# taz.de -- Kolumne Mithulogie: Brown Lives Matter
> Zehn Männer in Köln werden von der Polizei überwältigt, weil sie „lange
> Gewänder und Westen trugen“. Was muss daraus folgen? Ein offener Brief.
IMG Bild: Weil der Kölner mein liebster Hauptbahnhof ist: Lasst uns verhindern, dass sich das wiederholt
Liebe Kölner Polizei,
haben Sie sich [1][für den Einsatz letzten Dienstag] bei den zu Unrecht am
Boden fixierten Männern entschuldigt? Wenn ja, danke! Wenn nein, bitte
holen Sie das so schnell wie möglich nach. Eine öffentliche Entschuldigung
würde ebenfalls eine Menge zur Vertrauensbildung beitragen.
Und Vertrauen können wir alle gerade dringend gebrauchen. Auch die
Passanten, denen der Anblick von Männern in feierlicher Kleidung zum Ende
des Ramadans Angst machte, und die den Notruf wählten. Dafür muss ich
Mitverantwortung übernehmen, weil wir als Medien Muslime, die ihre
Religionsfreiheit in Anspruch nehmen, ständig als Bedrohung darstellen. Und
auch Leute, die einfach nur so aussehen, wie wir uns Muslime vorstellen,
sprich: braun. Doch bloß, weil wir Blödsinn machen, müssen Sie das nicht
auch tun, liebe Kölner Polizei.
Aber die Männer haben doch „Allahu akbar“ gerufen. Vermeintlich! Und sogar
wenn: „Allahu akbar“ ist so alltäglich wie „mein Gott“, und das könnten wir
wissen, [2][wenn wir miteinander reden würden]. Apropos Reden: Haben Sie
nicht ein wenig Spielraum, bevor Sie Menschen mit Handschellen auf dem
Boden festhalten? Wie wäre es erst mal mit freundlich nachfragen, was los
ist?
## Keine Gefahr? Staatsschutz einschalten!
Denn, seien wir ehrlich, wir können kaum von Gefahr im Verzug sprechen.
Dieses Jahr gab es in Deutschland 13 terroristische Anschläge – in Bottrop
und Essen –, die jedoch alle islamfeindlich motiviert waren. Letztes Jahr:
zero. Die Wahrscheinlichkeit, vom Blitz getroffen zu werden, ist höher, als
von einem terroristischen Anschlag betroffen zu sein.
Nachdem Sie, wie zu erwarten, keine Bomben bei den gefesselten Männern
gefunden haben, teilten Sie uns mit, dass zu keinem Zeitpunkt „eine Gefahr
für die Bevölkerung bestanden hat“. Was für eine Erleichterung! Also, was
haben Sie daraufhin getan? Den jungen Männern aufgeholfen und sie ihre Züge
erreichen lassen? Fast: die Mitteilung geht weiter, [3][„wir wissen aber
nicht, ob die Männer ungefährlich sind“] Doch, genau das haben Sie gerade
gesagt! „Der Staatsschutz ist eingeschaltet.“ Wie bitte??? „Sie werden noch
befragt.“
Es gibt ein englisches Sprichwort: Wenn man sich selbst ein Loch gegraben
hat, sollte man nicht noch tiefer schaufeln.
Lieber Polizeipräsident Uwe Jacob, wenn Sie zurückweisen, dass dieses
Handeln von „Rassismus und Fremdenfeindlichkeit geprägt war“, übersetze ich
mir das so, dass es nicht bewusst rassistisch war. Dann lassen Sie ihre
Beamten doch bitte schulen. Wenn Sie nicht wissen, bei wem, gebe ich Ihnen
gern Adressen. Doch vor allem: Laden Sie den Zentralrat der Muslime ein,
die zu Recht entsetzt sind, und überlegen Sie zusammen, wie wir verhindern,
dass so etwas wieder passiert.
Weil der Kölner mein liebster Hauptbahnhof ist.
Weil der öffentliche Raum uns allen gehört.
Weil Angst Monster gebiert.
10 Jun 2019
## LINKS
DIR [1] /Polizei-fixiert-Unschuldige-in-Koeln/!5598162
DIR [2] /Ramadan-Festival-in-Dortmund/!5594986
DIR [3] https://rp-online.de/nrw/staedte/koeln/koeln-hauptbahnhof-maenner-in-langen-gewaendern-sorgen-fuer-polizeieinsatz_aid-39224847
## AUTOREN
DIR Mithu Sanyal
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