# taz.de -- Kommentar Report zum Antisemitismus: Deutschland, kein Ort für Juden?
> Was ist los in Deutschland, dass sich Juden hier fürchten müssen? Ein
> Rechtsstaat hat Möglichkeiten, Minderheiten im Land zu schützen.
IMG Bild: Dass es Israel gibt, entbindet kein anderes Land von der Pflicht, Juden zu schützen
Großbritannien, Frankreich und Deutschland stehen ganz oben. Leider ist es
die Liste der europäischen Staaten in einem am Mittwoch veröffentlichten
[1][Tel Aviver Bericht über Antisemitismus]. Was ist nur los in
Deutschland, dass sich 74 Jahre nach der Befreiung der Häftlinge aus den
Konzentrationslagern Juden hier wieder fürchten müssen? Die Fortsetzung
jüdischer Existenz sei gefährdet, heißt es. Dabei sind die Feinde nicht
mehr nur in den extremen politischen Lagern zu finden und bei den
Islamisten. Antisemitismus sei wieder salonfähig, hält der Bericht fest. Es
mag einen gruseln.
Die Vorurteile zeugen so sehr von mangelndem Demokratieverständnis wie von
Primitivität. Es muss ein Schuldiger her, ein Sündenbock. Die Juden
[2][waren schon immer recht, wenn es darum ging, den Kopf hinzuhalten]. Bei
Cholera und Pest brannten die Synagogen, bei schlechten Ernten wurden Juden
verprügelt. Wie praktisch, stets jemanden parat zu haben, wenn etwas schief
geht. Nur bleibt der Hass gegen die Juden kaum auf die Juden beschränkt. Da
sind die Schwulen und Lesben, Behinderte und wer stand sonst noch auf der
Liste der Nazis, und wer würde heute zu ihren Opfern zählen.
Ein Rechtsstaat hat Möglichkeiten, die Minderheiten im Land zu schützen.
Dass sich jeder Bürger Deutschlands sicher fühlt, ist letztendlich Aufgabe
von Polizei und Richtern. Um dem Phänomen von ideologisch motivierter
Gewalt langfristig den Boden zu entziehen, sind Schulen und
Bildungseinrichtungen gefragt. Ohne Aufklärung ist der Ignoranz der
Rassisten kaum beizukommen. Die Ergebnisse des Tel Aviver Berichts zeugen
übrigens von globalen Versäumnissen. Antisemitismus [3][nimmt auch in den
USA] und in Südafrika zu.
Zum Glück gibt es Israel. Sollten die westlichen Staaten an ihrer Aufgabe
scheitern, allen Bürgern ein sicheres Heim zu verschaffen, bleibt den Juden
heute der Weg nach Israel. Ob sie in Tel Aviv sicherer leben, als in
Berlin, Paris oder London, sei dahingestellt. Nur wird sie hier niemand
beschimpfen, weil sie Juden sind.
2 May 2019
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## AUTOREN
DIR Susanne Knaul
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