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       # taz.de -- Rückgang der Artenvielfalt: Jede dritte Käferart verschwunden
       
       > In einem Untersuchungsgebiet der Uni Lüneburg ging die Artenvielfalt in
       > den vergangenen 25 Jahren um ein Drittel zurück.
       
   IMG Bild: Noch am Leben oder schon nicht mehr auffindbar? Ein Goldlaufkäfer aus dem Jahr 2010
       
       Göttingen taz | Das Bienensterben und der Schwund bei Singvögeln hat
       zuletzt viele Menschen alarmiert. Weil die Verbreitung und die
       Lebensbedingungen dieser Tiere gut erforscht sind, können sich
       Umweltverbände und Naturfreunde leichter für ihren Schutz einsetzen. Bei
       den Käfern ist das anders: An den deutschen Hochschulen und
       Forschungsinstituten beschäftigen sich nur wenige Artenkundler mit diesen
       Insekten.
       
       Die in Mitteleuropa vorkommenden rund 8.000 Arten sind zwar alle
       beschrieben. Um aber die Verbreitung und den Rückgang einzelner Arten zu
       dokumentieren, müssen Forscher in aufwendigen Verfahren Käfer fangen,
       zählen, bestimmen – und das Ganze an denselben Fundorten mehrmals
       wiederholen.
       
       Aßmann und seine Crew haben sich bei ihrer Studie auf die große Familie der
       Laufkäfer beschränkt. „Das sind nachtaktive und besonders nützliche Käfer“,
       sagt Aßmann. Sie fressen Schädlinge wie Eichenprozessionsspinner, Schnecken
       und Blattläuse, aber auch Eier, Puppen und Larven von anderen Insekten. Auf
       landwirtschaftlich genutzten Flächen vertilgen Laufkäfer zusammen mit
       anderen Samenfressern einen großen Teil der ausfallenden Unkrautsamen.
       Gleichzeitig sind sie Futter für Krähen und Eichelhäher oder bauen
       Exkremente und organisches Material ab.
       
       Laufkäfer sind auf der ganzen Welt mit Ausnahme der Antarktis verbreitet,
       bekannt sind mehr als 40.000 Arten in 1.500 Gattungen. In Europa kommen
       knapp 6.000 Arten und Unterarten vor, in Mitteleuropa sind etwa 85
       Gattungen mit knapp 760 Arten bekannt.
       
       Die Käferfangstelle der Lüneburger Forschergruppe liegt im Hofgehölz Möhr
       bei Schneverdingen im Heidekreis. Hof Möhr ist Sitz der Alfred-Toepfer-
       Akademie für Naturschutz, der zentralen Bildungseinrichtung des Landes
       Niedersachsen zum Thema Naturschutz. Die Akademie ist auch an dem
       Käferprojekt beteiligt. Das Naturschutzgebiet wird nachhaltig
       bewirtschaftet, es werden also nicht mehr Bäume geschlagen als nachwachsen.
       
       Fast 25 Jahre lang fingen Aßmann und seine Mitarbeiter Käfer in einer
       Fangstelle mit acht Fallen. Alle zwei Wochen überprüften sie ihre
       wissenschaftliche Beute. „Wir können zwar jetzt nicht sagen, die und die
       Art ist ausgestorben“, bilanziert der Professor. Die Häufigkeit der in den
       Fallen eingesammelten Arten erlaube aber Rückschlüsse auf den Rückgang oder
       das Aussterben einzelner Spezies.
       
       „Die Artenvielfalt ist hier im Untersuchungszeitraum um fast ein Drittel
       zurückgegangen und in der Tendenz weiter abnehmend“, sagt Aßmann. Gerade in
       einem Naturschutzgebiet sei mit solch einer Entwicklung nicht zu rechnen
       gewesen. Als wesentliche Ursache komme der Klimawandel in Betracht. Die
       Temperaturen stiegen an, es werde immer trockener: „Für Larven, die sich im
       Sommer entwickeln, ist das sehr problematisch. Gerade Tiere dieser Arten
       haben wir immer seltener gefunden“, berichtet Aßmann.
       
       Negative Wirkungen könnten Pestizide haben, die auf nahen land- und
       forstwirtschaftlichen Flächen ausgebracht werden. „Artenvielfalt ist eine
       Versicherung für die Zukunft“, warnt Aßmann. „Eine nachhaltige Land- und
       Forstwirtschaft etwa wird ohne Insekten wie Laufkäfer nicht möglich sein.“
       
       Einen anderen Käfer wären Förster und Waldliebhaber hingegen gerne los: Die
       trockenen und sehr warmen Sommer der vergangenen Jahre haben die
       Ausbreitung des Borkenkäfers begünstigt. Waren für sie schon die im Januar
       2018 vom Orkan „Friederike“ umgeworfenen Bäume ein gefundenes Fressen,
       bohrten sich die Borkenkäfer in diesem Frühjahr in die Rinde noch
       stehender, durch die Hitze aber geschwächter Bäume.
       
       Aus den dort abgelegten Eiern entwickelten sich, ebenfalls begünstigt von
       der Hitze, schnell weitere Borkenkäfer. Für diese seien die Bedingungen
       sogar noch besser gewesen, sagt Peter Wollborn, Abteilungsleiter
       Naturschutz bei den Niedersächsischen Landesforsten. „Wegen der anhaltenden
       Trockenheit leiden die Fichten unter Trockenstress und sind deswegen
       besonders anfällig.“
       
       10 Oct 2019
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Reimar Paul
       
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