# taz.de -- Kolumne Sternenflimmern: Zieht den EU-Pulli aus!
> Glauben wir wirklich, ein schickes blau-gelbes Accessoire hilft, während
> Europa Feuer fängt? So leicht ist es leider nicht.
IMG Bild: Trägt auch gerne EU-Hoodies: Katarina Barley
Jetzt gibt es da diesen Pulli. Den EU-Hoodie (Kapuzenpullover), der zum
Trend wird, das gelbe Sternennetz gedruckt auf blauen Grund. Katarina
Barley trägt ihn, viele junge Menschen auch und posten Bilder davon auf
Instagram.
Ich weiß, ich klinge wie meine eigene Großmutter, aber: Muss denn wirklich
alles zu Lifestyle werden? Glauben wir wirklich, ein schickes blau-gelbes
Accessoire, ein ernstes Gesicht, das oben herausguckt, helfen, während
Europa Feuer fängt?
[1][Anstatt gegen den Rechtsruck zu kämpfen], gegen aufgezwungene
Austeritätsprogramme, gegen eine EU, die Flüchtlinge entweder unter
brutalsten Bedingungen in libyschen Lagern verrotten lässt oder aber sie
herausholt und in Niger parkt, kuscheln wir uns in selbstdarstellerisches
Blau.
Politiker:innen und Parteien wollen uns ebenda haben. Im Pulli statt im
Protest. Der politische Diskurs wird banalisiert; die inhaltslosen
Wahlplakate, die vor Demut zu schrumpfen scheinen, zeugen davon: Sorry, nur
ganz schnell, es geht um „Mut“, „Stärke“, mehr braucht ihr nicht zu wissen.
Stärken wir doch lieber den Eindruck, dass für viele die aktuelle
Europawahl bedeutsamer ist als die vergangenen, wegen des Brexits und
rechtspopulistischer Emporkömmlinge. Konterkariert wird diese Entwicklung
aber von dem diametral laufenden Prozess, starke politische Positionen aus
dem Ringen um Europa herauszusaugen.
## Ein Lächeln, ein Filter – fertig?
Sich auf die Mechanismen der Populisten einzulassen, es ihnen gleichzutun.
[2][Jörg Meuthen zu fragen], ob auch er den EU-Hoodie tragen würde (würde
er nicht, er wusste nämlich nicht einmal, was ein Hoodie ist). #EUnify, ein
Lächeln, ein Filter – fertig? Nein, das wird nicht genügen.
Pulli-Poser, fragt ernsthaft nach den Gründen, warum das Europa, das wir
alle (siehe Hoodie) mehr denn je wollen, von anderen bekämpft wird.
Beschäftigt euch damit, dass wir ein Oben-und-Unten-Europa geschaffen
haben, in dem die Länder des Nordens wie Deutschland produzieren und
investieren und die Volkswirtschaften Südeuropas – nicht.
Wo, wie etwa in Italien, der Technologie- und Wissenschaftssektor seit
Jahren niedergespart wird, wo kein Geld da ist, um es in die marode
Infrastruktur zu investieren, wo die Produktivität tatsächlich stillsteht
oder, wie im Falle Griechenlands, sogar sinkt.
Ein gemeinschaftlicher Investitionstopf, eine wirtschaftlich gerechte Basis
würde auch den europäischen Geist schärfen, sie wäre die Voraussetzung für
all das, was wir wollen. Wenn auch weniger schick.
14 May 2019
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## AUTOREN
DIR Hanna Voß
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