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       # taz.de -- Besteuerung in der Eishockeyliga NHL: Gerechtigkeit auf Eis
       
       > In der Eishockeyliga NHL profitieren manche Standorte von der ungleichen
       > Besteuerung. Die Gehaltsobergrenze trifft nicht alle gleich.
       
   IMG Bild: Bescheiden: Der schussstarke Verteidiger Erik Karlsson spielt trotz hoher Steuersätze für San José
       
       Erik Karlsson war das einzige wirklich begehrte Objekt auf dem Tauschbasar
       im eishockeyfreien Sommer. Der Schwede hat zwei Mal die Norris Trophy als
       bester Verteidiger der National Hockey League (NHL) gewonnen. Er ist ein
       Superstar. Und war gefangen in einem miesen Team: [1][den Ottawa Senators].
       Er wollte weg. Das war klar. Er wollte halt auch mal was gewinnen.
       Verständlich.
       
       Und Ottawa war bereit, den Spieler, der nur noch ein Jahr Vertragslaufzeit
       hatte, abzugeben. Auch verständlich. Ist es doch die immer gleiche
       Rechnung, die Kellerklubs aufmachen: Tausche Spitzenspieler gegen Hoffnung
       auf bessere Zukunft.
       
       Und so wurde schon auf diversen Website skizziert, wie die Tampa Bay
       Lightning Platz schaffen könnten für Karlsson. Nicht unbedingt Platz in der
       Kabine, sondern: Platz auf der Gehaltsliste.
       
       Ausgerechnet die Tampa Bay Lightning. Das Team, das in den letzten vier
       Jahren drei Mal das Eastern-Conference-Finale erreicht hat und einmal sogar
       bis ins Endspiel um den Stanley Cup vorgedrungen ist. Das Team, das eh
       schon zu den großen Favoriten in der gerade begonnenen Saison gehört, das
       in Viktor Hedman doch schon den aktuellen Norris-Trophy-Sieger in seinen
       Reihen hat, und dazu in Nikita Kucherov auch noch einen der Top-Scorer, und
       Steven Stamkos sowieso undundund.
       
       ## Die Formel ging auf
       
       Der NHL drohte eine Entwicklung wie der Basketballliga NBA, orakelten
       manche Beobachter, wo die Golden State Warriors und die Cleveland Cavaliers
       die vergangenen Jahre so sehr dominiert haben, dass irgendwann sogar der
       Basketballlegende Charles Barkley in einer NBA-Liveübertragung der Kragen
       platzte: Er wollte jetzt lieber ins Hotel gehen und Eishockey gucken. „Das
       Ding hier ist doch durch.“
       
       Die NHL war und ist stolz auf ihre Ausgeglichenheit, auf ihre engen
       Playoff-Serien. Harte Gehaltsobergrenze (anders als in der Basketballliga
       NBA) plus Trades plus Drafts ist gleich Spannung. Die Formel ging auf.
       
       Doch im Zuge der Spekulationen um einen Wechsel von Karlsson nach Tampa
       richteten einige Fans und Medien ihren Blick einer Ungerechtigkeit zu, die
       bisher nicht behoben wurde: der Steuerungerechtigkeit.
       
       Die harte Gehaltsobergrenze, der Salary Cap, ist halt nicht für alle gleich
       hart. Die 79,5 Millionen Dollar, die jedes Team in dieser Saison für
       Gehälter ausgeben darf, sind in Nashville oder in Dallas oder in Tampa viel
       mehr wert als in den kanadischen Städten Ottawa, Toronto oder Montreal.
       
       ## Steuerungleichheiten schwer auszugleichen
       
       Es gibt diverse Seiten, auf denen ausgerechnet werden kann, wie viel das
       Gehalt eines Spielers netto an welchem NHL-Standort wert ist. Nehmen wir
       mal Lightning-Superstar Steven Stamkos. Der Spitzenverdiener kriegt 9,5
       Millionen Dollar pro Jahr. In Tampa zahlt er darauf laut CapFriendly.com
       36,64 Prozent Federal Taxes, keine State Taxes und keine City Taxes.
       Bleiben: gut sechs Millionen. In Toronto oder Ottawa würden ihm nur (denken
       Sie sich die Anführungszeichen) 4,45 Millionen netto zustehen. Steuerrate
       dort: 53,14 Prozent.
       
       Die beiden Steuerlobbyvereine Canadian Taxpayers Federation und Americans
       for Tax Reform haben schon 2014 eine Analyse mit dem bezeichnenden Titel
       „Home Ice Disadvantage“ herausgeben. Ein Ergebnis: 57 Prozent der
       sogenannten Unrestricted Free Agents, also Spieler, die sich ihren Klub
       frei auswählen können, wechselten damals in Städte mit niedrigeren
       Steuersätzen.
       
       Getan hat sich aber damals wie heute: nichts. Steuerungerechtigkeiten sind
       halt schwer auszugleichen. Es gibt Ausnahmen und Sonderregelungen, und
       manchmal müssen auch Sportler Steuern woanders abführen, weil sie auf
       Auswärtstour länger als ein, zwei Tage in einem anderen Bundesstaat
       gearbeitet haben.
       
       ## Hilfe für die Ziele
       
       Nashville, Dallas, Vegas und die beiden Florida-Klubs Florida Panthers und
       Tampa Bay Lightning können also weiter Eishockey-Profis mit geringeren
       Bruttogehältern locken. Das kann durchaus für das Erreichen großer Ziele
       helfen.
       
       Muss es aber nicht. Seit Einführung des Salary Caps zur Saison 2005/2006
       hat keines der Teams einen Stanley Cup gewonnen.
       
       Und Erik Karlsson ging am Ende auch nicht in eine der Städte mit besonders
       niedrigen Steuersätzen. Er spielt jetzt in San José, wo die Steuern eher
       hoch sind.
       
       10 Oct 2018
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /NHL-Playoffs-2017/!5396226
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Jürn Kruse
       
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