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       # taz.de -- Der Film „Der kleine Rabe Socke 3“: Prominent besetzte Tonspur
       
       > „Der kleine Rabe Socke 3“ ist in den Kinos. Wieder gibt der Hamburger
       > Sänger Jan Delay dem Zeichentrick-Vogel seine Stimme.
       
   IMG Bild: Vielleicht kein echter Rabe, aber ein echtes Identifikationsangebot: der freche Rabe Socke
       
       Bremen taz | Es gibt Kinoproduktionen, die bleiben fast gänzlich unter dem
       Radar der Filmkritik – die allermeisten Kinderfilme etwa. Dabei gibt es
       auch da Mach- und Kunstwerke. Und für ihr junges Zielpublikum stellen sie
       sehr oft die ersten Seherfahrungen abseits heimischer Bildschirme dar;
       Kinderfilme prägen also eine jeweils neue Generation potenzieller
       Kinogänger.
       
       Und einige sind ja auch erfolgreich. Mehr als eine Million Menschen haben
       die ersten beiden langen Zeichentrickfilme über die Abenteuer des kleinen
       Raben Socke im Kino gesehen. Nicht überraschend, dass eine weitere
       Fortsetzung entstand: „Der kleine Rabe Socke – Suche nach dem verlorenen
       Schatz“ ist vergangene Woche angelaufen.
       
       Für die, die ihn nicht kennen: Socke lebt im Wald, adoptiert von einer
       Dachsfamilie. Er ist also nicht allein, aber ein Außenseiter. Sein bester
       Freund ist der starke, ein wenig phlegmatische Eddi Bär. Zu ihnen gesellt
       sich dann noch das gewitzte und mutige Bibermädchen Fritzi.
       
       Der kleine Rabe hat schon eine lange Vermarktungskette hinter sich: 1996
       entwarf ihn die Illustratorin Annet Rudolph für das Bilderbuch „Alles
       meins!“ von Autorin Nele Moost. Ob beide damals Post von empörten
       Ornithologen bekommen haben? Mit seinem gelben Schnabel und den roten Füßen
       ist Socke strenggenommen kein Rabe – am ehesten noch eine Alpendohle. Den
       Kindern ist das egal: Sie lieben diesen frechen Helden, der sich auch mal
       vertut und dann von seinen guten Freunden – auch durchweg niedliche Tiere –
       zurückgebracht wird auf den richtigen Weg.
       
       Rund 100 Bilder-, Lern- und Malbücher für Kinder im Vorschulalter haben
       Moost und Rudolph über den kleinen Raben geschrieben und gezeichnet. Dazu
       entstanden 26 anfangs teilanimierte Kurzfilme, die auf den Geschichten
       basierten; sie liefen dann im Kinderfernsehen, zunächst bei „Unser
       Sandmännchen“. Seit 2016 sendet der öffentlich-rechtliche Kinderkanal Kika
       eine inzwischen 52-teilige Zeichentrickserie.
       
       Die aber ist erkennbar billiger produziert als die Kinofilme: 2012 kam „Der
       kleine Rabe Socke“ heraus, 2015 die Fortsetzung „Das große Rennen“. Wie bei
       Animationsfilmen üblich, entsteht „Der kleine Rabe Socke“ fürs Kino in
       mehreren Animationsstudios, mehr als 50 Animatoren arbeiteten schon daran –
       viele davon in Deutschland, aber wie ebenfalls üblich in der Branche: Die
       besonders arbeitsintensiven Aufträge vergab man an spezialisierte Firmen in
       Asien. Alle drei bisherigen Drehbücher schrieb Katja Grübel, eine
       „Head-Autorin“ der Kika-Serie. Das Produkt ist also schon lange von seinen
       beiden ursprünglichen Schöpferinnen Rudolph und Moost gelöst.
       
       Mit 73 Minuten Länge entspricht der jüngste Rabe-Socke-Film der
       Aufnahmefähigkeit der jungen Kinogänger. Die Geschichte von der
       Schatzkarte, die beim ungeliebten Dachbodenaufräumen auftaucht, wird in
       ruhigem, kindgerechtem Tempo erzählt; auch wenn es abenteuerlich wird,
       geschieht das so maßvoll aufregend, dass sich nicht mal kleinste Zuschauer
       fürchten dürften; freigegeben ist der Film übrigens ohne
       Altersbeschränkung. Gestaltet ist der Trickfilm in warmen, leuchtenden
       Farben, und das Regie-Duo Verena Fels und Sandor Jesse waren so klug, bei
       der Gestaltung nah dran zu bleiben am klaren Strich der Illustrationen von
       Annet Rudolph.
       
       Erklären lässt sich der große Erfolg des Franchise wohl am Besten dadurch,
       dass der kleine Held die Lebenserfahrungen kleiner Kinder spiegelt: Er ist
       neugierig und will alles ausprobieren, macht aber dabei Fehler und schmollt
       dann schnell. Am Anfang des neuen Films fällt er in eine Torte. Als er dann
       zur Strafe den Dachs'schen Dachboden aufräumen muss, fühlt er sich, als
       wäre die ganze Welt gegen ihn. Das kennen kleine Kinder, und für sie ist
       Socke einerseits wie ein noch kleinerer Bruder; andererseits motzt er auch
       mal selbstbewusst gegen die Großen.
       
       Fast so wichtig wie eine gute, das Zielpublikum ansprechende Animation ist
       bei Trickfilmen die Synchronisation: Die amerikanischen Studios lassen
       nicht umsonst schon seit Langem die Stimmen der Figuren von vielen der
       bekanntesten (und teuersten) Kinostars einsprechen. Und das eben auch für
       die anderen Märkte. So erhielt etwa in der deutschen Fassung der „Ice
       Age“-Filme das Faultier Sid die Stimme von Komiker-Star Otto Waalkes.
       
       Eine ähnlich inspirierte Wahl war es, den kleinen Raben Socke vom Hamburger
       Sänger und Rapper Jan Delay sprechen zu lassen, der ja etwa auch den Willi
       in den Animationsfilmen um die Biene Maja gibt. Hier nun trifft er genau
       den aufmüpfigen, übermütigen Ton dieses kleinen Helden, der umso mehr
       klingt wie ein kleiner cooler gefiederter Rebell.
       
       Auch so ein international eingeführtes Animations-Erfolgsrezept: die
       Handlung regelmäßig durch Lieder zu unterbrechen (man denke nur an diverse
       Disney-Produktionen). Dabei ist einer wie Delay natürlich in seinem
       Element, neben einem „Schatzlied“ singt er in einem „Königslied“, wie gerne
       er ein „Bestimmer“ wäre – erwachsenes Publikum dürfte sich daran erinnert
       fühlen, dass ein gewisser Rio Reiser mal ein inhaltlich sehr ähnliches Lied
       geschrieben und gesungen hat.
       
       Noch ein Komiker: Dieter Hallervorden ist spätestens seit seiner Rolle in
       „Honig im Kopf“ der Opa der Nation – und insofern folgerichtig als „Opa
       Dachs“ besetzt worden. Und es gibt innerhalb der Rabe-Reihe schon einen
       ersten Generationenwechsel, der noch dazu verdeutlicht: Es gibt mindestens
       eine Schauspielerinnen-Dynastie im Land: In den ersten beiden Filmen hatte
       Katharina Thalbach „Tante Dachs“ gesprochen, ihre Tochter Anna übernahm
       ihre Dachs-Tochter. Im neuen Film nun ist Anna als Tante zu hören. Die
       Dachs-Tochter spricht jetzt Annas Tochter, Nellie Thalbach – und war dafür
       prompt für den Deutschen Animationssprecherpreis 2019 nominiert. In der
       Branche werden Kinderfilme also durchaus ernst genommen.
       
       19 Dec 2019
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Wilfried Hippen
       
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