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       # taz.de -- Kommentar Offenlegung Missbrauchstäter: Ein aufklärerischer Anfang
       
       > Die Erzdiözese New York veröffentlicht eine Liste von Klerikern, die des
       > sexuellen Missbrauchs schuldig sein sollen. Gut, dass Namen genannt
       > werden.
       
   IMG Bild: Bei sexueller Gewalt sollte die oberste Regel sein: schonungsloses Offenlegen der Taten
       
       Ist das nun Denunziation oder Aufarbeitung sexueller Gewalt? Die
       Erzdiözese New York [1][hat eine Liste von 120 Klerikern veröffentlicht],
       die wegen sexuellen Missbrauchs an Kindern, Jugendlichen, Ordensfrauen
       glaubwürdig angeklagt sind oder gegen die Entschädigungsansprüche infolge
       von Missbrauchsvorwürfen geltend gemacht werden. Die meisten der genannten
       Kirchenmänner sind allerdings bereits tot oder aus ihren Ämtern entfernt
       worden.
       
       Bei sexueller Gewalt, vor allem an Kindern und anderen Schutzbefohlenen,
       sollte die oberste Regel sein: schonungsloses Offenlegen der Taten. Und
       dafür ist es mitunter notwendig, Namen zu nennen. Wie sonst sollte Tätern
       auf die Spur gekommen, wie sollten jüngere Kirchengänger*innen vor Tätern
       gewarnt werden? Der zu erwartende Einwand, die in den USA genannten
       mutmaßlichen Täter seien doch gar nicht mehr aktiv – geschenkt. Das
       Schweigen der Vergangenheit wirkt, wenn es weiter betrieben wird, ja direkt
       in der Gegenwart.
       
       Als die Deutsche Bischofskonferenz im vergangenen September bei ihrem
       Jahrestreffen in Fulda mit großen Brimborium die [2][von ihr selbst in
       Auftrag gegebene „Missbrauchsstudie“ vorstellte], wurde wieder einmal
       deutlich: Mit Wahrheit und Transparenz nimmt es die katholische Kirche
       nicht so ernst. Die Akten, die für die Studie herangezogen wurden, waren
       zum Teil geschwärzt und anonymisiert, viele Seiten sogar vernichtet worden
       – von der Kirche. Auf das Nennen von Namen verzichtet die Bischofskonferenz
       bis heute. Man könnte ja Neffen und Nichten von verdächtigen
       Kirchenoberhäuptern verunsichern, wie der Vorsitzende der
       Bischofskonferenz, Reinhard Marx, in Fulda murmelte. Übersetzt heißt das:
       Die Kirche schützt die Täter weiter.
       
       Möglicherweise fällt es leichter, die Namen verstorbener Täter zu nennen –
       so wie jetzt in den USA. Trotzdem ist das weniger Denunziation als ein
       aufklärerischer Anfang. Das könnte die Kirche in Deutschland auch leisten.
       Sie muss es nur wollen.
       
       28 Apr 2019
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://archny.org/list
   DIR [2] /Studie-ueber-Missbrauch-in-der-Kirche/!5534954
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Simone Schmollack
       
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