# taz.de -- Vorstöße der SPD zum Paragrafen 219a: Der Eiertanz der SPD
> Erst gegen Paragraf 219a kämpfen, dann zurückrudern und nun doch alles
> blöd finden: ganz die SPD. Die neue Kritik ist berechtigt, aber
> unglaubwürdig.
IMG Bild: Die SPD kann bei der Bewegung niemanden mehr begeistern: Wer so laviert, dem glaubt man nicht
Es ist ein Déjà-vu der feinsten Sorte. Gerade anderthalb Jahre ist es her,
dass die SPD forderte, der Paragraf 219a müsse abgeschafft werden. Es
folgte ein Hin und Her zum Fremdschämen, bis sich die Partei schließlich
wegduckte und aus reinem Machtkalkül das Recht der ÄrztInnen verriet,
angemessen darüber informieren zu dürfen, dass und wie sie
Schwangerschaftsabbrüche machen.
Nun wieder zweifeln SPD-PolitikerInnen, die für den Kompromiss mit der
Union stimmten, an ebendiesem Kompromiss. Angesichts der jüngst online
gestellten Liste der Bundesärztekammer, auf der von rund 1.200 ÄrztInnen,
die bundesweit Abbrüche vornehmen, [1][nur 87 stehen], müsse geprüft
werden, ob man in dieser Wahlperiode nicht „doch noch mal“ an den 219a
rangehen solle, sagte der rechtspolitische Sprecher der SPD-Fraktion,
Johannes Fechner. Karl Lauterbach, der sich zusammen mit Nina Scheer gerade
um den Job an der Spitze seiner Partei bewirbt, zweifelt am Kompromiss. Und
Scheer fordert, den Paragrafen gleich ganz zu streichen.
Die schlechte Nachricht, auch für die SPD: Wer so herumlaviert, dem glaubt
man nicht. In der linken und feministischen Bewegung wird eher mit Hohn zur
Kenntnis genommen, dass der Eiertanz der Partei kein Ende nimmt – und dies
auch aus offensichtlich PR-taktischen Gründen wie dem, sich für den
Parteivorsitz zu profilieren. Möglicherweise wird an der Ausgestaltung der
Liste noch etwas herumgedoktert. Am Kompromiss an sich wird das auf
absehbare Zeit nichts ändern.
Nichtsdestotrotz: Der Debatte über den Paragrafen 219a tun die Stimmen aus
der SPD gut. Dass die Opposition seit Monaten auf der Streichung beharrt,
schafft es kaum noch in die überregionalen Nachrichten – [2][dass
PolitikerInnen der Koalition den Kompromiss kritisieren], hingegen sofort.
Ob es in einem neu gewählten Bundestag noch eine Mehrheit zur Abschaffung
des Paragrafen gäbe, ist momentan nicht absehbar. Doch immerhin die
Aufmerksamkeit für das Thema wird gehalten. Und damit auch die Möglichkeit,
politische Chancen zu ergreifen, sobald sie sich bieten.
7 Aug 2019
## LINKS
DIR [1] /Aerztinnen-die-Abtreibungen-vornehmen/!5610018
DIR [2] /Informationen-ueber-Abtreibungen/!5616385
## AUTOREN
DIR Patricia Hecht
## TAGS
DIR §219a
DIR Schwerpunkt Abtreibung
DIR Bundesärztekammer
DIR SPD
DIR Feminismus
DIR Schwerpunkt Paragraf 219a
DIR Schwerpunkt Paragraf 219a
DIR SPD-Fraktion
DIR Schwerpunkt Paragraf 219a
DIR Lesestück Interview
DIR Schwerpunkt Paragraf 219a
## ARTIKEL ZUM THEMA
DIR Strafe für § 219a-Protest im Bundestag: 150 Euro pro T-Shirt
Zehn Aktivist*innen müssen Strafe zahlen, weil sie im Parlament die
Abschaffung von § 219a gefordert haben. Solche Bußgelder sind eine
Seltenheit.
DIR SPD-Politikerin über 219a: „Die Liste funktioniert nicht“
Nina Scheer will SPD-Chefin werden – und den Kompromiss zum „Werbeverbot“
für Abtreibungen neu verhandeln. Im Grunde gehöre der Paragraf gestrichen.
DIR SPD-Fraktion im Bundestag: Mützenich will dauerhaft Chef sein
Die SPD sucht nach einer neuen Führung. In der Fraktion wirft der
kommissarische Chef Rolf Mützenich nun seinen Hut in den Ring.
DIR Informationen über Abtreibungen: „Die Liste ist keine große Hilfe“
Steht der Kompromiss zu §219a wieder auf der Kippe? SPD-PolitikerInnen wie
Johannes Fechner kritisieren die gerade veröffentlichte Ärzt*innenliste.
DIR Interview mit Katrin Göring-Eckardt: „Die Zukunft ist feministisch“
Katrin Göring-Eckardt steht der Bundestagsfraktion der Grünen vor. Ein
Gespräch über Macht, weiße Privilegien und das Recht auf Abtreibung.
DIR Liste von Abtreibungsärzt*innen: Murks bleibt Murks
Eine Liste zeigt, wer in Deutschland Schwangerschaftsabbrüche vornimmt. Die
Folge ist maximale Verunsicherung.