# taz.de -- YouTube-Kanal gesperrt: Kein „Real Talk“ über LGBT
> In Russland wird gegen ein YouTube-Format ermittelt, in dem Kinder mit
> Vertretern der LGBT-Community über Homosexualität sprachen.
IMG Bild: Immer wieder geht der russische Staat gegen LGBT vor: Polizist bei einer Demo in St. Petersburg
Die Untersuchungsbehörde der russischen Hauptstadt Moskau hat [1][wieder
einmal] ein hartes Stück Arbeit vor sich. Es geht um ein Verfahren nach
Artikel 132 des russischen Strafgesetzbuches über „gewaltsame Handlungen
sexuellen Charakters gegenüber Personen, die das 14. Lebensjahr noch nicht
vollendet haben“. Darauf stehen zwischen 12 und 20 Jahren Haft.
Der Tatort ist eine Serie mittlerweile gelöschter Videos, die der
YouTube-Kanal „Real Talk“ Anfang September in Umlauf gebracht hatte. Dort
unterhalten sich Kinder mit Vertretern der LGBT-Community – unter anderem
mit Homosexuellen und einer Pornodarstellerin. In einer Szene fragt ein
Mädchen, warum Jungen aufwüchsen und keine Mädchen lieben könnten. An
anderer Stelle fragt ein Schwuler Kinder, was sie über Homosexualität
wüssten und erklärt ihnen, dass dies normal sei.
[2][Das finden die russischen Behörden offensichtlich ganz und gar nicht.]
Nach Angaben der Koordinatorin der Menschenrechtsgruppe Pravasaschity
Otkrytki, Walentina Dechtjarenko, seien alle Beteiligten bereits bei der
Polizei einbestellt worden. Den Müttern zweier Kinder sei mit dem Entzug
des Sorgerechts gedroht, andere Eltern von Mitarbeitern des Jugendamts
aufgesucht worden. Es gebe die Version, die Eltern hätten unter Druck der
Teilnahme ihrer Kinder an der Fragestunde zugestimmt. Das sei Unsinn, sagt
Dechtjarenko.
Bereits Mitte September hatte sich der Vize-Speaker des Unterhauses (Duma),
Petr Tolstoi, für die inkriminierten Bewegtbilder interessiert. „Was ich
gesehen habe, kann Eltern nicht gleichgültig lassen. Sollen doch die
Spezialisten feststellen, ob hier ein Gesetzesverstoß vorliegt. Mir
scheint, dass das unzulässig und unmoralisch ist“, sagte er der Zeitung
Iswestija.
## „Real Talk“ blockiert
Tolstoi glaubt festgestellt zu haben, dass die minderjährigen
Gesprächspartner vorbereitet gewesen seien. Schließlich hätten sie Fragen,
warum LGBT-Ehen in Russland verboten seien, nicht aus der Ruhe gebracht.
Die russische Informationsaufsichtsbehörde Rozkomnadzor hat den Kanal „Real
Talk“, der seit zehn Monaten existiert, blockiert. Gegen den Produzenten
des Videos wurde ein Verfahren wegen „Propaganda nichttraditioneller
sexueller Beziehungen zwischen Minderjährigen“ eingeleitet. Das sogenannte
Homo-Propagandagesetz wurde 2013 von Präsident Wladimir Putin
unterzeichnet. [3][Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte stellte
fest, dass es Homosexuelle diskriminiere.]
4 Nov 2019
## LINKS
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## AUTOREN
DIR Barbara Oertel
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