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       # taz.de -- Eine „Einwanderungsbehörde“ für Berlin: Landesamt für Willkommenskultur
       
       > „Landesamt für Einwanderung“ statt „Ausländerbehörde“ – Rot-Rot-Grün baut
       > Berlins Verwaltung um. Die Koalition erhofft sich eine Signalwirkung.
       
   IMG Bild: Neue Willkommensbehörde: Dieses Wandbild an der Ausländerbehörde greift den Koalitionsplänen vor
       
       Aus der [1][„Ausländerbehörde“] wird das „Landesamt für Einwanderung“: Die
       rot-rot-grüne Koalition möchte Berlin [2][mit einem erneuten Um- und Ausbau
       der zuständigen Behörden] auf künftige Herausforderungen im Bereich der
       Migration vorbereiten. Bislang ist die Ausländerbehörde Teil des
       Landesamtes für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten. Die Pläne, die
       [3][Innensenator Andreas Geisel (SPD)] am Montag vorstellte, sehen nicht
       nur eine deutliche Stärkung der Behörde, sondern auch ihre Heraufstufung
       zum eigenständigen Landesamt vor. Berlin wäre dann das erste Land mit einem
       nur für Migrationsfragen zuständigen Landesamt.
       
       Berlin brauche Zuzug, begründete Geisel den angestrebten Umbau: „Die
       Absicherung der enorm wachsenden Bedarfe bei der Pflege im Alter oder im
       Bereich von Handwerkerdienstleistungen ist ohne Zuwanderung in den
       Arbeitsmarkt gar nicht mehr darstellbar.“ Die Hauptstadt ist eines der
       wichtigsten Ziele ausländischer Arbeitskräfte in Deutschland. Rund 400.000
       Menschen sprechen jährlich bei der Ausländerbehörde vor, die meisten von
       ihnen Erwerbstätige oder Studierende. Der Ausbau zum Landesamt soll der
       Verwaltung ermöglichen, ihre Aufgaben besser zu bewältigen.
       
       Rund 430 bestehende Stellen sollen im Zuge der Umstrukturierung aus der
       Landesbehörde für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten herausgelöst werden.
       Ob durch den Umbau neue Arbeitsplätze entstehen werden, ist noch unklar.
       Die Koalitionspartner teilen die Hoffnungen des Innensenators jedenfalls:
       „Es ist eine Chance für unsere Stadt, wenn Menschen zu uns kommen – egal ob
       geflohen oder über andere Wege. Wir wollen eine Einwanderungsbehörde, die
       Wege zur Integration öffnet, anstatt vom Missbrauch her zu denken“, sagte
       Bettina Jarasch, integrationspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im
       Abgeordnetenhaus. Auch die Linke signalisierte ihre Unterstützung.
       
       In der Opposition teilt man diesen Optimismus nicht. Cornelia Seibeld
       (CDU), ebenfalls integrationspolitische Sprecherin ihrer Fraktion, sagte
       der taz, die Herauslösung der Abteilung aus dem bestehenden Landesamt sei
       kein geeignetes Mittel, den steigenden Anforderungen zu begegnen. Das neue
       Landesamt sei außerdem das falsche Mittel, um Integration zu vereinfachen:
       „Weder von der Ausländerbehörde noch einer umbenannten Behörde wird ein
       wesentlicher Beitrag zur Integration geleistet werden können.“
       
       ## CDU wirft der Koalition Augenwischerei vor
       
       Statt zusätzlicher Führungspositionen würden weitere Sachbearbeiter*innen
       gebraucht, fügte Seibeld hinzu. Die vorgestellten Änderungen blieben sonst
       vor allem Augenwischerei. Darauf wies in einer Stellungnahme auch Benjamin
       Jendro von der Gewerkschaft der Polizei hin: Grundsätzlich begrüße man bei
       der GdP und in der Landesbehörde für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten
       einen Ausbau, dieser müsse jedoch auch auf personeller Ebene stattfinden,
       nicht nur in inhaltlicher Hinsicht.
       
       Während die Umstrukturierung eine Reaktion der Koalition auf
       Herausforderungen wie den anstehenden Brexit oder das zu erwartende
       Fachkräfteeinwanderungsgesetz ist, lässt sich die geplante Umbenennung als
       Signal an Migrant*innen und Bevölkerung deuten: „Durch die Gründung eines
       selbständigen Landesamtes soll die Ausländerbehörde zu einer echten
       Willkommensbehörde fortentwickelt werden“, betonte Innensenator Geisel.
       
       Der neue Name könnte als Signal wirken. Wo das Wort „Ausländer“ oft negativ
       konnotiert wird, scheint der Begriff „Einwanderung“ nicht nur weniger
       vorbelastet, sondern auch sachlicher. Martin Pallgen von der
       Senatsverwaltung Inneres und Sport sagte der taz dazu: „Berlin braucht und
       will Einwanderung sowohl aus humanitärer Verpflichtung [4][als auch aus
       wirtschaftlichen und arbeitsmarktpolitischen Gründen]. Der Senat will hier
       einen starken Akzent setzen.“ Durch die Namensänderung könnte der
       Wahrnehmungsfokus weg von der Flüchtlingsthematik hin zur Arbeitsmigration
       verschoben werden.
       
       CDU-Abgeordnete Seibeld sieht neben der Umstrukturierung auch die
       Umbenennung skeptisch: „Ein neuer Name führt nicht zu besserer Arbeit“,
       sagte sie der taz. Auch als Landesamt für Einwanderung würden noch
       Abschiebungen zu den Aufgaben der Behörde zählen. Der geplante Name erwecke
       deshalb einen falschen Eindruck sowohl bei Migrant*innen als auch bei den
       Menschen in Deutschland.
       
       Einen Zeitplan für den Umbau legte der Innensenator noch nicht vor. Wann
       das Landesamt für Einwanderung kommt, ist offen – dass es kommt, hat die
       Koalition jedoch beschlossen.
       
       25 Feb 2019
       
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