URI:
       # taz.de -- Länder pochen auf Bildungshoheit: Grundgesetzänderung wackelt
       
       > Der Bundestag will für eine zügige Digitalisierung der Schulen das
       > Grundgesetz ändern. Doch gleich mehrere Länder pochen auf ihre
       > Bildungshoheit.
       
   IMG Bild: Für mehr Whiteboards im Klassenzimmer will der Bund durchgreifen, doch die Länder wehren sich
       
       Frankfurt/Main afp | Fünf Bundesländer haben ihr Nein zu der v[1][om
       Bundestag beschlossenen Grundgesetzänderung] angekündigt. Die
       Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, Hessen, Sachsen,
       Nordrhein-Westfalen und Bayern werden im Bundesrat am 14. Dezember dagegen
       stimmen, wie sie in einem Beitrag für die Frankfurter Allgemeine
       Sonntagszeitung klarstellten. Sie begründeten dies vor allem mit der
       Bildungshoheit der Länder.
       
       „Der Bund kann und muss nicht das Recht bekommen, die Länder in ihren
       traditionellen Kernkompetenzen zu steuern und zu kontrollieren“, schrieben
       Winfried Kretschmann (Grüne), Volker Bouffier, Michael Kretschmer, Armin
       Laschet (alle CDU) und Markus Söder (CSU). Gerade in der Schulbildung biete
       der Föderalismus große Vorteile, wie passgenaue Lösungen vor Ort. Das
       schütze „vor einem unflexiblen und statischen Zentralismus“.
       
       Die Ministerpräsidenten lehnen es demnach ab, „ab 2020 eine hälftige
       Ko-Finanzierung von Bundesinvestitionen durch die Länder in der Verfassung
       für alle Zeit festzuschreiben“. Das führe dazu, „dass Teile des
       Landesbudgets zumindest faktisch einem bundespolitischen Willen unterworfen
       sind“, schreiben sie in der „FAS“.
       
       Hintergrund ist [2][der sogenannte Digitalpakt], bei dem der Bund mit fünf
       Milliarden Euro die Schulen in Deutschland unterstützen will. Wegen der
       Länderhoheit in Bildungsfragen bedarf es dafür aber einer
       Grundgesetzänderung. Der Bundestag hatte am Donnerstag eine Reform der
       Verfassung gebilligt, mit der das Kooperationsverbot in der Bildung weiter
       gelockert werden soll.
       
       ## Furcht vor der „bundesweiten Einheitsschule“
       
       Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Laschet warnte: „Zentralismus aus
       Berlin schwächt die Vielfalt unseres Bildungssystems.“ Es dürfe weder kurz-
       noch langfristig eine „bundesweite Einheitsschule“ geben, sagte er den
       Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montagsausgaben).
       
       Laschet kündigte an, den Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat
       anzurufen. Wenn die Länder mehr Geld für die Digitalisierung der Schulen
       bräuchten, wäre es am einfachsten, den Anteil aus dem gemeinsamen
       Steueraufkommen von Bund und Ländern aufzustocken. Dazu sei es unnötig, „an
       der Verfassung herumzuwerkeln“.
       
       2 Dec 2018
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Abstimmungen-im-Bundestag/!5554899
   DIR [2] /Grundgesetzaenderung-fuer-Bildung/!5550517
       
       ## TAGS
       
   DIR Bildung
   DIR Digitalisierung
   DIR Schwerpunkt Grundgesetz
   DIR Schule
   DIR Schule
   DIR Lesestück Recherche und Reportage
   DIR FDP
   DIR Ganztagsschule
   DIR Schwerpunkt Bundestagswahl 2025
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
   DIR Thüringens Kultusminister zu Digitalpakt: „Das hat uns kalt erwischt“
       
       Auch Thüringen ist nicht mit der Grundgesetzänderung einverstanden, sagt
       Kultusminister Holter – trotz der Notwendigkeit des Digitalpakts Schule.
       
   DIR Kommentar Digitalpakt-Scheitern: Die föderalen Prinzipienreiter
       
       Das geplante Geld für Laptops, Tablets und WLAN an Schulen fließt vorerst
       nicht. Fürs Digitalpakt-Scheitern sind die Länder verantwortlich.
       
   DIR Digitalpakt auf der Kippe: Länder stoppen neue Schulcomputer
       
       Der milliardenschwere Digitalpakt droht zu scheitern, weil sechs
       Bundesländer die Zustimmung verweigern. Doch sie geraten unter Druck.
       
   DIR Grundgesetzänderung für Bildung: Bund darf nun Schule machen
       
       Das Kooperationsverbot wird aufgehoben: Nach langen Verhandlungen haben
       sich Regierungsfraktionen sowie Grüne und FDP geeinigt.
       
   DIR GroKo-Einigung bei Bildung: Bund und Land, Hand in Hand
       
       Schwarz-Rot einigt sich auf ein 11-Milliarden-Paket. Damit der Bund wieder
       in Schulen investieren darf, soll das Grundgesetz geändert werden.
       
   DIR CDU-Ministerin über Bildungspolitik: „Beide Schularten stark machen“
       
       Auch Schleswig-Holstein kehrt zum neunjährigen Gymnasium zurück.
       CDU-Bildungsministerin Karin Prien erklärt, warum G8 ein Fehler war.