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       # taz.de -- Kolumne Ohrenrausch: Mund halten, Podcasts hören!
       
       > Eine Hommage an den Podcast und wie wir plötzlich mehr Expertise erlangen
       > können – und zwar vom Bett aus, statt in der Uni.
       
   IMG Bild: Bunt hören: Nutzen wir Podcasts als Sprachrohr sozialer Minderheiten
       
       „Ich habe mal gehört, dass kurdische Frauen zu Hause das Sagen haben.“ So
       etwas sagen Freunde, na ja, Bekannte eher, und glauben dann besonders klug
       zu sein – Autsch! Autsch auf ganz vielen Ebenen. „Ich habe mal gehört“ ist
       zuallererst kein ansprechender Anfang für eine Diskussion. Auch wenn meine
       Mutter zu Hause das Sagen hat, hat das wohl wenig mit ihrer Verwurzelung in
       Kurdistan zu tun. Und mit welchen Frauen werden die kurdischen hier
       eigentlich verglichen?
       
       Im medialen Zeitalter besitzen wir die unbegrenzten Möglichkeiten der Fort-
       und Weiterbildung. Und plötzlich wissen alle alles. Und vor allem weiß
       jede*r immer etwas mehr über mich als ich selbst: Wie schwer mein Leben als
       schwarzhaarige Frau in Deutschland ist, das kann mir Markus aus Halberstadt
       dem Anschein nach besser erklären als ich.
       
       Fordern wir eine gesellschaftliche Transformation, ist die
       Auseinandersetzung mit den Erfahrungsberichten betroffener Menschen
       elementar. Wenn sich unser demokratisches Grundverständnis aus der
       Partizipation aller an allen Diskursen speist, dann sollte dieser Diskurs
       jedoch so geführt werden, dass das eigene Weltbild durch die Inhalte primär
       betroffener Menschen bereichert wird. Denn eine emanzipierte Debatte nährt
       sich durch Erfahrungsberichte, die zu einer Sensibilisierung führen können.
       Eine Sensibilisierung, die nur auf eine Weise entstehen kann: im Dialog mit
       anderen Meinungen.
       
       Nur was tun, wenn es keine Vertreter*innen sozialer Minderheiten in der
       unmittelbaren Nähe gibt? Erstens, hinterfragen Sie diesen Zustand. Nachdem
       dies getan ist, suchen Sie die Betroffenen!
       
       Der Einfachheit halber ein Vorschlag, bei dem Sie nicht einmal das Haus
       verlassen müssen: Podcasts. Wenn wir uns für diversere Lebensrealitäten
       interessieren, können wir Linus Giese in [1][„eine Stunde Liebe“]
       (Deutschlandfunk Nova) zuhören, der seine Geschichte als trans Mensch
       selbst erzählt. Wenn wir die strukturelle Diskriminierung einer schwarzen
       Frau in Deutschland nachvollziehen wollen, dann können wir Josephine
       Aprakus Geschichte in [2][„eine Stunde Talk“] hören.
       
       Und wenn wir mehr über sexuellen Missbrauch von Frauen lernen wollen, dann
       können wir den Betroffenen auf [3][„SWR2 Tandem“] zuhören. Und so können
       wir dieses „Ich hab mal gehört“ durch ein „im Podcast von letzter Nacht
       habe ich gelernt“ ersetzen. Nutzen wir Podcasts als Sprachrohr sozialer
       Minderheiten und lassen wir diese Menschen ihre Geschichten selbst
       erzählen! So erweitern wir nicht nur das eigene Weltbild, sondern
       vielleicht auch jenes unserer Dozierenden.
       
       17 Apr 2019
       
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       ## AUTOREN
       
   DIR Hazar Oghan
       
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