# taz.de -- Die Wahl in Thüringen und der Bund: Das Ende der Träume von R2G
> Rot-Rot-Grün hat die Wahl in Thüringen eigentlich gewonnen. Aber bitter
> ist: Linke Koalitionen sind in Deutschland trotzdem kaum mehr möglich.
IMG Bild: Der Gewinner der Wahl in Thüringen, Bodo Ramelow mit Blumen aber ohne linke Mehrheit in Thüringen
Rot-Rot-Grün ist gescheitert. Selbst wenn Linke, SPD und Grüne in Thüringen
[1][als Minderheitsregierung weiterregieren] sollten: Die linke Mehrheit
ist weg. Bitter ist dieses Ergebnis über den Freistaat hinaus für alle, die
2014 gehofft hatten, das Erfurter Bündnis könnte sich zur Blaupause für
andere Länder und den Bund entwickeln.
Rot-Rot-Grün in Thüringen hat in den letzten fünf Jahren zwar vieles
richtig gemacht, trat am Sonntag unter besten Rahmenbedingungen zur
Wiederwahl an und hat bei einem genauen Blick auf die Zahlen sogar
gewonnen. Davon können sich die drei Parteien aber nichts kaufen. Mit dem
Aufkommen der AfD als drittes politisches Lager zerschlagen sich wohl alle
Träume von flächendeckenden rot-rot-grünen Mehrheiten in Deutschland.
Schauen wir auf die Zahlen: In Relation zu allen abgegeben Stimmen hat R2G
zwar knapp 2 Prozentpunkte verloren. In absoluten Zahlen hat das Bündnis
aber über 56.000 Stimmen gewonnen. Zum Teil liegt das daran, dass sogar
ehemalige CDU-Wähler*innen ins linke Lager gewechselt sind. Als einzige der
drei Regierungsparteien hat die SPD dieses Mal weniger Stimmen bekommen als
2014. Umfragen zufolge liegt das unter anderem an der Unzufriedenheit mit
der Großen Koalition im Bund.
Abgesehen davon war die Ausgangssituation am Sonntag beinahe ausgezeichnet.
Das starke Ergebnis kommt aus mehreren Gründen nicht überraschend: Anders
als 2014 gilt es heute nicht mehr als Tabu, einen Linken-Politiker zum
Regierungschef zu machen. Der Ministerpräsident und seine Koalitionspartner
haben in den letzten fünf Jahren weitgehend reibungslos und kooperativ
regiert. Die Wähler*innen im Land waren mit den Resultaten größtenteils
zufrieden. Den Menschen in Thüringen geht es allgemein gut. Und alle drei
Parteien hatten sich in einem Lagerwahlkampf klar zum rot-rot-grünen
Projekt bekannt.
Dass Rot-Rot-Grün trotz alledem keine Mehrheit im Landtag mehr bekommt, hat
einen einfachen Grund: Die AfD mobilisiert zahlreiche ehemalige
Nichtwähler*innen, nach verschiedenen Zahlen zwischen 78.000 und 95.000.
Die Rechtsextremen gehen vermehrt an die Urne, die Wahlbeteiligung steigt,
und die absoluten Zuwächse der Mitte-links-Parteien verwandeln sich in
relative Verluste. Thüringen ist zwar nicht der Bund, der Trend gilt aber
auch anderswo. Auch wenn es schmerzt: Rot-Rot-Grün ist mittlerweile ganz
weit weg.
28 Oct 2019
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DIR Tobias Schulze
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