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       # taz.de -- Hornlose Rinder auf Bioverband-Höfen: Demeter bricht die eigenen Regeln
       
       > Der Bioverband wirbt damit, dass er hornlose Rinderrassen verboten hat.
       > Tatsächlich aber halten zahlreiche Betriebe genau solche Tiere.
       
   IMG Bild: Garantiert unbehandelt: ein Rind, wie Gott es erschaffen hat
       
       Berlin taz | Viele Höfe des Biobauernverbandes Demeter halten entgegen
       seinen Richtlinien Rinderrassen ohne Hörner. „Zahlreiche Betriebe, die vor
       weniger als 15–20 Jahren umgestellt haben, haben einen gewissen Anteil
       hornloser Tiere in ihrer Herde“, teilte Verbandssprecherin Antje Kölling
       der taz auf Anfrage mit. Dabei bestimmen [1][die Demeter-Regeln] klar:
       „Genetisch hornlose Tiere in der Rindviehhaltung sind nicht erlaubt.“ Die
       Organisation wirbt intensiv mit Slogans wie: „[2][Demeter-Kühe haben
       Hörner].“
       
       Sowohl in konventionellen als auch Biobetrieben werden den [3][meisten
       Kälbern] ein paar Wochen nach der Geburt die Hornansätze ausgebrannt. Oder
       die Tiere kommen hornlos zur Welt, weil ihre Rasse so gezüchtet wurde. Denn
       viele Bauern fürchten, dass Tiere mit Hörnern sich gegenseitig oder
       Menschen verletzen könnten.
       
       Demeter dagegen argumentiert beispielsweise auf seiner Internetseite mit
       dem „Respekt“ vor dem Tier. „Die Natur irrt nicht“, schreibt der Verband.
       Die Landwirte des Verbands „passen ihre Tiere nicht einfach den
       ‚Produktionsbedingungen‘ an, sondern bauen Ställe, die groß genug sind für
       die Bedürfnisse ganzer Kühe“. Zudem würden sie sich Zeit nehmen, die
       Rinder zu beobachten und „eine vertrauensvolle Beziehung“ zu schaffen. So
       würden sie das Verletzungsrisiko minimieren.
       
       Hörner sind Demeter zufolge für Rinder wichtig als Mittel der Körpersprache
       und Körperpflege. Außerdem vermutet der anthroposophisch ausgerichtete
       Verband, dass das Horn die Milchqualität verbessere und zur Regulierung der
       Körpertemperatur beitrage. Deshalb verbietet Demeter nach eigenen Angaben
       als einziger Bioverband das Enthornen und Züchten von hornlosen Rindern
       „konsequent“. [4][Bioland zum Beispiel] erlaubt das Enthornen, allerdings
       anders als bei konventionellen Höfen nur, wenn ein Tierarzt das Kalb vorher
       lokal betäubt hat. Hornlose Rassen lässt der Verband zu.
       
       ## Ist das schon Verbrauchertäuschung?
       
       Doch wie konsequent Demeter seine Versprechen umsetzt, ist umstritten. Es
       gibt keine Anzeichen dafür, dass Demeter-Landwirte gegen das grundsätzliche
       Verbot verstoßen, Rinder zu enthornen. Aber die 2014 beschlossene
       Demeter-Richtlinie enthält einen „Bestandsschutz“ für Rinder der
       Fleischrassen Aberdeen Angus, Deutsche Angus und Galloway, die so gezüchtet
       sind, dass sie keine Hörner entwickeln. Zudem hätten zwei
       sozialtherapeutische Einrichtungen eine Ausnahmegenehmigung, erklärt
       Demeter-Sprecherin Kölling. Auch diese Möglichkeit ist in der Richtlinie
       ausdrücklich enthalten.
       
       Doch dass „zahlreiche“ normale Betriebe in einer zeitlich nicht definierten
       „Umstellungsphase“ genetisch hornlose Rinder halten dürfen, wie Kölling
       einräumt – davon steht in der Richtlinie kein Wort. „Die Umstellungsphase
       ergibt sich aus der Praxis“, antwortet die Pressesprecherin auf die Frage
       der taz nach der Rechtsgrundlage. „Viele Betriebe, die zu uns kommen, haben
       leider bereits einen Teil genetisch hornloser Rinder oder enthornter
       Rinder. Die Rinderherde ist das Kapital eines Milchviehbetriebes – die kann
       man nicht einfach von einem Tag auf den anderen komplett austauschen.“
       
       Trotzdem wirbt der älteste Bioverband in Deutschland damit, dass seine Kühe
       Hörner haben. So könnten Verbraucher sich allerdings getäuscht fühlen.
       Fraglich ist auch, ob solche Höfe nicht bei anderen Verbänden wie Bioland
       besser aufgehoben wären.
       
       Kölling wies Vorwürfe zurück, Demeter-Höfe würden mit der Hornpflicht lax
       umgehen. „Das ist nicht der Fall“, sagte sie. Ab dem ersten Tag der
       Umstellung auf Demeter-Standard dürften die Höfe keine genetisch hornlosen
       Zuchtstiere oder Sperma von ihnen mehr einsetzen. „In der Kontrolle muss
       der Betrieb beweisen, dass in der Herde ein kontinuierlicher
       Zuchtfortschritt in Richtung Horngenetik erfüllt ist.“
       
       Das lässt sich von außen kaum überprüfen. Gegen eine konsequente Kontrolle
       spricht, dass Demeter laut Kölling noch nicht einmal statistisch erfasst,
       wie viele der rund 900 deutschen Demeter-Höfe mit Rindern im Rahmen der
       Umstellung oder des Bestandsschutzes überhaupt noch genetisch hornlose oder
       enthornte Tiere halten.
       
       Die Verbandssprecherin entgegnete: „Unsere Berater haben die Anweisung, im
       Umstellungsplan zu vermerken, wie der Bestand zu Umstellungsbeginn in Bezug
       auf genetische Hornlosigkeit aufgestellt ist.“ Die Daten lägen „zurzeit
       eben nur dezentral in Berichten vor, sind aber nicht zentral digital
       abrufbar“.
       
       2 Jun 2019
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.demeter.de/leistungen/zertifizierung/richtlinien#richtlinien-erzeuger
   DIR [2] https://www.demeter.de/kuehe-haben-hoerner
   DIR [3] https://www.oekolandbau.de/landwirtschaft/tier/spezielle-tierhaltung/rinder/milchviehhaltung/tierzucht/genetisch-hornlose-rinder-eine-alternative-zum-enthornen/
   DIR [4] https://www.bioland.de/fileadmin/dateien/HP_Dokumente/Allgemeine_Informationen/Merkblatt_Enthornung.pdf
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Jost Maurin
       
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