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       # taz.de -- Kolumne Erste Frauen: Übermenschliche Präzision
       
       > Kim Se-yeon ist E-Sportlerin und die erste Frau, die es in die
       > „Overwatch“-Liga geschafft hat. Männliche Kollegen werfen ihr immer
       > wieder Betrug vor.
       
   IMG Bild: Kim Se-yeon alias „Geguri“ rückte mit zunehmendem Erfolg mehr in die Öffentlichkeit
       
       Der Frosch konnte nur ein Betrüger sein. Der Ansicht waren jedenfalls seine
       Gegner. Und so versprachen sie, nie wieder anzutreten, sollte es sich
       wirklich herausstellen, dass dieser Frosch nicht cheatet. „Geguri“, eine
       Abwandlung des koreanischen Wortes für Frosch, heißt mit bürgerlichem Namen
       Kim Se-yeon und ist eSportlerin, die offiziell beste „Overwatch“-Spielerin
       der Welt und die erste Frau, die es je in die „Overwatch“-Liga geschafft
       hat.
       
       Sie tritt als „Geguri“ an. Und weil sie das ziemlich erfolgreich tut,
       sorgte sie 2016 für einen handfesten Skandal. Denn – eine Frau im eSports
       kann ja gar nicht gut sein, es sein denn, sie ist eine Betrügerin.
       
       „Ihre Leistung ist zu gut und ihre Präzision mit der Maus ist menschlich
       nicht möglich“, empörte sich eine Gruppe südkoreanischer Profis. Sie
       beschuldigten Kim Se-yeon, einen Aim Bot zu benutzen, ein Programm, das ihr
       illegal helfe zu zielen. Sie wollten sie sperren lassen. Sollte die
       Anschuldigung falsch sein, versprachen die Männer großzügig, würden sie
       ihre eigene Profikarriere beenden.
       
       [1][eSports ist für Frauen kein gutes Pflaster]. Zwar bietet Gaming die
       Möglichkeit, anonym zu bleiben und damit relativ gleichberechtigt zu
       zocken. Im Profisport aber ändert sich das. Und wenn [2][die Männerdomäne
       eSports] auf die Hassdomäne Internet trifft, trieft es schnell vor
       Zynismus. Fälle von Mobbing und Sexismus sind allgegenwärtig.
       
       ## Frauenquote im eSports liegt bei fünf Prozent
       
       Die Zahl der Frauen im Profisport bleibt gering. Das liegt auch an
       geschlechtertypischen Vorlieben: Frauen können der Gewalt, den
       dominierenden Shootern und den muskelbepackten Helden und
       Körbchengröße-Doppel-D-Heldinnen nachweislich weniger abgewinnen.
       
       Die Branchenverbände behaupten zwar gern, die Anteile von Spielern und
       Spielerinnen seien etwa gleich. 47 Prozent der Gamer seien nach einer
       [3][Studie des Verbands „game“ von 2016] weiblich. Aber auf solche Zahlen
       kommt nur, wer Zeug wie Candy Crush Saga auf dem Handy mitzählt. Laut dem
       Netzwerk „Women in Games“ lag 2018 im eSports die Frauenquote bei etwa fünf
       Prozent.
       
       Und Kim Se-yeon? Die wurde im Gaming-Hotspot Südkorea als Teenagerin nach
       einer Kinowerbung auf „Overwatch“ aufmerksam. Der Shooter, bei dem Teams
       mit verschiedenen Helden gegeneinander antreten, hat einen vergleichsweise
       hohen Anteil weiblicher Gamer. Trotzdem ist „Geguri“ die Erste und bislang
       Einzige, die es in große Höhen schaffte.
       
       ## Mehr Spielerinnen bedeuten mehr Profit
       
       Warum, ist leicht zu erkennen. Kaum eingestiegen, ergoss sich ein Shitstorm
       über die damals 16-jährige Südkoreanerin, die angebliche Betrügerin.
       „Geguri“ reagierte nonchalant und streamte ihr Spiel live in einem
       überwachten Studio. Sie traf so präzise wie eh und je. Die Ankläger mussten
       sich entschuldigen, und einige beendeten daraufhin tatsächlich ihre
       Profikarrieren.
       
       Andere aber blieben, teils unter neuen Nicknames, aktiv. Nur einer wurde
       dafür zur Verantwortung gezogen: der Profigamer Koo Jae-mo, neuer Spitzname
       „Xepher“, wurde von seinem neuen Team wegen der Geschichte entlassen. Und
       fand ein anderes. Kim Se-yeon passte sich indessen brav der Branche an:
       „Ich bin nicht sauer auf ihn, das ist alles Vergangenheit“, sagte sie über
       Koo Jae-mo. „Macht euch keine Gedanken, schaut euch einfach die Liga an und
       habt Spaß.“ Solche Protagonistinnen hat die Branche gern.
       
       Denn natürlich will sich die Industrie auf Frauen ausweiten. Mehr
       Spielerinnen bedeuten mehr Profit, und so steigt im eSports die Zahl der
       Fraueninitiativen und Frauenturniere. Kim Se-yeon hat schon vorher ihren
       Weg gemacht: Mit 17 wurde sie eine der jüngsten „Overwatch“-Profis, 2018
       wurde sie als erste Frau in die neue Liga berufen. Allerdings nur auf
       äußeren Druck hin. Vorher hieß es nämlich: 100 Männer, null Frauen.
       
       3 Mar 2019
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Sexismus-im-E-Game-Genre/!5318357
   DIR [2] /Beginn-der-Gamescom/!5435748
   DIR [3] https://www.game.de/blog/2016/06/07/der-durchschnittliche-gamer-in-deutschland-ist-35-jahre-alt/
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Alina Schwermer
       
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