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       # taz.de -- WM-Kolumne Gilet jaune: Schreddert Ettie!
       
       > Ettie, das Küken und Maskottchen der Frauen-WM, wurde geklaut. Die besten
       > Dinge aber haben die Diebe dagelassen. Was ist los?
       
   IMG Bild: Ettie: Lösegeldforderungen sind noch keine Bekannt. EUROPOL und PETA ermitteln
       
       Was könnte man nicht alles aus einem Fußballstadion stehlen, aus einem
       veritablen WM-Stadion zudem, wenn es einem gelänge, des Nachts dort
       einzudringen. Ein Fass alkoholfreien Biers des Fifa-Partners Budweiser, ein
       paar Rollen Klopapier aus den Toilettenräumen, DNA-Spuren von dem
       Ehrensessel, auf dem Fifa-Boss Gianni Infantino beim Eröffnungsspiel
       gesessen hat.
       
       Wer weiß, was die später als Reliquie wert sind, wenn der Schweizer erst
       einmal zum Fußballheiligen erhoben worden ist. Es fiele uns viel ein, was
       man an einem solchen Ort mitgehen lassen könnte. Nur auf eines wären wir
       gewiss nicht gekommen. Die fünf Personen, die in der vergangenen Woche ins
       Prinzenparkstadion eingedrungen sind, haben das WM-Maskottchen Ettie
       gestohlen.
       
       Das Motiv der fünf Eindringlinge liegt noch im Dunkeln. War es mehr als ein
       Spaß, der die von einer Überwachungskamera – auch so etwas, was man klauen
       hätte können – eingefangenen Personen bewogen hat, das Kostüm für die
       Ettie-Darstellerin zu klauen? Wir wissen es nicht. Bevor die bösen Buben
       oder Mädels mit der Henne davongezogen sind, sollen die fünf ein wenig
       Fußball gespielt haben auf dem Rasen vor der Kurve der PSG-Ultras. Danach
       kam es zu dem folgenlosen Diebstahl. Denn umgehend teilte das lokale
       Organisationskomitees mit, es gebe genügend Ersatzkostüme.
       
       So wird die unverbesserliche Nervensäge auch vor dem nächsten Spiel durch
       das Stadion toben und versuchen, das Publikum zu animieren, obwohl das
       wirklich niemand will. Ein Arena-Moderator wird ins Mikro brüllen und sich
       darüber freuen, dass Ettie auch da ist. Als hätte er das nicht sowieso
       gewusst. Dann müssen die Zuschauer schreien und je lauter sie schreien,
       desto schneller läuft Ettie. 103 Meter hat das Hühnchen mit dem
       Pferdeschwanz vor der Partie Schweden gegen Kanada dabei in 20 Sekunden
       geschafft. In die Hall of Fame der Leichtathletik schafft sie es damit
       sicher nicht. Da können die Leute noch so laut brüllen.
       
       ## Macarena, Macarena
       
       In der Pause dann müssen Leute, denen man ansieht, dass sie das eigentlich
       gar nicht wollen, mit Ettie zu dem 90er Jahre Hit Macarena tanzen. Für
       diese Disco-Perle wurden seinerzeit ja so spezielle Wackler für Hand, Arsch
       und Beine entwickelt. Seit Frankreich 2019 müssen wir diesen Tanz wohl
       Hühnertanz nennen. Ettie, das nervige Hendl, kann ja schlecht den Ententanz
       aufführen. Festgehalten wird das Ganze mit der in Sportarenen mittlerweile
       üblichen Dance Cam. Es ist ein Graus. Wer, um Himmels willen, möchte sich
       so ein Tier ins Haus holen?
       
       Moment. Vielleicht wurden die fünf Einbrecher ja bei einem der WM-Spiele
       selbst Opfer der miesen Performance. Vielleicht haben sich in einem Akt der
       puren Mitmenschlichkeit dazu entschlossen, dafür zu sorgen, dass keiner
       mehr leiden muss unter der Show dieses Gute-Laune-Monsters im
       Hühnchenkostüm. Es könnte eine gute Tat gewesen sein. Ich fordere an dieser
       Stelle Straffreiheit für die Eindringlinge. Ich kann die Henne nicht mehr
       sehen!
       
       28 Jun 2019
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Andreas Rüttenauer
       
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