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       # taz.de -- Die Wahrheit: Hochzeit mit Eintrittskarte
       
       > Zu häufiges Umsteigen und blondes Monopolstreben können dem vermeintlich
       > schönsten Tag des Lebens eine unerwartete Wendung geben.
       
       Maureen zeigte neulich ihre Hochzeitsfotos. Sie war zum jüdischen Glauben
       übergetreten und hatte in Israel geheiratet. Auf den Fotos war von einer
       jüdischen Hochzeit aber nichts zu sehen. Ihre Mutter habe die Fotos
       gemacht, sagte Maureen. Weil sie streng katholisch sei und sich vor dem
       Rest der katholischen Verwandtschaft schämte, hatte sie große Anstrengungen
       unternommen, damit weder der Rabbiner noch der verzierte Baldachin auf den
       Fotos zu sehen waren.
       
       „Sie hat sich sogar auf den Boden gelegt, um ein rabbinerfreies Bild zu
       bekommen“, sagte Maureen. „Im Vorfeld hatte sie sogar erwogen, ein
       Bildbearbeitungsprogramm zu kaufen. Sie hatte nur deshalb darauf
       verzichtet, weil sie davon keine Ahnung hat und ihre Kinder sich weigerten,
       ihr bei dem Fake zu helfen.“ Ansonsten sei die Hochzeitsfeier harmonisch
       gewesen. Man habe die Internetseiten mit Hochzeitskatastrophen studiert, um
       Fehler zu vermeiden. „Eine Braut verlangte von ihren Freundinnen, dass sie
       ihre Haare dunkel färben, weil sie die einzige Blondine sein wollte“,
       erzählte Maureen. „Die Freundinnen sagten ab und fuhren am Hochzeitstag
       gemeinsam in den Urlaub.“
       
       Ein anderes Paar hatte an die Gäste geschrieben, dass sie 75 Pfund Eintritt
       zahlen müssen, um an der Feier teilzunehmen. Diejenigen, die bezahlten,
       kamen auf ihre Kosten. Nachdem ein Gast enthüllt hatte, dass die Braut seit
       der Verlobung zwar mit allen Trauzeugen, aber nicht mit dem Bräutigam
       geschlafen hatte, brach eine Schlägerei aus. Am Ende zog sich der Bräutigam
       mit der Schwester eines Trauzeugen zurück, drei Wochen später wurde die
       Hochzeit annulliert. Bei den Polterabenden muss man ebenfalls aufpassen.
       Auf den britischen Inseln feiern Männer und Frauen getrennt. Dabei denken
       sich die Freunde und Freundinnen jede Menge Gemeinheiten aus, um den Tag
       unvergessen zu machen. Der Feuerwehrmann Carl Bate kann ein Lied davon
       singen.
       
       Er war mit zehn Freunden nach Marbella gereist. Dass sie ihm eine
       auflösbare Badehose untergejubelt hatten und er nackt aus dem Hotelpool
       steigen musste, fand er noch halbwegs lustig. Aber seine Freunde hatten ihm
       einen Rückflug gebucht, bei dem er vier Mal umsteigen musste. Weil sich der
       vorletzte Abflug in Paris verzögerte, bekam er den Anschlussflug in Dublin
       nicht und musste auf einer Bank übernachten. Nach 26 Stunden war er endlich
       wieder in Leeds – und hatte die Hochzeit verpasst.
       
       „Wenigstens geht es bei uns nicht so zu wie bei der englischen
       Königsfamilie“, sagte Maureen. „Dort züchten sie sich einen Pfarrer heran,
       der nach der Zeremonie hingerichtet wird, damit die Hochzeit ein Unikat
       bleibt und er keine weiteren Ehen schließen kann.“ Und was war mit dem
       Rabbiner bei ihrer Hochzeit? „Den hat meine Mutter erschossen, damit er
       niemandem verraten kann, dass es eine jüdische Hochzeit war.“
       
       1 Jul 2019
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Ralf Sotscheck
       
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