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       # taz.de -- Ausstellungsempfehlungen für Berlin: Politik in Straßenfurchen
       
       > Beate Scheder empfiehlt eingegossene Geschichte von Daniel Knorr,
       > politische Möbel von Sung Tieu und Kunst im Schwimmbad.
       
   IMG Bild: Daniel Knorr, installation view, Dip in the Past, Meyer Riegger, Berlin, 2019
       
       Berlin taz | So knallig-neonbunt wie die Muster der Leggins, die man in den
       1980er Jahren trug, sehen sie aus, die Wandobjekte aus eingefärbten
       Polyurethan, die [1][Daniel Knorr] bei [2][Meyer Riegger] an den Wänden
       verteilt hat. Schaut man genauer und nimmt den Handzettel hinzu, erschließt
       sich, worum es sich dabei handelt. Der Künstler, der seine Praxis als die
       eines zeitgenössischen Archäologen beschreibt, hat Abgüsse von
       Straßenvertiefungen und Schlaglöchern genommen.
       
       Das ist Knorrs Methode, die Geschichte, die sich in den Grund und Boden
       eingeschrieben hat, zu visualisieren. Seit 2013 arbeitet er an seiner Serie
       „Depression Elevations“, dieses Mal an Orten auf dem ehemaligen
       Mauerstreifen Berlins, wo die einstige Trennung noch immer im Pflaster
       sichtbar ist. Hier treffen die Abgüsse auf die titelgebende Skulpturenserie
       „Dip in the Past“ – an der unteren Hälfte verrostete Metallleitern, die ins
       Ungewisse führen
       
       Auch bei [3][Sung Tieu] trügt der erste Eindruck. So handelt es sich bei
       den beiden Sitzgruppen, die sie bei [4][Fragile] aufgestellt hat,
       keineswegs um harmlose Picknickbänke, vielmehr um Möbel, wie sie im
       Strafvollzug verwendet werden. Deren erstaunliche Ähnlichkeit zu solchen im
       öffentlichen Raum weckte das Interesse der Künstlerin, denn: Wer schützt
       hier eigentlich wen wovor? Und welches Menschenbild steckt dahinter?
       
       In einem fiktionalen Zeitungsartikel lässt Tieu von einer Prügelei unter
       Eltern auf einem Spielplatz im Hamburger Reichenviertel Harvestehude
       berichten, die nur unter massivem Polizeieinsatz hätte geschlichtet werden
       können. Auch erwähnt werden darin die neuen unverwüstlichen Bänke, deren
       abgerundete Ecken sich in der Konfliktsituation bewährt hätten. Je länger
       man sich in der Installation aufhält, die auch eine Sechskanalsoundarbeit
       und ein Video umfasst, desto bedrückender wirkt sie. Tieu macht die Gewalt,
       die sich in funktionalen Dingen verbirgt, körperlich spürbar.
       
       Auf andere Art aufregend geht es in der diesjährigen Gruppenausstellung des
       Kunst-Kiosks [5][Tropez] im Sommerbad am Humboldthain zu. „Amour“ eint
       Arbeiten, die mal direkter mal subtiler das Freibad an sich und die Reize
       leicht bekleideter oder nackter Körper umschreiben – wie man ihnen eben
       auch am Pool begegnet. Mit dabei sind Gili Avissar, Natalie Czech, Constand
       Dullart, Julie Favreau, Bertrand Flanet, Luzie Meyer, Hayal Pozanti,
       Michael Sports und Kira Bunse, aus deren Fotografien junger Badegäste ein
       Kalender entstehen soll
       
       Dieser Text erschien im taz Plan. Mehr Kultur für Berlin und Brandenburg
       immer donnerstags in der Printausgabe der taz.
       
       12 Jun 2019
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] http://www.meyer-riegger.de/en/data/artists/166/daniel-knorr.html
   DIR [2] http://www.meyer-riegger.de/
   DIR [3] https://sungtieu.com/
   DIR [4] https://www.fragile.berlin/
   DIR [5] http://tropeztropez.de/
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Beate Scheder
       
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