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       # taz.de -- Slowakei und Mord an Ján Kuciak: Hoffnung im Sumpf
       
       > Präsidentin Zuzana Čaputová wird verehrt als Lichtgestalt einer neuen
       > Slowakei. Doch auch für sie wird es schwer, gegen alte Strukturen
       > anzukommen.
       
   IMG Bild: Wird in Europa verehrt: die slowakische Präsidentin Zuzana Čaputová
       
       Ganz Europa ist [1][entzückt von Zuzana Čaputová]: Frau, Mutter,
       Menschenrechtsanwältin, zivilgesellschaftliche Aktivistin. Ihre
       Blitzkarriere von den Antiregierungsdemonstrationen nach [2][dem Mord an
       dem Journalisten Ján Kuciak] ins slowakische Präsidentenamt gleicht einem
       Märchen.
       
       Kaum im Amt, wird sie verehrt als Lichtgestalt einer neuen
       basisdemokratischen Slowakei. Die Wiederkehr Václav Havels, die Zukunft
       Europas. So wird Čaputová seit ihrem Sieg in den Präsidentschaftswahlen im
       vergangenen Frühjahr verehrt.
       
       In Märchen ist es allerdings so, dass die böse Hexe schon im Ofen steckt
       oder die garstige Stiefmutter ihr verdientes Ende gefunden hat, bevor die
       Prinzessin aus dem Zauberschlaf erwacht oder der Frosch sich als Prinz
       entpuppt. Das wahre Leben ist da weniger märchenhaft. Die Frösche wollen
       weder zu Prinzen mutieren noch ihren Sumpf aufgeben. Was sich in dessen
       Tiefen verbirgt, könnte ein Erdbeben im Land auslösen, wenn es an die
       Oberfläche gelangt.
       
       Zuzana Čaputová kann da als Präsidentin nicht viel mehr ausrichten, als
       einen hoffnungsfroh hellen Nebel über diesem Sumpf auszubreiten. Korrupte
       Politiker, betrügerische Oligarchen, postkommunistische Unternehmer, die
       durch Jahre des Schwarzhandels gewieft wurden, sind dadurch aber kaum in
       ihrem Habitat bedrängt.
       
       Vielleicht aber wird Čaputová einmal als Gallionsfigur einer neuen
       Slowakei, als weiblicher Václav Havel des Postkommunismus in die Geschichte
       eingehen. Vielleicht bleibt sie eine potemkinsche Präsidentin, die die
       Sehnsüchte der slowakischen Zivilgesellschaft repräsentiert, ohne sie
       verwirklichen zu können. Alles ist offen.
       
       Zumindest bis Februar, wenn die Slowaken einen neuen Nationalrat wählen.
       Dann wird es ums Ganze gehen. Und die alten Strukturen sind schon eifrig am
       Werkeln. Eine neue Partei ist in Arbeit, die das Koalitionspotenzial des
       Sumpfs erweitern will, angeführt von Štefan Harabin, der als Kopf der
       Justizmafia des Landes gilt. Ob Čaputovás Strahlen da genügen werden,
       bleibt abzuwarten.
       
       21 Aug 2019
       
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