URI:
       # taz.de -- Jugendzentrum droht weiter Räumung: Bezirk sieht keine Lösung für Potse
       
       > Das Gericht schlägt im Streit um das Schöneberger Jugendzentrum Potse
       > eine Mediation vor. Doch die scheitert schon vor Gesprächen am Bezirk.
       
   IMG Bild: Keine einvernehmliche Lösung in Sicht: Jugendzentrum Potse in Schöneberg
       
       Berlin taz | Im Konflikt um die Räume des autonomen Jugendzentrums Potse
       hat das Landgericht laut Beteiligten vorgeschlagen, eine einvernehmliche
       Lösung zu finden. „Das Landgericht hält den Fall geeignet für eine
       Mediation“, teilte der Potse-Anwalt Lukas Theune der taz mit. Das
       Potse-Kollektiv hielt das ihm zufolge für eine gute Idee und sei
       vergleichsbereit: „Sie bestehen nicht auf die bisherigen Räumlichkeiten,
       wenn sich geeignete Ersatzräume finden“, so Theune.
       
       Das Bezirksamt hatte beim Gericht einen Räumungstitel beantragt, weil sich
       die Potse in Schöneberg seit Januar nach einem durch den Eigentümer nicht
       verlängerten Mietvertrag weigert, ihre Schlüssel abzugeben, eine rechtliche
       Grauzone zwischen Besetzung und Weiternutzung. Der als Mieter offiziell
       fungierende Bezirk wartet seither vergeblich auf eine Schlüsselübergabe.
       Ebenso ergebnislos verlief bisher die Suche nach Alternativräumen –
       insbesondere weil diese für Punk-Konzerte geeignet sein müssten. Auch
       andere linke Projekte sind derzeit von Verdrängung bedroht – siehe etwa die
       Kiezkneipen Meuterei in Kreuzberg oder das Syndikat in Neukölln.
       
       Mediation hieße, dass das Räumungsverfahren vor einer mündlichen
       Verhandlung an einen Güterichter ginge, der selbst nicht über den Fall
       entscheidet, sondern bei einer freiwilligen Konfliktbeilegung helfen könne.
       Voraussetzung ist die Kompromissbereitschaft beider Parteien.
       
       Die allerdings ist im Fall der Potse nicht gegeben, wie eine Nachfrage beim
       Bezirksstadtrat Oliver Schworck (SPD) zeigt: „Eine einvernehmliche Lösung
       kann nur sein, dass wir ihnen geeignete Räume geben. Die
       Wahrscheinlichkeit, dass ich noch geeignete Räume finde, strebt allerdings
       gegen null.“ Man habe im Bezirk alles abgegrast und nichts gefunden.
       Schworck argumentiert vor allem mit Kosten: Solange die Jugendlichen die
       Räume weiter nutzten, müsse der Bezirk dem privaten Vermieter eine
       Nutzungsentschädigung zahlen – „ich kann nicht riskieren, das Verfahren in
       die Länge zu ziehen“, so Schworck.
       
       ## Aufgeschoben, nicht aufgehoben
       
       Allerdings sei der Bezirk auch abseits des vorgeschlagenen
       Mediationsverfahrens weiter an einer Lösung in Form möglicher
       Alternativräume interessiert – nur habe er keine. Auch im
       Koalitionsausschuss diskutierte Alternativen scheiterten bislang. Für eine
       ehemalige Bank etwa in der Potsdamer Straße 140 hat das Finanzamt
       Eigenbedarf angemeldet.
       
       Der vom Bezirksamt Schöneberg beantragte Räumungstitel gegen das
       Jugendzentrum dürfte mit dem gerichtlichen Vorschlag einer
       Konfliktbeilegung also nur ein bisschen aufgeschoben sein, nicht jedoch
       aufgehoben.
       
       Blöd ist das wohl vor allem für junge Menschen in Westberlin, die das
       Angebot nutzen. Gegründet wurde die Potse 1979, im September wollen die
       Jugendlichen 40-jähriges Jubiläum feiern. Die Nachfrage sei insbesondere
       seit der verweigerten Schlüsselübergabe groß: Bis zu 500 junge Menschen
       kommen laut Potse wöchentlich. Paul, ein Sprecher der Potse, sagt: „Wir
       hoffen weiter auf eine Lösung und sind an einem Konsens interessiert.“ Aber
       er sagt auch: „Wir bleiben so lange, bis es adäquate Ersatzräume gibt.“
       
       9 Jul 2019
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Gareth Joswig
       
       ## TAGS
       
   DIR Potse
   DIR Jugendzentrum
   DIR Verdrängung
   DIR Gentrifizierung
   DIR Schwerpunkt Gentrifizierung in Berlin
   DIR Potse
   DIR Rigaer Straße
   DIR Berlin-Mitte
   DIR Stadtentwicklung
   DIR Tempelhof-Schöneberg
   DIR Verdrängung
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
   DIR Autonomes Jugendzentrum: Potse-Streit geht weiter
       
       Der Räumungsprozess wurde am Mittwoch nach kurzer Zeit unterbrochen. Die
       Anwälte des Kollektivs halten den Richter für befangen.
       
   DIR Polizei durchsucht Hausprojekt in Berlin: Razzia in der Liebig 34
       
       Nach Steinwürfen hat die Polizei Räume im queerfeministischen Hausprojekt
       Liebig 34 durchsucht. Bewohner*innen kritisieren den Einsatz.
       
   DIR Schließung des Tanzlokals: Clärchens Ballhaus bleibt wo’s ist
       
       Das Tanzlokal in der Berliner Auguststraße soll Ende 2019 schließen. Doch
       der neue Besitzer verspricht: Nach einer Renovierung wird weitergetanzt.
       
   DIR Die Potsdamer Straße als neue Toplage: Warten auf das Wirtschaftswunder
       
       Schmuddelkind, schick – die Potsdamer Straße ist beides. Auch Sony Music
       richtet sich nun hier ein, „Im Wirtschaftswunder“ heißt das Bauprojekt.
       
   DIR Berliner Drugstore und Potse: Frust macht sich breit
       
       Das Bezirksamt reicht Räumungsklage gegen das autonome Jugendzentrum Potse
       ein. Der Stadtrat hofft aber weiterhin auf eine Lösung.
       
   DIR Kneipenkollektiv droht Rauswurf: Bald vorbei mit Meuterei
       
       2019 ist das Jahr der bedrohten linken Räume in Berlin. Nach dem Syndikat
       und der Potse droht nun dem Kneipenkollektiv Meuterei der Rauswurf.