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       # taz.de -- Umgang mit Rechten am historischen Ort: Ungebetene Besucher
       
       > NS-Gedenkstätten sind einem Bildungsauftrag verpflichtet. Doch immer mehr
       > Rechte besuchen sie – und deuten die Geschichte um. Was tun?
       
   IMG Bild: Mordstätte: Im Innenhof des Berliner Bendlerblocks wurden Verschwörer des 20. Juli hingerichtet
       
       Wewelsburg/Vogelsang/Berlin taz | Zwölf Säulen umgeben einen kreisförmigen
       Raum. Am Boden liegen Sitzkissen in leuchtenden Farben, darunter, nicht
       verborgen, aber doch zum Teil verdeckt, ein Bodenornament: die schwarze
       Sonne, gelegen inmitten des Obergruppenführersaals im Nordturm der
       Wewelsburg.
       
       In Ringform sind zwölf Runen zu erkennen, die sich als übereinandergelegte
       Hakenkreuze identifizieren lassen. Nur ist diese schwarze Sonne gar nicht
       schwarz, sondern grün. Und der Obergruppengruppenführersaal hat auch
       niemals SS-Obergruppenführern zu Besprechungen gedient, so wie die ganze
       Wewelsburg, im hügeligen Paderborner Land gelegen, zwar von Heinrich
       Himmler zum kultischen Versammlungsort seiner SS-Führer bestimmt worden
       war, aber letztlich bis zum Ende des NS-Regimes nichts weiter als eine
       große Baustelle blieb, in Gang gehalten von KZ-Häftlingen.
       
       Kirsten John-Stucke heißt die Frau, die die Sitzkissen auf der schwarzen
       Sonne platzieren ließ. Sie tat das nicht der Bequemlichkeit der Besucher
       wegen. Sie will damit die Aura zerstören, die dieser Saal für gewisse
       Menschen ausstrahlt: Esoteriker, Neonazis und alles, was sich zwischen
       diesen beiden Polen bewegt.
       
       Seit die schwarze Sonne in den 1990er Jahren zum Ersatzsymbol für das
       verbotene Hakenkreuz avancierte, geben sich diese Herrschaften auf der
       Wewelsburg die Klinke in die Hand. Und Kirsten John-Stucke, verbindlich im
       Ton und geduldig in ihren Ausführungen, hat ein Problem.
       
       ## In Dreiviertelhose der schwarzen Sonne huldigen
       
       „Man sieht es ihnen an“, sagt sie. „Dreiviertellange Hosen, junge Familien
       mit ihren Kindern oft. Die wollen nur die schwarze Sonne sehen. Ich habe
       nicht die Absicht, mit ihnen zu diskutieren.“ Einmal, berichtet sie, sei
       ein Mann mit seinem Motorrad gekommen, 400 Kilometer weit sei er gefahren,
       erzählt John-Stucke. Er habe einen Thorshammer als Ring an seiner Hand
       getragen und deshalb habe man ihm den Besuch verwehrt. „Er wollte den Ring
       nicht abnehmen, deshalb durfte er nicht hinein.“
       
       Es ist nämlich so, dass die [1][Wewelsburg], ursprünglich ein
       Renaissance-Schloss aus dem 17. Jahrhundert, eine Gedenkstätte für die
       Geschichte der SS ist. Ein Täterort, der an diese Massenmörder erinnert. Es
       gibt eine Ausstellung zur Geschichte der SS, in der auch die Symbole dieser
       verbrecherischen Organisation zu sehen sind, den SS-Dolch etwa, auf dessen
       Scheide „Meine Ehre heißt Treue“ geschrieben steht, oder mit Hakenkreuzen
       verzierte Christbaumkugeln. Nur sind diese Objekte ausgesprochen schlecht
       ausgeleuchtet, ganz im Gegensatz zu den Erinnerungsstücken an die Tausenden
       KZ-Häftlinge, die 400 Meter von der ehemaligen SS-Ordensburg entfernt in
       Baracken lebten.
       
       ## Dem SS-Dolch die Aura nehmen: eine Frage der Beleuchtung
       
       Das mit der Beleuchtung sei natürlich Absicht, erklärt Kirsten John-Stucke.
       Man wolle den SS-Objekten ihre Aura nahmen und dazu noch das Fotografieren
       erschweren. Die Hausordnung bestimmt klipp und klar, dass für „jegliche
       Aufnahmen der beiden ehemaligen SS-Räume im Nordturm der Wewelsburg“ vorab
       eine schriftliche Genehmigung durch die Museumsleitung eingeholt werden
       muss. Das gilt auch für „Aufnahmen mittels Drohnen oder anderer Fluggeräte
       auf dem Museumsgelände“.
       
       Der zweite Pilgerort für Rechte befindet sich tief unten im Nordturm. Dort
       mussten die KZ-Häftlinge den Felsboden um fünf Meter absenken, damit ein
       gruftähnlicher Raum entstand. Was manche Besucher in diesen Ort alles
       hineinfantasieren – John-Stucke zählt es auf: „Das Bernsteinzimmer soll
       hier verborgen sein, der Heilige Gral, Abschussvorrichtungen für
       V2-Raketen. Und hier sollen die Flugschalen mit Adolf Hitler an Bord
       landen, die die SS angeblich am Südpol verborgen hält.“ Die Wewelsburg,
       konstatiert die Leiterin der Gedenkstätte bedauernd, „ist ein
       Anziehungspunkt für rechtsradikale Besucher“.
       
       Wie geht John-Stucke damit um? „Jeder hat das Recht auf Bildung“, sagt sie,
       „solange er seine rechte Gesinnung nicht zur Schau stellt, darf er den Ort
       besuchen.“ 50.000 Menschen kommen jährlich in die Gedenkstätte Wewelsburg,
       darunter viele Schulklassen. Aber rund einem Prozent sehe man ihre rechte
       Gesinnung an.
       
       Und deshalb sind die Pförtner hier nicht einfach nur Leute, die darauf
       achten, dass jeder das Rauchverbot beachtet. Sie sind Experten zur
       Begutachtung rechtsradikaler Symbole. Sie kennen sich aus mit Keltenkreuzen
       und dem griechischen Buchstaben Lamda, dem Symbol der Identitären Bewegung.
       Sie haben gelernt, was eine Naudiz-Rune ist, eine Triskele oder eben der
       Thorshammer, jener T-förmige Anhänger, mit dem der Motorradfahrer
       vergeblich Eingang begehrte. Wer mit diesen oder ähnlichen Nazi-Symbolen
       bekleidet die Wewelsburg besichtigen möchte, hat Pech gehabt. Wenn einer im
       T-Shirt mit der Naudiz-Rune kommt, Frau John-Stucke? Muss er sein T-Shirt
       aus- oder etwas überziehen, antwortet die Gedenkstättenleiterin.
       
       AfD-Anhänger tragen freilich keine Runen oder dreiviertellange Hosen. Sie
       kommen daher wie alle anderen ganz normalen Besucher. Die AfD-Szene in der
       Region sei klein, sagt John-Stucke. Die Zahl der Besucher mit rechter
       Gesinnung habe sich in jüngster Zeit nicht vergrößert.
       
       Anderswo aber schon.
       
       ## Holocaust-Leugner in der NS-Gedenkstätte
       
       Im Sommer 2018 musste die Führung einer Gruppe durch die KZ-Gedenkstätte
       Sachsenhausen, nicht weit von Berlin gelegen, abgebrochen werden. Besucher
       sollen NS-Verbrechen verharmlost und gestört haben. Sie sollen die Existenz
       von Gaskammern angezweifelt haben. Die Gruppe war auf Einladung der
       AfD-Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel gekommen. In Bergen-Belsen bestritt
       ein Besucher gegenüber einem Guide Ende Januar 2019 Naziverbrechen. Und
       erst in der letzten Woche wurde bekannt, dass Rechtsextreme auf dem
       ehemaligen Gelände der Reichsparteitage in Nürnberg einen Fackelzug
       abhielten.
       
       In Dresden ließ der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke 2017 eine Rede vom
       Stapel, in der er beklagte, Deutschland sei „das einzige Volk der Welt, das
       sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat“,
       und forderte eine „erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“. Und in
       Thüringen erklärte der AfD-Fraktionschef im Bundestag, Alexander Gauland,
       im Juni 2018, die Zeit des Nationalsozialismus zu einem „Vogelschiss“ in
       1.000 Jahren deutscher Geschichte.
       
       Und deshalb gibt es heute nicht nur auf der Wewelsburg Probleme.
       NS-Gedenkstätten in ganz Deutschland sind alarmiert über den rechten Trend.
       Sie gehen damit nicht unbedingt laut an die Öffentlichkeit, ihre Leiter
       wollen nicht den Eindruck vermitteln, als kreisten ihre Gedanken Tag und
       Nacht um dieses Problem. Doch sie müssen sich mit ihm beschäftigen,
       notgedrungen.
       
       ## Wie die Rechten den NS-Widerstand okkupieren
       
       Johannes Tuchel gehört zu ihnen. Der Mann mit sonorer Stimme lädt in sein
       provisorisches Büro ein, es wird gerade umgebaut. Sein Haus befindet sich
       in der Berliner Stauffenbergstraße, und die Adresse ist Programm: Hier, in
       der [2][Gedenkstätte Deutscher Widerstand], geht es nicht, wie in der
       Wewelsburg, um die Täter, sondern um diejenigen, die dem NS-Regime
       entgegengetreten sind. Und dazu gehört [3][Claus Schenk Graf von
       Stauffenberg], der Mann, der 1944 Hitler in die Luft zu sprengen versucht
       hatte und dafür mit seinem Leben bezahlen musste. Nur wenige Meter von
       Tuchels Büro entfernt, im gepflasterten Hof des Bendlerblocks, ist
       Stauffenberg in der Nacht vom 20. auf den 21. Juli zusammen mit
       Mitverschwörern erschossen worden. Eine Tafel neben dem Eingang zur
       Ausstellung erinnert an den Mord.
       
       „Die neuen Rechten versuchen schon seit längerer Zeit, einen starken
       Stauffenberg-Bezug herzustellen“, sagt Tuchel. „Sie bauen sich ihr eigenes
       Stauffenberg-Bild.“ Der Leiter der Gedenkstätte beklagt einen „Missbrauch
       des Widerstands“ durch rechtspopulistische Kreise. „Sie stellen sich selbst
       in die Tradition des Widerstands gegen den Nationalsozialismus.“ Die AfD
       habe auch ein Bild Sophie Scholls verwandt und dazu geschrieben, diese
       würde heute AfD wählen.
       
       In solchen Fällen neigt Tuchel nicht zu Diskussionen, sondern äußert sich
       klar dagegen. Den Missbrauch der schwarz-rot-goldenen Fahne mit dem
       Philippuskreuz, die von dem am Umsturzversuch des 20. Juli 1944 beteiligten
       Josef Wirmer als Symbol für die Wiederherstellung des Rechtsstaats
       entworfen wurde, durch Pegida findet Tuchel „unerträglich“.
       
       In anderen Fällen aber stellt sich Tuchel der Debatte. Seit die AfD 2017 in
       den Bundestag eingezogen ist, haben ihre Abgeordneten auch das Recht, über
       das Bundespresseamt Besucher aus ihrem Wahlkreis in die Hauptstadt
       einzuladen. Und davon machen sie reichlich Gebrauch, auch und gerade in der
       Gedenkstätte Deutscher Widerstand.
       
       ## AfD-Gruppen pflegen die eigene Opferrolle
       
       Und so schlagen ein- bis zweimal im Monat Besuchergruppen der AfD in
       Tuchels Haus auf. Rund 25 Mal sei das bisher der Fall gewesen, berichtet
       dieser, der es sich nicht nehmen lässt, einen Teil dieser Gruppen
       persönlich durch die Ausstellung zu führen. Das sei keineswegs etwa einem
       Misstrauen gegenüber den anderen Guides geschuldet. „Ich lasse mir doch
       nicht die Gelegenheit nehmen, auch diese Gruppen über den Widerstand gegen
       den Nationalsozialismus zu informieren!“, sagt Tuchel und wird dabei
       lebhafter.
       
       Schließlich habe die Gedenkstätte einen Bildungsauftrag und es sei seiner
       Meinung nach keineswegs so, dass alle AfD-Fans gleich Neonazis seien. Mit
       denen allerdings rede er nicht. Für die gebe es im Zweifelsfall ein
       Hausverbot und einen Anruf bei der Polizei. Für alle anderen Besucher aber
       gelte es, „die Kärrner-Arbeit der Information über die NS-Zeit
       fortzusetzen“. Rund 120.000 Menschen haben die Gedenkstätte Deutscher
       Widerstand im vergangenen Jahr besucht, Tendenz steigend, ein Erfolg.
       
       Die AfD-Gruppen verhielten sich in der Regel unauffällig, auch bei den
       anschließenden Diskussionen, berichtet Johannes Tuchel. Ob er etwas mit
       seinen Führungen bewirke? Das könne er nicht sagen: „Ich kann ja nicht
       wissen, was diese Menschen denken.“ Aufgefallen sei ihm aber, wie sehr
       manche dieser Besucher die damalige Situation – den lebensgefährliche Kampf
       gegen eine mörderische Diktatur – mit den heutigen Zuständen gleichsetzten.
       „Das ist ja heute nicht anders“ oder „Wir leben ja heute auch in einer
       Diktatur“, solche Sprüche, die auf die so gerne von der AfD gepflegte
       Opferrolle verweisen, habe er schon häufiger zu hören bekommen. „Hier
       verweisen wir dann klar auf den Unterschied zwischen Widerstand gegen
       totalitäre Diktaturen und Opposition in einem demokratischen Rechtsstaat“,
       sagt Tuchel.
       
       Johannes Tuchel steht mit seinem Problem nicht alleine da. Die
       NS-Gedenkstätten in Deutschland sind miteinander vernetzt, und diese
       Vernetzung hilft jetzt auch angesichts der rechtsradikalen und
       rechtspopulistischen Stimmungen. Die Institutionen holen sich externen Rat
       bei der Frage ein, wie man mit dieser Art Besucher umgehen sollte. In der
       Hauptstadt ist das die [4][Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin
       (MBR)].
       
       ## „Klare Regeln bei Führungen vorgeben“
       
       Matthias Müller, ein bärtiger Mann mittleren Alters, hat sein Büro ganz
       oben in einem Hochhaus im Norden Berlins. Die NS-Gedenkstätten hätten sich
       an die Mobile Beratung gewandt, weil die Guides der Einrichtungen Bedenken
       bei Führungen von Rechten hatten, sagt er. Wann müsse man eine Führung
       abbrechen und wann nicht? Soll man auf jede Provokation antworten? Müller
       spricht in diesen Fällen von einer „Gratwanderung“, schließlich könne
       manche unbedachte Äußerung auch auf Unwissen zurückzuführen sein.
       
       Vor allem aber stelle sich für viele Guides die Frage, ob man
       Rechtspopulisten und Anverwandte überhaupt führen wolle. Was, wenn man in
       Detaildebatten verwickelt werde und den vorgeblichen Argumenten nicht
       standhalten könne? Was geschehe, wenn der Name anschließend in rechten
       Foren gepostet wird?
       
       Die MBR kann solche Ängste nicht einfach zerstreuen. Aber, sagt Müller, sie
       könne gewisse Handlungsmöglichkeiten empfehlen. Etwa die, Führungen nur zu
       zweit zu übernehmen. Diskussionen über eine Ausstellung ans Ende der
       Veranstaltung zu verlegen anstatt sich während einer Führung in Debatten zu
       verstricken. Einige Gedenkstätten haben dem Sicherheitsbedürfnis der Guides
       Rechnung getragen, indem sie ihnen freistellen, ob sie Namensschilder
       tragen wollen oder nicht. „Wir empfehlen, klare Regeln vor Beginn einer
       Führung vorzugeben, was etwa das Fotografieren und Audio-Mitschnitte
       betrifft.“
       
       Die MBR hat mit den Guides von Berliner NS-Gedenkstätten in Rollenspielen
       das Verhalten geübt. „Wir versuchen, den Guides einen Eindruck davon zu
       geben, was alles passieren kann“, sagt Müller. Aber manche der häufig
       freien Mitarbeiter von Gedenkstätten wollen mit solchen Leuten keine
       Führungen unternehmen. Matthias Müller kann das verstehen.
       
       ## Am Ort der „Herrenmenschen“
       
       „Haltung zeigen!“ Albert Moritz, jugendlich-eloquent wirkend, sitzt im
       Café der Gedenkstätte nahe der belgischen Grenze, die den lieblichen Namen
       [5][Vogelsang] trägt. Doch der will so gar nicht zu der Trutzburg passen,
       die die Nazis hier in der Eifel in den 1930er Jahren geschaffen haben, um
       künftige Herrenmenschen zu erziehen. Gewaltige Gebäude thronen auf einer
       Anhöhe über der Urfttalsperre, gekrönt von einem Turm. Bis vor ein paar
       Jahren war das noch ein belgischer Truppenstandort. Heute befindet sich
       hier eine bemerkenswerte Ausstellung über die NS-Nachwuchselite. Aber es
       stehen auch all die Nazibauten herum samt Fackelträger-Relief am
       „Sonnenwendplatz“.
       
       Mit ungebetenen Besuchern hat auch Geschäftsführer Moritz zu tun, schon
       seit einiger Zeit. Er ist für klare Regeln: „Wenn jemand erzählt, Hitler
       habe doch auch die Autobahnen gebaut, dann lassen wir das nicht
       unkommentiert stehen“, sagt er. Sechs bis sieben rechtsradikal gesinnte
       Gruppen kämen jährlich in Vogelsang vorbei, daneben so einige
       Einzelpersonen, denen man ihre Gesinnung ansehe, offenbar vom Gefühl des
       Herrenmenschentums beseelt. Die Guides seien speziell geschult und könnten
       Führungen jederzeit abbrechen, die Polizei müsse man nur sehr selten holen.
       Und, ja, in jüngster Zeit habe es auch Aufkleber-Aktionen der Identitären
       gegeben.
       
       Doch auch Moritz plädiert für ein differenziertes Vorgehen. Er berichtet
       von einem Vorfall, bei dem eine Gruppe Schüler eindeutig rechtsradikale
       Symbole gezeigt hätten. Sie seien dumm genug gewesen, das auch noch zu
       posten. Da habe er nicht die Polizei geholt, wohl aber die Schulleitung
       informiert. Und die 13, 14 Jahre alten Jugendlichen hätten sich später
       handschriftlich für ihr Verhalten entschuldigt.
       
       Ob AfD-Freunde unter den Besuchern sind, weiß Moritz nicht zu sagen. Doch
       von anderer Seite ist zu erfahren, dass der örtliche
       AfD-Bundestagsabgeordnete Rüdiger Lucassen einerseits zum 9. November 2018,
       dem 80. Jahrestag der Pogromnacht, die „Euskirchener Erklärung“ gegen das
       Vergessen und für eine offene Gemeinschaft unterzeichnet hat. Andererseits
       polemisierte er kürzlich gegen den „hochstilisierten Schuldkomplex“,
       „schmarotzende Eliten“ und den „Hass auf Deutschland“ – ein typisches
       Verhalten für AfD-Vertreter: sich an Juden heranwanzen, bei Jahrestagen
       Kränze zum Gedenken ablegen, aber zugleich völkischen Vorstellungen frönen.
       
       ## „Wir geben ihnen keinen Opferstatus“
       
       Mehr als erwünscht hat Uwe Neumärker Erfahrungen mit solchen Besuchern
       machen müssen. Er ist Direktor der [6][Stiftung Denkmal für die ermordeten
       Juden Europas], besser als Holocaust-Mahnmal bekannt. Seit 14 Jahren stehen
       die 2.711 quaderförmigen Stelen aus Beton in der Mitte Berlins, erinnernd
       an die sechs Millionen von den Nazis und ihren Helfern ermordeten Juden.
       Mehrere Millionen Besucher hat das Mahnmal jährlich, eine halbe Million
       besucht den dazugehörigen unterirdischen Ort der Information. Es war dieses
       Mahnmal, das Björn Höcke 2017 zu seiner Rede vom „Denkmal der Schande“
       inspirierte.
       
       Neumärker strahlt Ruhe aus. „Wir stellen es unseren Referenten frei,
       AfD-Gruppen zu führen“, sagt er. Bisher habe es aber keine bemerkenswerten
       Vorfälle gegeben. „Wir geben ihnen keinen Sonder- oder Opferstatus.“ Ja, es
       gebe bisweilen Einträge im Gästebuch, die fordern, es solle wieder einen
       Führer geben. Aber man habe in all den Jahren praktisch keinen Vandalismus
       erlebt, keine Demonstrationen von Rechtsradikalen hätten es gewagt, das
       Mahnmal zu betreten. „Ich rate zur Gelassenheit“, sagt Neumärker und wirkt
       dabei selbst sehr gelassen.
       
       Aber auch er hat schon Ereignisse erleben müssen, bei denen mehr als diese
       gefordert war, im letzten November etwa. Zur Verlesung der Namen aller
       Berliner Opfer des Holocaust war auch der AfD-Landesvorsitzende Georg
       Pazderski erschienen. Als dieser sich beteiligen wollte, untersagte das Uwe
       Neumärker und verwies auf sein Hausrecht. „Bei dieser Namensverlesung
       mochte ich Sie nicht dabeihaben“, sagte der Leiter des Mahnmals. Er habe
       nichts dagegen, wenn Pazderski privat das Stelenfeld besuchen wolle. Aber
       jemand, dessen Parteifreund Höcke eine klar negative Position zum Denkmal
       bezogen habe, könne nicht die Namen der Opfer verlesen.
       
       Und wenn morgen Björn Höcke vor dem Mahnmal stünde und um eine Führung
       bitte, was machen Sie dann? Neumärker überlegt nicht lange: „Wenn er keinen
       Kranz niederlegen will, würde ich ihn durch die Ausstellung führen. Das
       wäre wohl eine delikate Herausforderung.“
       
       5 Mar 2019
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.wewelsburg.de/de/gedenkstaette-1933-1945/
   DIR [2] https://www.gdw-berlin.de/home/
   DIR [3] /!5168050/
   DIR [4] /!5119142/
   DIR [5] http://www.vogelsang-ip.de/de/startseite.html
   DIR [6] https://www.stiftung-denkmal.de/startseite.html
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Klaus Hillenbrand
       
       ## TAGS
       
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