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       # taz.de -- Kolumne Liebeserklärung: Heißzeit
       
       > Klimaforscher hatten mal Glück mit dem Wording: Ihre neue Studie prägt
       > einen Begriff für das, worüber alle gerade reden.
       
   IMG Bild: Die Forscher haben der drohenden Apokalypse zum richtigen Zeitpunkt einen Namen gegeben
       
       Jetzt mal ehrlich, liebe Klimaforscher: Wenn ihr euch richtig nackig machen
       müsstet, würdet ihr uns – aber nur unter uns Pastorentöchtern – verraten,
       dass ihr diese Woche einen echten PR-Coup gelandet habt. Ja, es war heiß.
       Irre heiß. Aber das lag eben nicht nur am Wetter, sondern
       höchstwahrscheinlich auch am Klima. Der Klimawandel ist ein Phänomen, das
       nicht nur Leute am Deich oder irgendwelche Inselvölkchen im Pazifik – auf
       jeden Fall jwd – bedroht, sondern auch uns hier in Mitteleuropa. Kümmert es
       wen? Jetzt schon! Ihr Klimaforscher habt dieser ganz real drohenden
       Apokalypse genau zum richtigen Zeitpunkt einen (jedenfalls ziemlich) neuen
       Namen gegeben: „Heißzeit“.
       
       Das ist kurz, griffig, unheilvoll – und passt zu pickepackevollen
       Freibädern, Schwitzachseln, verdorrten Feldern, Waldbränden, leeren
       Flussbetten. Gut so! Die [1][am Mittwoch von Klimaforschern aus aller
       Herren Länder veröffentlichte Studie] klang zwar mal wieder beunruhigend,
       aber wirklich neu war das mit den „Kippeffekten“ nicht.
       
       Diese könnten dazu führen, dass sich die Erde nicht nur um höchstens 2 Grad
       – wie im Pariser Klimaabkommen vereinbart –, sondern um bis zu 5 Grad
       aufheizt. Zum Beispiel wenn die Permafrostböden auftauen und dabei riesige
       Mengen Methan freisetzen. Oder wenn der Amazonas-Regenwald abstirbt. Oder
       wenn der Eisschild Grönlands abtaut. Oder oder oder. Aber wirklich Neues
       veröffentlicht eh niemand mitten im Sommerloch.
       
       „Kaskaden solcher Ereignisse können das gesamte Erdsystem in eine neue
       Betriebsweise kippen“, sagte einer der Studienautoren. Heißt zwar
       Armageddon, klingt aber verrätselt, als ginge es um das neue Windows 12 für
       Planet Erde. „Heißzeit“ ist ein viel besseres Wording für das, worüber die
       Leute eh gerade am Frühstückstisch und in der Kneipe quatschen.
       
       [2][Denn es wird natürlich viel zu wenig getan]. Und darüber muss mehr
       gestritten werden! Wo ist der Aufschrei darüber, dass der ewige
       Klimastreber Deutschland sein selbst gestecktes Klimaziel um 8 bis 10
       Prozentpunkte reißt? Darüber, dass wir seit der Jahrtausendwende bereits
       zig globale Jahrhundertsommer hatten? Und, fun fact am Rande: Dieser hier
       hat bislang noch längst nicht alle Temperaturrekorde gerissen.
       
       11 Aug 2018
       
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