# taz.de -- Qualität und Bedingungen in den Kitas: ErzieherIn bleiben ist zu schwer
> Jeder Vierte schmeißt den Erzieher-Job nach fünf Jahren hin. Es braucht
> deutlich höhere Löhne, klar. Aber auch bessere Strukturen.
IMG Bild: Selbst wenige Kinder zu hüten ist anstrengend – das Gehalt von ErzieherInnen wird dem nicht gerecht
Wer schon mal einen Kindergeburtstag für sieben Vierjährige ausgerichtet
hat, kennt das: Ohrensausen, Heiserkeit, totale Erschöpfung am Abend.
Sieben Vierjährige an fünf Tagen in der Woche zu betreuen gilt im
Kitabereich als optimal. In den meisten Ländern sind den ErzieherInnen mehr
Kindern zugeteilt, wie der Bildungsmonitor frühkindliche Bildung der
Bertelsmann-Stiftung zeigt. Hochachtung vor dieser Leistung!
Im Verdienst spiegelt sich das nicht wider. Eine Erzieherin mit
sechsjähriger Berufserfahrung verdient 3.400 Euro brutto im Monat. Das
berechnen UnternehmensberaterInnen als Dreitagespauschale. Kein Wunder
also, dass [1][bundesweit ErzieherInnen fehlen].
Am Enthusiasmus liegt es nicht. Fast 40.000 Menschen beginnen laut
Bundesfamilienministerium jedes Jahr eine Ausbildung zur ErzieherIn, fast
doppelt so viele wie vor zehn Jahren. Allerdings verlässt auch jede/r
Vierte das Arbeitsfeld Kita nach den ersten fünf Berufsjahren. Da liegt es
auf der Hand, dass der Beruf attraktiver werden muss. Mit besserer
Bezahlung, aber auch stärkerer Entlastung im Alltag. Die Kitas brauchen
mehr Personal..
Es genügt aber nicht, laut zu fordern, dass die Länder, statt Eltern von
Gebühren zu entlasten, doch einfach in zusätzliches Personal investieren
sollten. Denn die [2][Kita ist inzwischen eine Bildungseinrichtung] ähnlich
der Schule. Und es käme ja auch niemand auf die Idee, Schulgebühren zu
fordern, damit LehrerInnen angeheuert und die Klassen verkleinert werden
können. Abgesehen davon, gibt es derzeit schlicht nicht genügend
Fachkräfte, um die Nachfrage in den Kitas, aber auch in den Schulen, die ja
vermehrt Ganztagsschulen sein sollen, zu decken.
Für kurzfristige und einfache Lösungen ist es jetzt zu spät. Vielmehr
müssen künftig mehr Erzieherinnen ausgebildet und im Beruf gehalten werden.
Dazu muss die Gesellschaft – also Menschen mit und ohne Kinder in Bund,
Ländern und Kommunen – bereit sein, mehr Geld in den Bildungsbereich zu
investieren. Damit ErzieherInnen die Wertschätzung erhalten, die sie
verdienen.
26 Sep 2019
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## AUTOREN
DIR Anna Lehmann
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