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       # taz.de -- Steuerzuschlag für unbebaute Grundstücke: Brachland soll sich nicht lohnen
       
       > Hamburg will Spekulanten zur Kasse bitten, die ihre Grundstücke leer
       > lassen. Das könnte ein Baustein auf dem Weg gegen die Wohnungsknappheit
       > sein.
       
   IMG Bild: Hamburgs Finanzsenator will Grundstückseigentümer motivieren, zu bauen
       
       Hamburg taz | Die Stadt Hamburg will Spekulanten zur Kasse bitten, die
       Grundstücke brach liegen lassen. Sie sollen ab 2025 deutlich höhere
       Grundsteuern zahlen, kündigte Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) am
       Freitag an. Gegenüber dem Norddeutschen Rundfunk betonte der Senator, es
       handele sich nicht um Symbolpolitik. Die Pläne sollten vielmehr eine
       Dimension haben, „die klar macht, dass das kein wirtschaftlich
       vorteilhaftes Geschäft ist“.
       
       Obwohl der Druck auf Politik und Wirtschaft wächst, kommt der Wohnungsbau
       in Deutschland dem Bedarf nicht hinterher. Von Januar bis April wurden in
       Deutschland sogar 1,3 Prozent weniger Baugenehmigungen als im gleichen
       Vorjahreszeitraum erteilt, meldet das Statistische Bundesamt.
       
       Dabei schneidet Hamburg im bundesweiten Vergleich der Großstädte noch
       glimpflich ab. Immerhin 10.674 neue Wohnungen wurden 2018 in Hamburg
       fertiggestellt – zuletzt waren 1977 so viele Wohnungen in einem Jahr gebaut
       worden.
       
       Trotzdem klaffen Angebot und Nachfrage auf dem Wohnungsmarkt immer weiter
       auseinander. Das trifft Mieter, aber auch angehende Häuslebauer. Mit
       durchschnittlich 3.823 Euro pro Quadratmeter ist nach Berechnungen des
       Instituts der deutschen Wirtschaft der Preis für Einfamilienhäuser in
       keinem Bundesland so hoch wie in Hamburg.
       
       ## Grundstückseigentümer sollen zum Bauen bewegt werden
       
       Helfen, die dramatische Lage zu entspannen, soll nun der Plan des
       rot-grünen Senats, Bauland-Eigentümer mit einem Steuerzuschlag für
       unbebaute Grundstücke zu belasten, um sie zum Bauen zu bewegen. Möglich
       werden soll das durch die sogenannte Grundsteuer C. Sie soll Gemeinden und
       Städten mit erhöhtem Wohnraumbedarf erlauben, einen eigenen, erhöhten
       Grundsteuer-Hebesatz vorzusehen.
       
       „Für Hamburg liegen diese Voraussetzungen vor“, versichert ein Sprecher der
       Finanzbehörde. Senator Dressel habe daher seine Verwaltung beauftragt, mit
       den Vorbereitungen einer solchen zusätzlichen Grundsteuer zu beginnen. Aus
       formellen Gründen könne die Spekulationssteuer allerdings erst im Jahre
       2025 erhoben werden. Die Absichtserklärung sei jedoch schon heute „ein
       klares Signal“ an alle Eigentümer.
       
       Investoren, aber auch viele private Eigentümer lassen Baugrundstücke
       einfach vor sich hin gammeln. Betriebswirtschaftlich kann das einen Sinn
       ergeben, denn die Preise für Bauland steigen noch schneller als die für
       fertige Immobilien. Und Baustress gibt es dann auch keinen. Experten
       schätzen, dass die Bodenpreise in den vier Jahren zwischen 2013 und 2017 in
       Hamburg um sagenhafte 50 Prozent gestiegen sind. In Kiel gab es sogar einen
       Anstieg um 70 Prozent, in Hannover um über 100 Prozent.
       
       Bei Immobilienverbänden stößt die Grundsteuer C auf keine Gegenliebe.
       Siegmund Chychla, Geschäftsführer des Mietervereins, sieht dagegen in dem
       Vorschlag „einen zweckmäßigen Baustein“, um dem spekulativen Leerstand ein
       Ende zu bereiten. Chychla schlägt außerdem einen Steuersatz vor, der sich
       an der (höheren) Grundsteuer orientiert, die für vergleichbare, bebaute
       Grundstücke fällig wird. Um die „Daumenschrauben anzuziehen“, sollte
       obendrauf ein Zuschlag von 20 Prozent erhoben werden.
       
       Wunder dürfe allerdings niemand erwarten, mahnt der Mieterschützer. In
       Hamburg sind es – anders als etwa in Berlin – meistens einzelne
       Grundstücke, die brach liegen. Am Hamburger Gesamtbestand gemessen, schätzt
       Chychla den Anteil der Brachen auf unter ein Prozent. Interessant könnte
       der Vorstoß aber für zukünftig neu ausgewiesenes Bauland werden: Die
       Grundsteuer C würde von Anfang an Druck auf Eigentümer machen, schnell zu
       bauen.
       
       ## Hamburg prescht vor
       
       Die neue Steuer ist Teil des Grundsteuerreform-Pakets der schwarz-roten
       Bundesregierung. Das entsprechende Bundesgesetz soll bis Jahresende
       beschlossen werden; den Ländern bleibt dann Zeit für ihre eigene
       Gesetzgebung. Bislang ist noch nicht absehbar, wie viele Länder davon
       Gebrauch machen werden. Hier prescht Hamburg also vor.
       
       Bereits in den 1960er-Jahren hatte es in der Bundesrepublik eine ähnliche
       Baulandsteuer gegeben, die bald aufgrund des Baubooms wieder gestrichen
       wurde. Auch galt sie als sozial unausgewogen. Kommunen können schon heute
       ein „Baugebot“ gegenüber Landeigentümern aussprechen und notfalls ein
       Enteignungsverfahren einleiten. Die rechtlichen Hürden im Baugesetzbuch
       gelten allerdings als hoch, die Verfahren als langwierig.
       
       6 Jul 2019
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Hermannus Pfeiffer
       
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