großstädten Ende Oktober:
       „Man kann das sehr gut verstehen, dass die Landwirte auf die Barrikaden
       gehen.“ Er riet ihnen aber auch: „Nicht nur klagen über Verbote und
       Verluste, sondern Lösungsvorschläge machen.“ Die Bauern seien nicht allein
       schuld an Umweltproblemen wie dem Insektensterben, der Verschmutzung
       des Grundwassers und dem Klimawandel, „aber unbeteiligt eben auch nicht“.
       
       Auch die agrarpolitischen Sprecher von CDU, SPD, Grünen und FDP im
       niedersächsischen Landtag verurteilten die Aktion als „eine schwere
       Verletzung der Privatsphäre“: „Öffentliche Diskussionen müssen im
       öffentlichen Raum stattfinden.“
       
       Verantwortlich für die ungebetenen Hausbesuche war einem Flugblatt zufolge
       die Gruppe „3 vor 12“, die sich an den Demonstrationen beteiligt hatte.
       Eine Bitte der taz um Stellungnahme ließ die Gruppe unbeantwortet.
       
       ## Petition gegen Redakteurin
       
       Wie aggressiv manche Landwirte mittlerweile gegen Journalisten vorgehen,
       zeigt auch der Protest gegen Christine Schneider, Agrarredakteurin des
       Bayerischen Rundfunks. Sie gab am Abend nach den Demonstrationen der
       BR-Fernsehnachrichtensendung „Rundschau“ ein Experteninterview. Darin sagte
       sie nach eigenen Angaben, dass die Landwirte 5 Milliarden Euro
       EU-Agrarsubventionen pro Jahr bekämen und deshalb die Gesellschaft mitreden
       dürfe, wie sie arbeiteten. „Davor liefen zwei Beiträge, die ausführlich die
       Meinung der Landwirte abbildeten“, so Schneider zur taz.
       
       Kurz nach dem Interview erschien auf dem Internetportal change.org [5][die
       Petition] „Absetzung von Christine Schneider im BR als Mitglied der
       Landwirtschaftsredaktion“. „Wenn nicht mehr neutral geurteilt wird, dann
       bitte verlassen Sie die öffentlichen Medien“, hieß es in dem Text, dem sich
       ungefähr 5.000 Menschen anschlossen.
       
       Zwar distanzierte sich der Bayerische Bauernverband von der Petition. Er
       beschwerte sich aber auch über Schneider beim BR.
       
       Der Informationsdirektor des Senders, Thomas Hinrichs, teilte mit, die
       Forderung nach Absetzung der Journalistin „ist mit der Pressefreiheit nicht
       vereinbar“. Kritische Diskussionen über das Programm seien wichtig. Die
       Forderung, „eine kritische BR-Journalistin mundtot zu machen“, gehe aber zu
       weit.
       
       Erfolg scheinen die Bauern mit ihrer aggressiven Taktik gegen Journalisten
       bisher nicht zu haben. Die Braunschweiger Zeitung titelte, dass die
       Landwirte durch den Hausbesuch „ihren Kredit verspielen“. Der BR setzte als
       Reaktion auf die Kritik zwar eine Sondersendung zur Lage der Landwirtschaft
       an. Er lud dazu als Vertreter der Landwirte den Bauernverband und die
       ökologisch orientierte Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft – aber
       nicht die Organisatoren der Demonstrationen Ende Oktober.
       
       14 Nov 2019
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /!t5007831/
   DIR [2] https://www.braunschweiger-zeitung.de/mitreden/kommentare/article227624453/Wie-20-Landwirte-durch-Grenzverletzung-ihren-Kredit-verspielen.html
   DIR [3] https://regionalbraunschweig.de/die-goldene-mistkarre-neuer-comedy-preis-der-landwirtschaft/
   DIR [4] /Grosse-Bauernproteste-auf-AfD-Linie/!5633870
   DIR [5] https://www.change.org/p/br-medienrat-absetzung-von-christine-schneider-im-br-als-mitglied-der-landwirtschaftsredaktion
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Jost Maurin
       
       ## TAGS
       
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