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       # taz.de -- Superreiche fliegen CO2-intensiver: „Wie iPhone-Manie mit Privatjets“
       
       > Die Nachfrage nach Jets steigt. Superreiche wie Bill Gates verursachen
       > mit einem Flug bis zu 40-mal so viel CO2 wie ein Reisender beim
       > Linienflug.
       
   IMG Bild: Ein Privatjet mit US-Rapper A$AP Rocky an Bord verlässt den Flughafen Arlanda in Richtung der USA
       
       Berlin taz | Etwa 7.600 neue Privatjets werden im nächsten Jahrzehnt
       gekauft. Das schreibt das Luftfahrt-Unternehmen Honeywell Aerospace in
       einem aktuellen [1][Bericht]. Vor allem internationale Unternehmen und
       Superreiche interessieren sich für eigene Flugzeuge, um sie für
       geschäftliche oder private Reisen zu nutzen. Damit tragen sie
       überproportional zum CO2-Ausstoß bei: Denn sie verursachen laut Bericht pro
       Passagier:in ungefähr 40-mal so viel Kohlendioxid wie bei einem
       [2][kommerziellen Linienflug]. Andere Expert:innen gehen davon aus, dass
       sich die Zahl dem Zehnfachen nähert.
       
       Allen Klimadebatten zum Trotz ist dabei ein Aufwärtstrend zu beobachten:
       2019 fliegen voraussichtlich 690 neue Business-Jets. Neun Prozent mehr als
       im Vorjahr. Und die Nachfrage soll weiter steigen. Kosten der 7.600 neuen
       Jets: circa 224 Milliarden Euro.
       
       Zur Zeit sind etwa mehr als 4.600 Privatjets im Einsatz. Ein Fünftel der
       Jets werden von Prominenten und anderen Reichen bestellt. Aber auch
       Unternehmen kaufen Jets, damit Führungskräfte sie nutzen.
       
       „Es liegt an der Einführung vieler neuer Flugzeugmodelle mit neuen,
       geradlinigen Designs, die die Nachfrage steigen lassen“, sagt Gaetan
       Handfield, Autor des Berichts. „Die Leute möchten die neusten und besten
       Jets haben.“ Käufer:innen seien vor allem begeistert von der größeren
       Reichweite, die die aktuellen Modelle haben. Man könne so ohne
       Unterbrechung von New York bis nach Peking fliegen.
       
       ## Vier bis fünf Kabinen – wie eine Wohnung in der Luft
       
       Die Inneneinrichtung sei luxuriös: „Sie haben große Kabinen mit vier bis
       fünf Zonen. Sie haben ein Schlafzimmer, einen Ort, an dem sich die
       Besatzung ausruhen kann, eine Arbeitskabine, eine zum Essen sowie einen
       Platz für Unterhaltung“, sagt Handfield.
       
       Der Luftfahrtanalyst Brian Foley sagt: „Die Nachfrage nach Jets wird von
       Leuten befördert, die immer das neuste und beste Modell haben wollen. Es
       ist wie die iPhone-Manie, nur für Jets.“ Die Superreichen hätten einen
       Anteil von 15 bis 25 Prozent am Markt der Privatjets. Ein Viertel werde von
       Timesharing-Diensten gekauft. NetJets etwa funktioniert wie Carsharing für
       Privatjets plus ein Angebot fürs Leasing.
       
       Laut Bericht werden 19 Prozent der Jets in Europa gekauft. Etwa zwei
       Drittel entfalle auf die USA und China. In Schweden allerdings, so Foley,
       sei der [3][Greta Thunberg-Effekt] zu spüren: „Insbesondere in Schweden ist
       der Flugreisemarkt aufgrund von Greta um etwa fünf Prozent zurückgegangen“,
       sagt er. „Von dort ist es nach Europa gezogen. Aber bis nach Nordamerika
       und Asien kommt die Klimakrise nicht. Oder die Menschen sind nicht so laut
       und ergreifen keine Maßnahmen.“
       
       ## „Den meisten Prominenten ist die Klimakrise egal“
       
       Untersuchungen aus Schweden zeigen, dass viele Prominente, die sich für
       Klimaschutz einsetzen, zu einer Gruppe von „Superemittent:innen“ gehören,
       die Privatjets besonders oft nutzen. Bill Gates flog im Jahr 2017 [4][einer
       Studie] von Wissenschaftler:innen der Universität Lund zufolge 59-mal –
       insgesamt über 200.000 Meilen. Geschätzt sorge das für etwa 1.600 Tonnen
       Kohlendioxid. Gates nennt das Fliegen im Jet seine „[5][guilty pleasure]“.
       
       Andere Prominente, die laut der schwedischen Untersuchung als
       „Superemittent:innen“ gelten, sind Paris Hilton, Jennifer Lopez und Oprah
       Winfrey. Für ihre Daten haben die Forscher:innen Berichte in klassischen
       Medien und Beiträge auf Social Media durchsucht.
       
       Einer der Forscher, Stefan Gossling, sagt: „Ich wollte herausfinden, welche
       Personen am meisten Kohlendioxid produzieren. Wir reden immer über Länder,
       die versuchen, Emissionen zu reduzieren.“ Dabei gebe es große Unterschiede
       zwischen den Menschen eines Landes. „Ich denke, den meisten Prominenten ist
       die Klimakrise egal oder wenn sie sich interessieren, kümmern sie sich
       nicht genug, um es zu ändern.“
       
       28 Oct 2019
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.honeywell.com/en-us/newsroom/pressreleases/2019/10/honeywell-forecasts-7600-new-business-jet-deliveries-over-next-decade-valued-at-248-billion
   DIR [2] /Angela-Merkel-verpasst-G20-Auftakt/!5554897
   DIR [3] /Klimaschutz-Bewegung-in-USA/!5624601
   DIR [4] https://www.lunduniversity.lu.se/article/these-celebrities-cause-10000-times-more-carbon-emissions-from-flying-than-the-average-person
   DIR [5] https://www.businessinsider.com/bill-gates-enjoying-his-guilty-pleasure-2015-4?IR=T
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Nicole Opitz
       
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