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       # taz.de -- Die AfD und der Verfassungsschutz: Maaßen en miniature
       
       > Ein AfDler arbeitet beim Verfassungsschutz, Pegida hält er für harmlos.
       > Den AfD-Vorstand könnte er bald zum Umgang mit dem Geheimdienst beraten.
       
   IMG Bild: Verfassungsfeinde will der VS-Mitarbeiter Hendrik Seidel in Chemnitz nicht gesehen haben
       
       Hamburg taz | Auf einer außerordentlichen Sitzung hat der Bundesvorstand
       der AfD eine Arbeitsgruppe zum Thema Verfassungsschutz eingerichtet. Die
       Gruppe um Bundessprecher Jörg Meuthen soll – um eine Beobachtung durch den
       Geheimdienst zu verhindern – selbst überprüfen, ob rechtsextreme
       Verstrickungen in der Partei bestehen. Einer, der sich als vermeintlicher
       Sachverständiger anbieten könnte, ist Hendrik Seidel. Er hat das fachliche
       Know-how und das richtige Parteibuch. Er war Vize-Vorsitzender des
       Kreisverbands Mittelsachsen und ist Mitarbeiter des Verfassungsschutzes
       (VS) in Sachsen.
       
       „Für mich handelt es sich um Szenen einer unheimlichen Nähe, um einen Fall
       Maaßen en miniature“, sagt Kerstin Köditz der taz. Für die Landtagsfraktion
       der Linken ist sie in der Parlamentarischen Kontrollkommission. Seidel
       begegnete ihr [1][vor knapp drei Jahren] schon. Bei der Vorstellung für
       einen Listenplatz zu Landtagswahl 2014 in Weinböhla versuchte Seidel mit
       seiner beruflichen Tätigkeit ein politisches Mandat zu erringen.
       
       In der Selbstbeschreibung gab er an, „1994 nach einem langwierigen
       Auswahlverfahren in das sächsische Innenministerium“ gewechselt zu haben
       und 1996 in ein „Beamtenverhältnis als Verwaltungsbeamter“ berufen worden
       zu sein. Dort, im Innenministerium, schrieb er, begleitete er „mehrere
       Aufgaben in Bezug auf Innere Sicherheit mit Schwerpunkt Extremismus“ und
       verfasste „entsprechende Analysen“. „Ich bin Sicherheitsüberprüfter der
       höchsten Sicherheitsstufe SÜ3 und habe Umgang mit Verschlusssachen mit
       Einstufungsgrad ‚geheim‘“, so Seidel. Vielleicht etwas ungeschickt für
       einen Geheimdienstbeamten: als „Urheber“ der zitierten Datei mit der
       Seidel-Selbstdarstellung wurde „lfv23011“ angegeben.
       
       Köditz bat 2015 den Präsident des VS, Gordina Meyer-Plath, um ein Gespräch.
       Ohne Erfolg. „Herr Mayer-Plath lehnte mit der bemerkenswerten Begründung
       ab, er werde solche Fälle nicht ‚mit Außenstehenden‘ erörtern.“ In seiner
       Selbstdarstellung führte Seidel auch aus, dass die Medien
       „gleichgeschaltet“ seien, dass mit „ideologischer Keule anderslautende
       Meinungen“ angegangen und die „etablierten Parteien“ den Wählerwillen
       missachten würden. Ein persönliches Dienstgespräch folgte damals. Mit der
       Botschaft: „du, du, du“ überspitzt Köditz. „Die Reaktion des Geheimdienstes
       bestand also in einem erhobenen Zeigefinger für Seidel, weil er seinen
       Dienstcomputer privat genutzt hatte. Inhaltlich sah man offensichtlich kein
       Problem“, sagt sie.
       
       ## Disziplinarmaßnahmen gefordert
       
       Zu einem Umdenken führte das bei Seidel nicht. Im Gegenteil: Dem
       ARD-Fernsehmagazin Panorama sagt der Mann mit Glatze und Brille, kein
       Problem [2][zwischen seiner beruflichen Tätigkeit] und seinem politischen
       Engagement zu sehen. Am 1. September dieses Jahres war er privat beim so
       genannten „Trauermarsch“ der AfD [3][in Chemnitz]. Rechtsextreme will er
       bloß vereinzelt wahrgenommen haben, er bedauert, an dem Tag [4][Lutz
       Bachmann] nicht persönlich begegnet zu sein. „Wenn man schon mal die Chance
       hat, würde ich ihm ja auch mal Guten Tag sagen“, meint er zu dem
       Pegida-Gründer, der wegen Einbruch, Körperverletzung [5][und
       Volksverhetzung verurteilt ist].
       
       Auch, dass das Bundesamt und das Landsamt Sachsen des VS die „Identitäre
       Bewegung“ (IB) [6][als rechtsextrem einstufen,] kann er gegenüber dem
       Fernsehmagazin nicht nachvollziehen. Die Identitären würden lediglich
       „intelligente Aktionsformen“ betreiben. „Die ketten sich an keine Schienen,
       an keine Baufahrzeuge, an nichts. Die hängen Plakate auf, da steht nichts
       Verbotenes drauf, soweit ich das feststellen kann“, meint der Leiter des
       AfD-Landesfachausschusses 5, der zuständig ist für die Erarbeitung von
       Konzepten im Bereich Innere Sicherheit, Justiz und Datenschutz.
       
       Seidels Einschätzung zur IB hält Stephan Kramer, Präsident des VS
       Thüringen, gegenüber Panorama für „bedenklich“, da ein VS-Mitarbeiter „ein
       Beobachtungsobjekt quasi öffentlich von der Eigenschaft als
       Beobachtungsobjekt freisprechen will“. Köditz sagt der taz dazu: „Ein
       Beamter unterliegt einer besonderen Treuepflicht, dazu gehört auch, dass
       Entscheidungen seines Dienstherrn nicht öffentlich in Zweifel gezogen
       werden dürfen“. Sie erwartet nun, dass in einem rechtlich einwandfreien
       Verfahren Disziplinarmaßnahem eingeleitet werden.
       
       Fernsehtipp: Panorama: Donnerstag, 20. September, 21.45 Uhr, Das Erste 
       
       Anm. d. Red.: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, Hendrik
       Seidel sei immer noch Vize-Vorsitzender des Kreisverbands Mittelsachsen.
       Wir haben den Fehler korrigiert.
       
       20 Sep 2018
       
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