# taz.de -- Kommentar Kürzung der US-Palästinahilfe: Fass ohne Boden
> Für das Einfrieren der US-Flüchtlingshilfe für Palästinenser gibt es
> durchaus gute Gründe. Trotzdem macht Trump es sich damit zu leicht.
IMG Bild: Mit der Kürzung der US-Flüchtlingshilfen kehrt Trump Schülerinnen wie diesen den Rücken zu
Man muss Donald Trump ein wenig verstehen. Da schimpfen die Palästinenser
im Westjordanland und im Gazastreifen unisono auf den US-Präsidenten,
boykottieren ihn als Gesprächspartner und Vermittler bei
Friedensverhandlungen. Gleichzeitig wollen sie, dass er weiter im Rahmen
der [1][UN-Nothilfe für fünf Millionen Flüchtlinge] bezahlt, die
Schulbildung, medizinische Versorgung und Nahrungsmittel brauchen.
„WesBrot ich ess, des Lied ich sing“, rät eine alte Volksweisheit, auch
wenn das Lied voller Misstöne ist. Trumps deutlich pro-israelische Haltung
macht es den Palästinensern nicht leicht.
Der Flüchtlingsstatus vererbt sich weltweit einzigartig nur bei den
Palästinensern. Aus 700.000 Flüchtlingen bei der Staatsgründung Israels
sind inzwischen 5 Millionen geworden, und die Zahl steigt. Für die PLO
waren die Menschen in den Lagern stets ein Joker bei den
Friedensverhandlungen und ihrer zentralen Forderung nach einem
Rückkehrrecht der Vertriebenen. Um die Palästinenser, die im Libanon und in
Syrien Bürger zweiter Klasse mit stark eingeschränkten Rechten sind, hat
sich außer Jordanien kein anderes arabisches Land gekümmert.
Auch daheim hat die korrupte palästinensische Führung die großzügig von der
internationalen Gemeinschaft in den Aufbau des künftigen Staates
investierten Dollar und Euro nicht genutzt, um die Menschen schrittweise
zur Selbstständigkeit zu führen. Stattdessen hat sie die bettelnde Hand zur
allseits akzeptierten Institution werden und die internationalen Gelder in
die eigenen Taschen fließen lassen.
Solange die Zahlungen fortgesetzt werden wie bisher, wird sich nichts
ändern. Trotzdem darf man die Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind,
nicht im Stich lassen. Auch die USA tragen eine Mitverantwortung für die
bestehende Abhängigkeit. Hunderttausende Menschen sind vom Hunger bedroht,
wenn die UNRWA sie nicht länger mit Nahrungsmittelpaketen versorgt. Wer den
Schülern in den Flüchtlingslagern, den Kranken und den Alten den Rücken
kehrt, um sie in die Obhut derer zu übergeben, die sich längst hätten
kümmern sollen, macht es sich zu leicht.
3 Sep 2018
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## AUTOREN
DIR Susanne Knaul
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