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       # taz.de -- OB-Wahl in Hannover: SPD mit Tränen in den Augen
       
       > Die Landeshauptstadt in Niedersachsen wird nicht mehr sozialdemokratisch
       > regiert. Jetzt entscheidet es sich zwischen Grün und Schwarz.
       
   IMG Bild: Sieger erkennt am Start. Verlierer auch. Hansmann, Onay und Scholz
       
       Das Ergebnis ist so überraschend wie erwartbar: [1][Belit Onay] und Eckhard
       Scholz gehen nach der Oberbürgerwahl in Hannover am Sonntag in die
       Stichwahl. Der Grüne Onay und der parteilose Scholz, der für die CDU ins
       Rennen ging, liegen mit je 32,2 Prozent der Wählerstimmen gleichauf. Wie
       genau eine solche oder eine ähnliche Pattsituation aussehen könnte, [2][war
       bis zum Schluss unklar]. Dass es keine eindeutige Entscheidung geben würde,
       schien schon länger relativ klar. Für die niedersächsische Hauptstadt ist
       das Ergebnis in jedem Fall eine neue Erfahrung.
       
       Doch der Sonntag dürfte sich vor allem aus einem anderem Grund stark in das
       politische Gedächtnis der Stadt einprägen: Die SPD, die in Hannover seit
       Ende des Krieges ungebrochen den Oberbürgermeister stellte, musste eine
       herbe Niederlage einstecken. Marc Hansmann, der einstige Stadtkämmerer,
       Vorstand des Energieversorgers Enercity, landete mit 23,5 Prozent
       Wählerstimmen weit abgeschlagen auf Platz 3. Das ist bitter – sowohl für
       Hansmann als auch für die SPD. So bitter, dass Hansmann den Tränen nahe
       war, als das Ergebnis verkündet wurde. Dass es für ihn, der mit der Stadt
       zwar eng verbunden, aber als SPD-Mann unter erschwerten Bedingungen
       angetreten ist, knapp werden würde, wusste er. Dass es so hart kommen
       würde, damit dürfte er nicht gerechnet haben.
       
       Dieser Macht- und damit einhergehende Bedeutungsverlust der
       Sozialdemokraten in Hannover kommt nicht von ungefähr. Da ist zum einen die
       sogenannte Rathaus-Affäre, deretwegen diese vorgezogene
       Oberbürgermeisterwahl erst nötig geworden war. [3][Stefan Schostok, der
       vorerst letzte SPD-OB, ist im Sommer wegen illegaler Gehaltszahlungen
       zurückgetreten.] Die Affäre, die bis heute nicht vollständig aufgeklärt
       ist, hat für den erheblichen Vertrauensverlust der Bürger*innen gegenüber
       der SPD gesorgt. Bürger*innen sprechen von „Misswirtschaft“, von
       „Gehaltserhöhungen nach Wunsch und Wille“, von „Vetternwirtschaft“.
       
       ## Profil- und Farblosigkeit der SPD
       
       Aber auch Hansmann als Person blieb in den vergangenen Monaten weitgehend
       unauffällig. Während der sportive Mann trotz seines offenen Lächelns stets
       ein wenig steif blieb, konnte insbesondere der Grüne Onay mit einer Art
       menschelnder Lockerheit die Wähler*innen für sich gewinnen. Ein Mantra, das
       viele Menschen in und außerhalb Hannovers singen: „Der ist so wahnsinnig
       sympathisch.“
       
       Zum anderen spielt – ähnlich wie bei der Landtagswahl in Thüringen, bei der
       die SPD am Sonntag ebenfalls ein Rekordtief zu verbuchen hatte – die
       Bundespolitik eine starke Rolle. Die unglückliche Figur, die die Partei in
       der Großen Koalition abgibt, bleibt auch den Menschen jenseits der Berliner
       Republik nicht verborgen. Mehr noch, der Unmut über die Farb- und
       Profillosigkeit der SPD als kleiner Juniorpartner an der Seite einer
       mächtigen Union, überstrahlt alle Erfolge, die die SPD trotz allem für sich
       verbuchen konnte. Wo auch immer SPD-Leute in den vergangenen Wochen an
       Wahlkampfständen auftauchten, stets wurden sie vor allem zu
       bundespolitischen und kaum zu lokalpolitischen Themen befragt.
       
       Hansmann will ab sofort wieder nur „Privatmann“ sein, wie er sagte. Die
       Stichwahl ist für den 10. November angesetzt.
       
       28 Oct 2019
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
   DIR Simone Schmollack
       
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