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       # taz.de -- AfD-Kundgebung in Erfurt am 1. Mai: Nicht blau zum Frühling
       
       > In der thüringischen Hauptstadt versucht die AfD, sich in die Tradition
       > der Arbeiterbewegung zu stellen. Tausende gehen dagegen auf die Straße.
       
   IMG Bild: In Erfurt: AfD-Politiker Björn Höcke und Alexander Gauland
       
       Erfurt taz | Ein „blauer Frühling“ soll es sein – sagt die AfD. Sie blickt
       auf den Herbst; sie will dazu am „Tag der Arbeit“ den Auftakt setzen.
       Hunderte, Tausende waren gerufen, um der Partei der Rechten in ihrer
       vermeintlichen Hochburg zuzujubeln. Aber der Besuch in Thüringens
       Landeshauptstadt hat vor allem ihre Gegner auf die Straßen gelockt. Seit
       dem frühen Morgen sind hunderte Menschen unterwegs, im Laufe des Tages
       werden es tausende werden, ein großes „Fest der Vielen“. Zahlreiche Gruppen
       aus dem gesamten Bundesland fanden sich in Erfurt ein. Die Blockade der
       AfD-Kundgebung wurde mit Konzerten und einem großen Fest abgerundet, an dem
       sich unter anderem auch Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke)
       beteiligte.
       
       Einsatz zeigte auch die Landespolizei: Sie fuhr Wasserwerfer auf – während
       beim „Fest der Vielen“ das Landespolizeiorchester spielte. Das Signal: Auch
       die Polizeibeamten stehen für eine offene, vielfältige Gesellschaft.
       
       Mit Erfurt hat die AfD für den 1. Mai einen Ort gewählt, der auch in der
       Geschichte der Arbeiterbewegung nicht ohne Bedeutung ist. Im Kaisersaal in
       Erfurt beschloss die SPD 1891 ihr sogenanntes „Erfurter Programm“ – eine
       wichtige Wegmarke in der Geschichte der Sozialdemokratie, die sich darin
       mit den Theorien von Karl Marx auseinandersetzte, die den Acht-Stunden-Tag,
       Schutzrechte für Arbeiter forderte und ein umfassendes Wahlrecht – erst
       knapp 30 Jahre später, 1919, durften sich in Deutschland erstmals Frauen an
       Wahlen beteiligen. Was die SPD 1891 auch entschied: Nicht auf dem Wege
       einer proletarischen Revolution in die Zukunft zu schreiten; es folgte
       Jahrzehnte der sozialdemokratischen Streitigkeiten zwischen Realpolitik und
       radikaleren Kräften.
       
       Erfurt ist aber auch der Ort, an dem AfD-Rechtsaußen Björn Höcke 2015 die
       „Erfurter Resolution“ auf den Weg brachte – eine klare Kampfansage an die
       damaligen Versuche in der Partei, die AfD als Partei der bürgerlichen Mitte
       zu positionieren. Dass AfD-Frontmann Alexander Gauland am 1. Mai gemeinsam
       mit Höcke spricht, markiert, wohin sich die Partei entwickelt hat.
       
       Im Herbst diesen Jahres stehen nun wichtige Landtagswahlen an, in
       Thüringen, Sachsen und Brandenburg. In Thüringen, wo Ministerpräsident Bodo
       Ramelow (Linkspartei) seit 2014 Deutschlands erste Rot-Rot-Grüne Koalition
       auf Landesebene anführt, entscheidet sich, ob dieses avancierte Projekt in
       die Verlängerung gehen kann. Die AfD, derzeit mit sieben Sitzen im Landtag
       vertreten, hofft auf Zugewinne.
       
       Mit ein Grund für Ramelow, Ex-Gewerkschaftsfunktionär und einer, der vor
       seiner Zeit als Ministerpräsident bei den Anti-Nazi-Protesten in Dresden
       immer wieder auf den Seiten der Antifaschisten stand, sich ebenfalls am 1.
       Mai auf der Straße zu zeigen. Er will Stellung beziehen. Er erinnert an die
       Konzentrationslager der Nationalsozialisten und weist im Interview darauf
       hin, dass die Verbrennungsöfen auch in Erfurt gebaut worden waren. Ramelow:
       „Die Wende in der Geschichte, die Höcke will, bedeutet, die Bilder aus den
       Konzentrationslagern in Mittelbau-Dora und Buchenwald aus unseren Köpfen
       herauszumogeln. Da machen wir nicht mit.“
       
       Damit steht er nicht allein. Tausende Menschen sind an diesem Tag in Erfurt
       unterwegs. Es ist warm, sonnig und bunt: Frühling.
       
       1 May 2019
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Martin Kaul
       
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