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       # taz.de -- Outsourcing Alice Salomon Hochschule: Gute Bezahlung ist unrealistisch
       
       > Ausgerechnet die Alice Salomon Hochschule mit emanzipatorischem Anspruch
       > sourct Reinigungsdienste aus. Studierende protestieren nun.
       
   IMG Bild: Die Mindeststandards in der Reinigungsbranche sind gering – der Mindestlohn liegt bei 10,56 Euro
       
       Berlin taz | „Wenn Sie verstehen wollen, was da vor sich geht“, sagt Emine
       Corhut, selbst Gebäudereinigerin, „dann müssen Sie sich die Branche
       ankucken, nicht ein einzelnes Unternehmen. Das sind alles Banditen, die tun
       sich da nichts.“
       
       Emine Corhut heißt eigentlich anders, aus Angst vor Repressionen möchte sie
       aber nicht, dass ihr Name in der Zeitung steht. Sie arbeitet seit 25 Jahren
       als Gebäudereinigerin, und sie ist sich sicher: „Es wird immer schlimmer.“
       Mit jeder erstrittenen Verbesserung gehe auch immer eine Verschlechterung
       einher.
       
       Sie habe großen Respekt vor Dora B. und Galyna B., zwei Kolleginnen, die
       die [1][Arbeitsbedingungen an der Alice Salomon Hochschule] angeprangert
       hatten. Sieben Minuten habe man im Schnitt, um einen Seminarraum zu
       reinigen, hatten sie in einem [2][Interview mit der Jungen Welt] gesagt.
       Notwendig sei die doppelte Zeit, um die Arbeit gut zu machen und dabei
       nicht auszubrennen. Daraufhin wurden ihre befristeten Verträge von der
       Firma Peter Schneider gekündigt oder nicht verlängert.
       
       Am Dienstagabend hat nun eine Solidaritätsgruppe unter Studierenden
       daraufhin ein Gespräch mit der Hochschule erzwungen, bei dem auch der
       Geschäftsführer der Peter Schneider GmbH, Tarik Ylmaz, anwesend war und vor
       ungefähr 70 Studierenden seine Sicht der Dinge darstellen konnte, ebenso
       wie der Kanzler der Hochschule, Andreas Flegl, und die Rektorin, Bettina
       Völter. Alle drei beriefen sich darauf, dass die Peter Schneider GmbH ein
       normaler Player am Markt sei, branchenüblich handle und es üblich sei, dass
       die Reinigungsdienstleistungen ausgelagert werde.
       
       ## Die Rektorin appellierte an den Realitätssinn
       
       Insbesondere Bettina Völter appellierte immer wieder an den Realitätssinn.
       „Ich bin bescheiden genug“, sagte sie zum Unmut der anwesenden
       Studierenden, „um zu sagen, dass wir nicht alles leisten können.“ Die
       Reinigung, wie von den Studierenden gefordert, zum Teil der Hochschule zu
       machen, sei nicht darstellbar. „Damit würde ich unsere Verwaltung
       überfordern.“ Man habe durchaus darauf geachtet, dass mit der Peter
       Schneider GmbH ein Unternehmen beauftragt wurde, das gewisse
       Mindeststandards einhalte.
       
       Nur sind die Mindeststandards in der Branche sehr gering. Aktuell liegt der
       Mindestlohn bei 10,56 Euro, der aktuelle Tarifvertrag wurde gekündigt,
       weswegen es erst vergangene Woche zu Warnstreiks gekommen ist.
       
       Die Gewerkschaften fordern, dass zukünftig ein Weihnachtsgeld gezahlt wird,
       dass Überstundenzuschläge nicht nur für Vollzeitkräfte bezahlt werden, und
       dass Fachkräfte eine bessere Entlohnung erhalten als ungelernte
       Gebäudereiniger*innen.
       
       Da sich die Arbeitgeber nicht bewegen, wird es wohl bald wieder Streiks
       geben. In der Vergangenheit wurden so zumindest (bescheidene)
       Lohnerhöhungen durchgesetzt. „Aber erstens frisst die Inflation die
       Erhöhungen von 30 Cent brutto pro Stunde“, sagt Corhut, und zweitens kämen
       die Lohnerhöhungen gar nicht bei den Arbeitnehmern an. Mit jeder Erhöhung
       würden einfach die Stunden reduziert, die für die Reinigung eines Gebäudes
       veranschlagt werden.
       
       Gerade die Auftraggeber sieht Corhut hier in der Pflicht: „Alle wollen
       immer das Beste, für möglichst wenig Geld.“ Dadurch werde der Druck auf die
       Firmen immer größer. Für Objekte, in denen vor zehn Jahren sechs
       Beschäftigte geputzt hätten, würden jetzt zwei Kräfte eingeteilt. Und die
       Möglichkeit, sich zu wehren, sei begrenzt: Die Gewerkschaften zahlen zwar
       zwischen siebzig und fünfundachtzig Prozent des Lohnes an Streikgeld, aber
       in diesem Niedriglohnbereich zählt am Ende eben jeder Cent – „Arbeitskampf
       können sich viele nicht leisten“. Deswegen sei man auf Solidarität
       angewiesen. Und es gebe durchaus Auftraggeber, die darauf achteten, dass
       die Reinigungskräfte nicht überstrapaziert würden: Der Deutsche Bundestag
       zum Beispiel gebe bei zu niedrigen Berechnungen die Angebote zur
       Überprüfung zurück. „Aber je kleiner die Institution, desto schlechter die
       Arbeitsbedingungen.“
       
       ## Studierende sollen selber auf Sauberkeit achten
       
       Warum sich ausgerechnet die Alice Salomon Hochschule daran kein Beispiel
       nimmt und kein Vorreiter der sozialen Gerechtigkeit sein wolle, fragten die
       Studierenden Bettina Völter mehrfach während des Gesprächs am Dienstag.
       Schließlich sei die Hochschule laut Leitbild eine Institution „mit
       emanzipatorischem Anspruch“, die „dem gesellschaftlichen Auftrag sozialer
       Gerechtigkeit und kritischer Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen
       Entwicklungen verpflichtet“ sei.
       
       Das sei richtig, antwortete Rektorin Völter, aber es stünden ganz andere
       Herausforderungen an. Die Hochschule wachse ständig, außerdem werde gerade
       neu gebaut, und auch dafür stehe die Finanzierung noch nicht. Es sei
       ohnehin ein über die Hochschule hinausweisendes Problem, das vom Senat
       geregelt werden müsse. Völter versprach trotzdem, einen Qualitätszirkel
       einzurichten, der die Einhaltung der Standards überprüfe.
       
       Außerdem seien hier jetzt alle in der Pflicht, sagte sie, und überhaupt:
       auch die Studierenden seien dafür verantwortlich, die Seminarräume in
       einigermaßen sauberem Zustand zu hinterlassen. Am Ende zeigte sie sich
       erfreut darüber, dass sich die Studierenden sozial engagierten. „Ich hätte
       gern auch eine bessere, gerechtere Welt“, sagte sie, „aber wir müssen auch
       realistisch bleiben.“
       
       4 Oct 2019
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Outsourcing-von-Reinigungskraeften/!5618052/
   DIR [2] https://www.jungewelt.de/artikel/358223.ausbeutung-am-arbeitsmarkt-ich-bin-doch-kein-roboter-ich-bin-ein-mensch.html
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Frédéric Valin
       
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       Arbeitsbedingungen. Studierende fordern, sie nicht mehr auszulagern.