URI:
       # taz.de -- Ausbeutung im Gastgewerbe
       
       > Laut einer Umfrage des Magazins Hinz&Kunzt wird in Hamburger Hotels oft
       > nicht der Mindestlohn bezahlt
       
       Von Julika Kott
       
       Offenbar gilt der Mindestlohn nicht für alle Menschen in Deutschland.
       Obwohl verbindliche Tarif-Verträge existieren, zahlen viele Unternehmen der
       Hotelbranche in Hamburg den Reinigungskräften nicht den gesetzlich
       vorgeschriebenen Mindestlohn, zeigt eine Umfrage des Hamburger
       Straßenmagazins Hinz&Kunzt. Das sei laut der Umfrage hauptsächlich bei
       Hotels der Fall, die die Reinigungsarbeit an Subunternehmen auslagern.
       
       Laut Gesetz müssen Hamburger Hotels, die Mitglieder des Deutschen Hotel-
       und Gaststättenverbandes (Dehoga) sind, ihren Reinigungskräften mindestens
       den Tariflohn von 9,97 Euro in der Stunde zahlen, die anderen müssen
       wenigstens den Mindestlohn von 9,19 Euro zahlen. Für
       Dienstleistungsunternehmen, die als Gebäudereiniger beauftragt werden, gilt
       in ein Branchenmindestlohn von 10,56 Euro.
       
       Zum vierten Mal untersuchte der Journalist Ulrich Jonas die
       Arbeitsbedingungen und die Bezahlung der Reinigungskräfte in Hotels,
       Gasthöfen und Pensionen. Von 320 befragten Hotels antworteten 177.
       Insgesamt 33 Hotels weigerten sich, an der Umfrage teilzunehmen.
       
       Immerhin 77 Hotels bieten faire Arbeitsbedingungen: Die Putzkräfte sind
       Angestellte des Hotels und werden nach dem gesetzlich vorgeschriebenen
       Mindestlohn bezahlt, manchmal sogar besser, unabhängig von der Anzahl an
       Zimmer, die sie putzen. Diese Zahl ist jedoch seit 2011, als der letzte
       Hotelreport veröffentlicht wurde, drastisch gesunken – damals waren es noch
       101. Außerdem verlagern noch genügend Unternehmen die Reinigungsarbeit an
       Subunternehmen, um Kosten zu sparen, ohne sich um die Arbeitsbedingungen
       und die Bezahlung der dort angestellten Menschen verantwortlich zu fühlen.
       
       Viele Menschen, die in solchen Dienstleistungsfirmen arbeiten, seien nicht
       über ihre Rechte aufgeklärt und hätten Angst, ihren Job zu verlieren, sagt
       Jonas. Deshalb wehrten sie sich nicht gegen die Ausbeutung. Einige
       berichteten über Löhne in Höhe von 3,21 Euro pro Stunde. Das seien längst
       keine Einzelfälle mehr, wie die Umfrage nahe lege.
       
       Die Verantwortung für eine faire Bezahlung der Reinigungskräfte in Hotels
       trügen jedoch nicht nur die Hotelbetreiber*innen, findet Jonas, auch
       Kund*innen sollten bei der Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit darauf
       achten. „Bei Kettenhotels ist die Wahrscheinlichkeit des Outsourcings, der
       Auslagerung von Reinigungsarbeit, höher“, sagt Jonas. „Das bedeutet aber
       nicht, dass im Falle von teuren Hotels die Arbeitsbedingungen zwingend
       besser sind.“
       
       31 Jul 2019
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Julika Kott
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA