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       # taz.de -- Kommentar zum Digitalrat: Noch mehr Digi-Nachhilfe, bitte!
       
       > Zum digitalen Wandel gründet die Bundesregierung ein Gremium nach dem
       > anderen. Eines, das die Zivilgesellschaft einbindet, fehlt bisher.
       
   IMG Bild: Die Bundesregierung sucht nach Erkenntnissen über die digitale Zukunft
       
       Man kann ja nie zu viel Wissen haben – weder im Kopf noch auf dem Papier.
       Das denkt sich derzeit wohl auch die Kanzlerin. [1][Sogar in den
       Sommerferien hat Angela Merkel Nachhilfe genommen], um endlich zu
       verstehen, was es mit der Digitalisierung auf sich hat. Damit auch ihre
       Minister*innen auf denselben Stand kommen und das Land den digitalen Wandel
       spürt, gründet sie ein Gremium nach dem anderen. Nach dem Digitalkabinett
       und einer Enquetekommission zur [2][Künstlichen Intelligenz folgt nun der
       Digitalrat].
       
       Eine illustre Schar an Wissenschaftler*innen und Expert*innen hat Merkel
       um sich geschart. Es ist das geballte – internationale – Wissen rund ums
       Internet, das nun neue Papiere für die Bundesregierung entwickeln soll.
       Unbequem sollen ihre Vorschläge sein, den Finger in die Wunde legen. Das
       wünscht sich die Kanzlerin. Schließlich geht es um ein Zukunftsthema.
       
       Derzeit ist Deutschland bei der digitalen Verwaltung oder beim Einsatz
       künstlicher Intelligenz in der Wirtschaft nur Mittelmaß. Böse Zungen sagen
       gar: Schlusslicht. Das soll natürlich nicht so bleiben.
       
       Leider hat das Gremium weder einen Etat noch ist klar, wie die Truppe an
       die etlichen anderen Zuständigen für den digitalen Wandel im Kanzleramt
       gekoppelt ist. Hinzu kommt: Bürgerorganisationen, die sich um Datenschutz
       kümmern und darum, dass die Digitalisierung den Menschen nicht völlig
       gläsern macht, fehlen im Rat. Dabei zählen ihre Belange mit zu den
       wichtigsten. Es geht ihnen um Privatsphäre, um den Schutz vor der
       Einflussnahme der Nutzer*innen durch die Unternehmen, die den Markt
       beherrschen.
       
       Schwirrt der Kanzlerin etwa schon der Kopf von all dem technischen und
       wissenschaftlichen Know-how, das sie in den vergangenen Wochen gepaukt hat?
       Vielleicht bastelt sie aber längst am nächsten Gremium zum digitalen
       Wandel. Einem, das die Zivilgesellschaft einbindet, Gewerkschaften und
       Sozialverbände. Um zu einer echten Digitalstrategie zu kommen, braucht es
       auch ihre Stimme.
       
       22 Aug 2018
       
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