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       # taz.de -- Regierungsbildung in Italien: Fünf Sterne stimmen für Koalition
       
       > Bei der Suche nach einer neuen Regierung in Italien hing alles von einer
       > Abstimmung im Internet ab. Nun dürfte der neuen Regierung kaum noch etwas
       > im Wege stehen.
       
   IMG Bild: „Wir haben große und gute Ideen für dieses Land“: der designierte Ministerpräsident Giuseppe Conte
       
       Rom dpa | Nach wochenlangem Tauziehen ist bei der [1][Regierungsbildung
       zwischen Fünf-Sterne-Bewegung und Sozialdemokraten (PD)] in Italien ein
       weiteres entscheidendes Hindernis aus dem Weg geräumt. Bei einer
       nervenzerreißenden Abstimmung auf einer Onlineplattform stimmten die
       Mitglieder der Fünf-Sterne-Bewegung am Dienstag mehrheitlich für ein
       solches Bündnis unter der Führung des designierten Ministerpräsidenten
       Giuseppe Conte.
       
       Damit kann Conte nun sein Kabinett bei Staatschef Sergio Mattarella
       präsentieren. Der muss es dann noch absegnen. Es wird erwartet, dass dies
       am Mittwoch geschieht. Nach der Vereidigung müssen noch beide
       Parlamentskammern einer neuen Regierung zustimmen. Die beiden Parteien
       haben dort eine Mehrheit. Der Pakt war zustanden gekommen, nachdem das
       europakritische Bündnis zwischen Sternen und der rechten Lega von Matteo
       Salvini – ebenfalls mit Conte als Premier – im August zerbrochen war.
       
       Auf dem Onlineportal „Roussau“ stimmten nun 79,3 Prozent für das neue
       Bündnis mit dem ehemaligen Erzfeind PD, 20,7 Prozent dagegen. „Jetzt sind
       wir auf den letzten Metern angekommen“, sagte Sterne-Chef Luigi Di Maio.
       Nun müsse eine Regierungsmannschaft ans Werk, die das Leben der Italiener
       verbessern müsse.
       
       Di Maio verteidigte das umstrittene Abstimmungsportal als Instrument der
       Basisdemokratie. Kritiker bemängeln bei „Rousseau“ aber fehlende
       Transparenz und Sicherheit. Am Dienstag stürzte es mehrmals ab. Das
       Ergebnis verzögerte sich, während ganz Italien auf eine Entscheidung
       einiger Zehntausend Sterne-Aktivisten wartete. Nun kann Italien nach
       wochenlanger Krise also bald eine neue Regierung mit den
       europafreundlicheren Sozialdemokraten bekommen.
       
       ## Wer folgt auf Salvini?
       
       Conte hatte davon gesprochen, dass nun „Träume“ wahr werden könnten. „Wir
       haben große und gute Ideen für dieses Land.“ Mit Spannung wird auf die
       Besetzung der Ministerposten geschaut. Um das wirtschaftlich angeschlagene
       Land zu reformieren, „braucht man keine Superhelden, die meinem Sohn so
       gefallen“, sagte Conte. „Es reichen normale Personen, die aber
       verantwortungsbewusst und entschlossen sind.“
       
       In der EU und auch in Deutschland sind die Hoffnungen groß, dass Italien
       mit dem Bündnis wieder näher an Brüssel heranrückt. [2][Rechtspopulist
       Salvini war auf extremen Konfrontationskurs gegangen]. Sterne-Chef Di Maio
       hatte sich zuletzt gemäßigter gezeigt. „Das Ziel ist sehr klar: In der EU
       und im Euro zu bleiben, aber mit Italien als einem der Protagonisten.“
       
       In einem Programmentwurf für die geplante Regierung ist von einer
       „expansiven Wirtschaftspolitik“ die Rede, die jedoch das Gleichgewicht der
       öffentlichen Finanzen nicht aufs Spiel setzen soll. Beim Thema
       Haushaltsdisziplin gab es regelmäßig Streit mit Brüssel über die
       ausufernden Schulden Italiens.
       
       Entscheidend bei Migrationsfragen wird vor allem, wer Salvini im
       Innenministerium folgt. Er hatte einen harten Kurs gegen Einwanderer
       gefahren und damit viele Stimmen im Volk geholt. In einem Entwurf des
       Regierungsprogramms von Sternen und PD wird das Streitthema weitestgehend
       ausgespart – es heißt lediglich, dass die illegale Einwanderung bekämpft
       und die sogenannte Dublin-Regel in der EU geändert werden soll. Diese
       besagt, dass Flüchtlinge in dem Land ihr Asylverfahren durchlaufen sollen,
       wo sie zuerst die EU betreten haben. Das ist wegen seiner Mittelmeerküsten
       häufig Italien.
       
       Nach den mühsamen Verhandlungen der letzten Tage zwischen den beiden
       zerstrittenen Parteien steht ein großes Fragezeichen hinter der Stabilität
       einer solchen Koalition. Denn: „Für einen Aktivisten der Fünf Sterne ist
       der Name PD das gleiche wie für einen Stier ein rotes Tuch“, sagte
       Politanalyst Francesco Galietti von der Denkfabrik Policy Sonar der
       Deutschen Presse-Agentur.
       
       Die Fünf-Sterne-Bewegung war aus der Parlamentswahl vom März 2018 mit mehr
       als 32 Prozent der Stimmen als die mit Abstand stärkste Partei
       hervorgegangen. Die PD hatte Italien in der Legislaturperiode 2013-2018
       regiert, bei der Wahl aber kräftig Stimmen verloren.
       
       4 Sep 2019
       
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