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       # taz.de -- Rechtsextremes Attentat in den USA: Wieder ein Weißenretter
       
       > Ein 19-jähriger Rassist schießt in Kalifornien in einer Synagoge um sich.
       > Eine Person stirbt, drei weitere Menschen werden verletzt.
       
   IMG Bild: Attentat auf die Chabad of Poway Synagoge: Menschen versammeln sich in der benachbarten Kirche
       
       Washington taz | Eine Woche [1][nach den Morden in Sri Lanka], einen Monat
       nach dem Massaker [2][in einer Moschee in Neuseeland] und ein halbes Jahr
       nach einem [3][tödlichen Angriff auf eine Synagoge in Pittsburgh],
       Pennsylvania, hat am Samstag wieder ein Rassist ein Blutbad in einer
       Synagoge angerichtet. Am letzten Tag des Pessachfestes rannte der
       19-jährige weiße Täter in die Chabad Synagoge in Poway, 25 Meilen
       nordöstlich von Sand Diego. Rief antisemitische Parolen und schoss mit
       einer Waffe um sich, die Augenzeugen ein „Sturmgewehr“ nannten. Als der
       Wachmann das Feuer eröffnete, floh der Täter. In der Synagoge blieben vier
       Verletzte, eine Frau starb später im Krankenhaus.
       
       Der Täter, der ein paar Blocks von der Synagoge entfernt verhaftet wurde,
       ist offenbar [4][ein Fan anderer weißer Rassisten] und spricht ihre mit
       Hass und Verschwörungstheorien gespickte Sprache. In einem „Manifest“, das
       er kurz vor seiner Tat am Sonntag ins Internet stellte, hat er das Attentat
       von Neuseeland, bei dem 49 Menschen ums Leben kamen, als „Katalysator“ für
       seine eigene Tat bezeichnet. Wie der Attentäter von Neuseeland schreibt
       auch der 19-jährige US-Amerikaner über einen „weißen Genozid“. Wie jener,
       erwähnt auch er den schwedischen YouTuber „PewDiePie“ – der weltweit 89
       Millionen Abonnenten hat – als einen „Einfluss“. Und wie jener fordert er
       andere auf, ihn nachzuahmen. Neben vielen anderen Dingen wetterte der
       Schütze von San Diego auch gegen den Feminismus, den er als „Sünde“
       bezeichnet.
       
       Der Schütze steht im Verdacht, schon vor dem Attentat auf die Synagoge
       mindestens eine weitere rassistisch motivierte Straftat begangen zu haben.
       Sie war gegen Muslime gerichtet. Die Polizei hält ihn für den mutmaßlichen
       Verantwortlichen für eine Brandstiftung in einer Moschee im kalifornischen
       Escondido im vergangenen Monat. Dabei kamen keine Menschen zu Schaden.
       
       Donald Trump, der sich nach anderen rassistischen Gewalttaten in den USA
       mit Kommentaren zurückgehalten hat, wusste dieses Mal schon wenige Stunden
       später, dass es sich vermutlich um ein „Hassverbrechen“ gehandelt habe.
       „Wir werden den Antisemitismus bis zum Grund bekämpfen“, sagte Trump vor
       Anhängern in Wisconsin. Das klang grundsätzlich anders als seine Reaktion
       auf rechtsextreme Gewalttaten im Sommer 2017 in Charlottesville in
       Virginia. Damals brauchte der US-Präsident mehrere Tage, bis er auf den Tod
       einer jungen Antirassistin reagierte, [5][die von einem Neonazi]
       umgebracht worden war. Dann sagte der US-Präsident: „Es gibt [6][sehr nette
       Menschen] auf beiden Seiten.“
       
       ## Anstieg von Hassverbrechen
       
       Der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom stellte die Schießerei in der
       Synagoge bei San Diego in eine Reihe mit [7][Charleston], [8][Pittsburgh],
       [9][Quebec] und [10][Neuseeland]. „Niemand sollte Angst haben müssen, in
       einen Tempel zu gehen“, sagte Newsom. Der Rabbiner der Synagoge in San
       Diego, der am Samstag selbst an der Hand verletzt wurde, war nach dem
       Attentat in Neuseeland an die Öffentlichkeit gegangen.
       
       In den letzten Jahren beobachten Antirassismusgruppen in den USA einen
       Anstieg von Hassverbrechen. Am Samstag erklärte Heidi Beirich vom Southern
       Poverty Law Center, das rechtsextreme Aktivisten in den USA beobachtet:
       „Die heutige Attacke folgt auf ein Jahr von intensiver Gewalt, die von der
       rassistischen Alt-Right inspiriert ist.“ Seit 2014, so hat ihre Gruppe
       dokumentiert, sind mindestens 81 Menschen durch diese rassistische Gewalt
       getötet und 104 verletzt worden.
       
       Als im vergangenen Monat der Justizausschuss des Repräsentantenhauses ein
       Hearing zu Gewalttaten von weißen Rassisten veranstaltete, bei dem auch
       Überlebende von Attentaten auf religiöse Zentren aussagten, gab es so viele
       Hassmails zur Direktübertragung im Internet, dass YouTube die
       Kommentarfunktion abschaltete.
       
       28 Apr 2019
       
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