# taz.de -- Kommentar Politik des US-Präsidenten: Trumps Woche der Niederlagen
> US-Präsident Donald Trump ist mit seinen Plänen gleich mehrfach
> spektakulär gescheitert. Das schwächt ihn aber nicht in seiner
> Machtposition.
IMG Bild: Bald: Tschüssikowski? Trumps Niederlagen sind ein Zeichen dafür, dass sich die Dinge in Washington allmählich ändern
Für Donald Trump, der das Wort „Verlierer“ als Beleidigung benutzt und der
sich selbst als ultimativen Gewinner und Meister von „Deals“ anpreist, war
die zurückliegende Woche ein GAU. Der US-Präsident hat gleich drei schwere
Niederlagen erlitten: Das Repräsentantenhaus hat gegen seine
Notstandserklärung gestimmt. Sein [1][ehemaliger Anwalt Michael Cohen] hat
ihm in einem fast siebenstündigen TV-öffentlichen Hearing die Show
gestohlen und Indizien für möglicherweise schwerer Straftaten Trumps
ausgepackt. Und in Hanoi ist sein Abkommen mit dem nordkoreanischen
Diktator Kim Jong Un, bei dem Trump beweisen wollte, dass er Außenpolitik
kann, [2][spektakulär geplatzt].
Für alle drei Entwicklungen ist Trump verantwortlich. Er hat seit dem
Beginn seiner Amtszeit versucht, eine Mauer an der Südgrenze durchzusetzen.
Nachdem Mexiko erwartungsgemäß die Zahlung abgelehnt hat und nachdem trotz
eines „Shutdown“ auf dem Rücken von 800.000 BeamtInnen eine
parteiübergreifende Mehrheit im Kongress gegen die Mauer stimmte, erklärte
der Präsident trotzig den Notstand, um seinen Willen durchzusetzen.
Dieser [3][Angriff auf die Gewaltenteilung empörte die Abgeordneten] des
Abgeordnetenhaus derart, dass am Mittwoch sogar 13 RepublikanerInnen
zusammen mit den DemokratInnen dagegen stimmten. Trump war auch derjenige,
der einst den Anwalt Cohen angestellt hat, der nach eigenen Aussagen in
Auftrag seines Bosses um die 500 Personen – darunter ReporterInnen –
eingeschüchtert und bedroht hat.
Auch im Fall von Nordkorea gehen Initiative und Methode direkt auf Trump
zurück. Entgegen dem üblichen Vorgehen, dass DiplomatInnen heikle Punkte
vorab klären, hat Trump darauf bestanden, selbst auf der Gipfelebene mit
dem Diktator zu verhandeln. Er wollte vorführen, dass er dort Frieden
stiften kann, wo andere gescheitert sind.
## Trumps Niederlagen sind kein Anlass zum Jubel
Trumps Niederlagen sind ein untrügliches Zeichen dafür, dass sich die Dinge
in Washington allmählich ändern. Zwei Jahre lang gab es Opposition nur auf
der Straße, während im Kongress die RepublikanerInnen kritische
Diskussionen und Abstimmungen im Keim erstickten. Das ist vorbei.
Seit den Halbzeitwahlen kontrolliert die Demokratische Partei wieder das
Repräsentantenhaus. Als Resultat von zwei Jahren Widerstand gegen Trump
sind in ihren Reihen Linke und mehr Frauen als je zuvor in die Kammer
gekommen.
Wie sie jetzt vorgehen, zeigt, was möglich ist, wenn eine Legislative ihre
[4][Aufgabe, die Exekutive zu kontrollieren], ernst nimmt. Zugleich
antizipiert es kommende parlamentarische Untersuchungen über Straftaten des
Präsidenten – vom Versicherungsbetrug bis zur Verletzung des Wahlrechts –
die möglicherweise eines Tages zu einer Amtsenthebung führen werden.
Dennoch gibt es keinen Anlass zu Jubel über ein bevorstehendes Ende der
Trump-Präsidentschaft.
## Mobbingmentalität im Repräsentantenhaus
Vorerst sitzt der US-Präsident fest im Sattel. Er hat die absolute Mehrheit
im Senat, was ihm unter anderem garantiert, dass er seinen Notstand
durchsetzen kann. Er ist dabei, sämtliche Bundesgerichte, allen voran das
Oberste Gericht, mit Leuten seines Vertrauens – und auf Lebenszeit – zu
besetzen. Und er hat eine [5][Wählerbasis, die ihm blindlings ergeben ist]
und die ihm – falls sich die wirtschaftliche Lage nicht ändert – 2020
erneut eine Mehrheit verschaffen könnte.
Im Repräsentantenhaus hat sich unterdessen eine Mobbingmentalität
entwickelt, wie man sie bislang nur bei Trumps Meetings kennt. Statt den
Zeugen zu befragen, der mit Insiderwissen aus der Trump-Organisation kam,
konzentrierten sich die RepublikanerInnen darauf, Cohens Charakter
anzugreifen.
Wie Mafia-Mitglieder, die sich schützend um ihren Boss scharen. Auch das
ist Teil der neuen Realität: Je stärker sich die RepublikanerInnen belagert
fühlen, desto verbissener verteidigen sie nicht etwa eine Politik, sondern
den einen Mann, dem sich die Partei auch in seinen Niederlagen verschrieben
hat, Trump.
1 Mar 2019
## LINKS
DIR [1] /Cohens-Aussage-zum-US-Praesidenten/!5574373
DIR [2] /Kommentar-Trumps-Pleite-in-Hanoi/!5577148
DIR [3] /Streit-um-die-Grenzmauer/!5576923
DIR [4] /US-Praesident-in-der-Defensive/!5565715
DIR [5] /Kommentar-Standing-des-US-Praesidenten/!5574323
## AUTOREN
DIR Dorothea Hahn
## TAGS
DIR USA
DIR Donald Trump
DIR Shutdown
DIR Republikaner
DIR Michael Cohen
DIR Lesestück Meinung und Analyse
DIR Schwerpunkt USA unter Donald Trump
DIR Donald Trump
DIR Donald Trump
DIR Michael Cohen
DIR Donald Trump
DIR Atomabkommen
## ARTIKEL ZUM THEMA
DIR Mauerstreit in den USA: Demokraten wollen Veto brechen
Der US-Kongress hat ein Ende des von Trump ausgerufenen Notstands
beschlossen – der Präsident legt sein Veto ein. Die Demokraten geben sich
kämpferisch.
DIR US-Senat votiert gegen Notstand: Schlappe für Donald Trump
Republikaner schlagen sich auf die Seite der Demokraten und stimmen gegen
den ausgerufenen Notstand. Trump kündigt ein Veto gegen die Entscheidung
an.
DIR Demokraten im US-Repräsentantenhaus: Untersuchung zu Trump und Umfeld
Die Demokraten beginnen eine Untersuchung zu Korruption und Machtmissbrauch
durch den Präsidenten und sein Umfeld. Auch Trumps Sohn ist im Visier.
DIR Cohens Aussage zum US-Präsidenten: Trumps Trickster
In der Mythologie eine klassische Figur: der ambivalente Charakter, der die
Wirklichkeit durcheinanderbringt. Für Trump war Cohen lange Jahre genau
das.
DIR Kommentar Standing des US-Präsidenten: Keine Götterdämmerung
Trumps Fehler und Niederlagen häufen sich, doch seine Anhänger juckt das
nicht. Gut möglich, dass ihn die jüngsten Ereignisse sogar stärken.
DIR Kommentar Trumps Pleite in Hanoi: Gipfel des Versagens
Das Treffen von Donald Trump und Kim Jong Un musste einfach scheitern, so
schlecht war es vorbereitet. Alles andere sind Ausreden.