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       # taz.de -- Kommentar Arbeitslosengeld II: Was SPD und Grüne bei Hartz IV trennt
       
       > SPD und Grüne haben verschiedene Perspektiven auf Hartz IV. Wichtiger ist
       > jedoch der sich abzeichnende Wechsel im Denken.
       
   IMG Bild: Kein Ponyhof: Jobcenter
       
       Die SPD tut sich noch immer schwer. [1][Mehr als den Slogan „Hartz IV
       überwinden“ hat sie bislang nicht geliefert]. Von den Sanktionen für
       Arbeitslose will sich die SPD aus Prinzip nicht verabschieden. Das
       Zögerliche hat mehrere Gründe. Ihre Forderungen adressiert sie, anders als
       die Grünen, direkt an sich selbst – genauer: an Arbeitsminister Heil. Das
       bremst den Elan, konkret zu werden.
       
       Noch wesentlicher ist, dass Arbeit zur DNA der SPD gehört. Ob, wer nicht
       arbeiten will, trotzdem Geld bekommen soll, ist eine moralische Frage, die
       die Sozialdemokratie in der Mitte spaltet. Darin bloß staatlichen
       Paternalismus zu erkennen ist zu leicht. Sozialdemokraten halten, viel mehr
       als Grüne, Arbeit für das zentrale Medium von Vergesellschaftung. Den
       Grünen als individualisierte Mittelschichtspartei fällt es indes leichter,
       den Bürgern zuzutrauen, schon selbst zu wissen, was gut für sie ist.
       
       Diese prinzipiellen Unterschiede sind offenkundig, aber man sollte sie auch
       nicht überschätzen. Viel wichtiger ist: Es zeichnet sich ein überfälliger
       Wechsel im Denken ab. Die Digitalisierung wird haufenweise zerklüftete
       Arbeitsbiografien produzieren – dafür ist das Hartz-IV-Zwangsregime
       unbrauchbar.
       
       Die SPD macht sich, hoffentlich konsequent, an eine Revision des
       Hartz-IV-Konzeptes. Die Grünen riskieren, die Feelgood-Stimmung
       einzutrüben, die sie derzeit trägt – denn Habecks Vorschlag würde teuer und
       zwangsläufig die Frage der Umverteilung nach sich ziehen. [2][Die
       Linkspartei kann diese Debatte zu Recht auf ihr Konto buchen].
       
       Ja, das alles sind nur Ankündigungen, Ideen, Konzepte, einstweilen im
       luftigen Raum des Möglichen angesiedelt. Aber all diese Ideen zielen, so
       unterschiedlich und vage sie sein mögen, auf ein ähnliches Ziel:
       Arbeitslosen mit weniger Zwang zu begegnen und ihnen stattdessen mehr
       Chancen zu bieten. Die CDU hält das Ganze für einen Streit um
       „Quatschbegriffe“ (Karl-Josef Laumann), die FDP ist sowieso dagegen. Die
       interessante Diskussion über den Sozialstaat führen, davon unbeeindruckt,
       SPD, Grüne und Linkspartei. Es gibt schlechtere Nachrichten.
       
       15 Nov 2018
       
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