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       # taz.de -- Lehrermangel in Berlin: Wer sind die Neuen?
       
       > Lehrkräfte ohne pädagogische Ausbildung müssen jetzt schnell qualifiziert
       > werden, fordern Grüne und die Gewerkschaft GEW.
       
   IMG Bild: Ihr Ressort ist gerade eine einzige Baustelle: Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD), hier bei der Besichtigung einer Schulsanierung
       
       So richtig klar war auch an Tag eins des neuen Schuljahres am Montag nicht,
       wer eigentlich die vielen LehrerInnen ohne pädagogische Ausbildung sind,
       die vor allem in den Grundschulen den dramatischen Fachkräftemangel
       auffangen sollen. Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) hatte vorige
       Woche erklärt, der überwiegende Teil der 915 Lehrkräfte ohne volle
       Lehrbefähigung, kurz LovL, seien bereits erfahrene Vertretungskräfte.
       Seitens der Lehrer-Gewerkschaft GEW bezweifelt man das: „Ich glaube eher,
       dass ein nicht unerheblicher Teil völlig neu in die Schulen kommt“, sagt
       deren Berliner Landeschef Tom Erdmann.
       
       Laut Scheeres hätten viele Schulleitungen gerne auf erprobte
       Vertretungskräfte oder auf DeutschlehrerInnen aus ehemaligen
       Willkommensklassen für Geflüchtete zurück gegriffen. Deren Verträge sollen
       nun auch entfristet werden können, wenn die Schulleitungen die KollegInnen
       für fähig halten – eine Perspektive, die auch die Gewerkschaft immer wieder
       für diese beiden Gruppen gefordert hatte.
       
       „Angesichts von rund 800 nur befristet eingestellten LovLs fragt man sich
       aber schon, warum der Anteil der Befristungen dann so hoch ausfällt“, sagte
       Erdmann. Diese Woche will sich der GEW-Vorstand deshalb nochmal mit dem
       Personalrat zusammensetzen.
       
       Wer da eigentlich mit welcher Qualifikation eingestellt wurde sei jetzt
       wichtig zu erfahren, betont am Montag auch Grünen-Bildungsexpertin Marianne
       Burkert-Eulitz. Denn nun gelte es, nicht nur zu kritisieren, sondern mit
       der Krise umzugehen und die neuen LehrerInnen entsprechend zu qualifizieren
       – „und da muss unser Ziel sein, dass möglichst viele der LovLs die
       Perspektive haben, irgendwann als voll qualifizierte Fachkräfte zu
       arbeiten, sprich, ihr Zweites Staatsexamen zu machen.“ Da müsse man nun mit
       den Hochschulen ins Gespräch kommen, sagte Burkert-Eulitz.
       
       ## Kein Berliner Schulfach studiert
       
       Bisher haben die LovLs noch nicht mal die Perspektive auf ein
       berufsbegleitendes Referendariat im Quereinstieg, weil sie zwar mindestens
       einen Bachelorabschluss haben, aber kein Fach der Berliner Schule studiert
       haben. Die CDU forderte am Montag deshalb auch, die ungelernten LehrerInnen
       dürften im ersten Grundschuljahr nicht für die Alphabetisierung eingesetzt
       werden. Scheeres werfe sonst „vor lauter Not alle geltenden Maßstäbe und
       Qualitätsanforderungen über Bord“, sagte Landeschefin Monika Grütters.
       
       Die CDU-Forderung wiederum findet man bei der GEW wenig konstruktiv – zumal
       Schulen mit einem Drittel bis 50 Prozent QuereinsteigerInnen und LovLs in
       der Hinsicht auch gar keine Wahl hätten, sagt Erdmann. Stattdessen müsse
       man überlegen, wie man deren Verteilung in Zukunft besser steuern könne.
       Denn gerade bei Grundschulen in schwierigen Lagen [1][bewerben sich kaum
       noch ausgebildete Lehrkräfte] – obwohl gerade diese Schulen Profis
       brauchen.
       
       „Das kann man aber aktiv steuern, indem man sagt: diese Schulen dürfen
       zuerst alle ausgebildeten Fachkräfte einstellen“, sagt Erdmann. Das habe
       die Bildungsverwaltung bisher nicht getan. Womöglich auch aus Angst, dass
       diese rare Ressource sich dann überhaupt nicht mehr für den Berliner
       Schuldienst bewirbt.
       
       20 Aug 2018
       
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