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       # taz.de -- Neues Buch von Naomi Klein: Stockholm in Washington
       
       > Naomi Klein hat neues Buch über den Green New Deal geschrieben. Es
       > erscheint als eine Art Kampagnenschrift im US-Wahlkampf.
       
   IMG Bild: Propagiert die Weltrettung: Naomi Klein
       
       Im Bullet Train, dem supermodernen Hochgeschwindigkeitszug, sitzt die
       Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez und reist von ihrem Wahlkreis New York
       zum Parlament in die US-Hauptstadt Washington.
       
       Während der Fahrt erklärt sie, wie es zu dieser gigantischen Reform kommen
       konnte, die die USA innerhalb eines Jahrzehnts zu einem ökologischen,
       klimaneutralen und gerechten Land gemacht hat, in dem es zudem kaum noch
       Diskriminierung gibt. Auch die neuen Schnellzüge, die jetzt sogar zwischen
       Ost- und Westküste verkehren, sind ein Teil des Green New Deal, des großen
       Sprungs in eine bessere Gesellschaft.
       
       [1][Das Sieben-Minuten-Video] mit der Geschichte „Eine Botschaft aus der
       Zukunft“, im Comic-Stil gezeichnet, erschien im April 2019. Unter anderem
       die Geschichte dieses Films erzählt Naomi Klein in ihrem neuen Buch, das
       gerade auf Deutsch erschienen ist ([2][siehe taz-Interview vom 19.
       September 2019]). Es heißt „Warum nur ein Green New Deal unseren Planeten
       retten kann“. Naomi Klein ist eine aus Kanada stammende Bestsellerautorin,
       die an der Rutgers University in New Jersey lehrt. Bekannt wurde sie mit
       ihrem globalisierungskritischen Buch „No Logo“ aus dem Jahr 2000.
       
       In ihrem neuen Werk fasst Klein eigene Essays zur Klimathematik aus
       mehreren Jahren zusammen. Die überwölbende Idee des Green New Deal greift
       zurück auf das Programm von US-Präsident Franklin D. Roosevelt, mit dem
       dieser ab 1933 die Folgen der Weltwirtschaftskrise zu überwinden half.
       
       ## Green New Deal – New Deal
       
       Der New Deal beinhaltete damals staatliche Arbeitsbeschaffung, öffentliche
       Investitionen in Talsperren, Stromnetze, Straßen, Naturschutzgebiete, die
       Einführung von Mindestlöhnen und Sozialversicherung, höhere Steuern für
       Firmen, Beschränkungen für Konzerne und vieles mehr. Aus dem
       Brutalkapitalismus sprangen die USA ins Zeitalter des Sozialstaats.
       
       Die moderne Version dieses Programms hat nun im Februar 2019 unter anderem
       die demokratische Abgeordnete Ocasio-Cortez in den US-Kongress eingebracht.
       Naomi Klein findet das super.
       
       Der Green New Deal – die House-Resolution 109 – soll innerhalb von zehn
       Jahren dafür sorgen, dass sich die USA nur noch aus erneuerbarer Energie
       versorgen, insgesamt klimaneutral werden, die Kohle- und Ölindustrie
       abschaffen, allen Bürger*innen gute und ausreichend bezahlte Arbeitsplätze
       garantieren, eine vernünftige Krankenversicherung für alle einführen, ein
       sozial gerechtes Bildungssystem befördern sowie geschlechtliche und
       ethnische Diskriminierung beenden.
       
       ## Programm zur Ablösung von Donald Trump
       
       Die Aufzählung ließe sich fortsetzen. Würde sie verwirklicht, könnte man
       Washington, D. C., in New Stockholm umbenennen. In der amerikanischen
       Innenpolitik wird das Vorhaben, gelinde gesagt, kontrovers diskutiert. Für
       Klein, Ocasio-Cortez, den Präsidentschaftskandidaten Bernie Sanders und
       andere ist es das Regierungsprogramm zur Ablösung von Präsident Donald
       Trump. Zahlreiche Politiker*innen der Demokraten unterstützen den Green New
       Deal.
       
       Weitreichende Vorschläge zum Klimaschutz machten auch aussichtsreiche
       Kandidat*innen wie Elisabeth Warren und Joe Biden. Trumps Republikaner
       dagegen lehnten die Resolution 109 im Senat bereits ab – ohne Diskussion.
       So erscheint Naomi Kleins Buch einerseits als Kampagnenschrift im
       US-Wahlkampf. Andererseits versucht sie die Idee des Green New Deal zu
       internationalisieren.
       
       Wobei das Label hierzulande nicht unbekannt ist. Bereits vor zehn Jahren,
       auch wegen der Finanzkrise, schmiedeten deutsche und europäische Grüne
       unter dieser Überschrift ein Programm, das ebenfalls Wirtschaft, Soziales
       und Ökologie verband. Als visionäres, mobilisierendes Gesamtkonzept zündete
       es jedoch nicht richtig, was auch an dem englischen Begriff gelegen haben
       mag, dem hier der Resonanzraum fehlte.
       
       ## Sogar von der Leyen spricht vom „Green Deal“
       
       Dass „DiEM25“, [3][die Organisation des griechischen Ex-Finanzministers
       Yanis Varoufakis], nun ein ähnliches Konzept propagiert, ist wahrscheinlich
       keine gute Voraussetzung für eine größere Attraktivität. Immerhin die
       Klimapolitik aber hat es in deutsches und europäisches Regierungshandeln
       geschafft. Sogar EU-Präsidentin Ursula von der Leyen spricht mittlerweile
       von einem Green Deal.
       
       Naomi Klein schreibt vor allem aus US-Perspektive. Kostenlose Bildung und
       vernünftige Krankenversorgung muss man hierzulande ja nicht fordern. Es
       gibt sie bereits. Freilich wäre es wünschenswert, wenn sich zwischen den
       USA und Europa wieder ein größerer Gleichklang in der Klimapolitik
       herstellen ließe. Vielleicht liefert das Buch einen kleinen Beitrag dazu,
       dass die vernünftigen Leute jenseits und diesseits des Atlantiks ihre
       Strategien koordinieren.
       
       11 Nov 2019
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.youtube.com/watch?v=d9uTH0iprVQ
   DIR [2] /Naomi-Klein-ueber-die-Klimakrise/!5627406
   DIR [3] /EU-Wahlantritt-in-Deutschland/!5548659
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Hannes Koch
       
       ## TAGS
       
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