# taz.de -- WM-Aus der Defensivteams: Mögen die Spiele beginnen
> Die Fußballverhinderer sind im WM-Viertelfinale ausgeschieden. Von nun an
> können die Gestalter ihr Werk verrichten!
IMG Bild: Kreativ und athletisch: Kroatiens Luka Modric
Guten Verteidigern bei der Arbeit zuzusehen, kann ein großes Vergnügen
sein. Die giftigen Zweikämpfe der Spieler aus Uruguay waren die schönsten
Spielszenen [1][im Viertelfinale gegen Frankreich]. Die T[2][acklings der
Russen auf den Außenbahnen] werden ebenfalls in Erinnerung bleiben. Von der
Arbeit im [3][Verteidigungskollektiv der Schweden] darf geschwärmt werden.
Das Anlaufen, das Ablaufen, das Stellen – auch der moderne Bunkerfußball
hat seine schönen Seiten.
So sehr es die Russen manchem Beobachter mit ihrem Underdogfußball angetan
haben, es wird kein Verteidiger sein, der am Ende des Turniers in die
Geschichtsbücher eingehen wird. Fabio Cannavaro, der italienische
Abwehrgenius, der sein Team 2006 vom eigenen Strafraum aus zum Titel
geführt hat, wird wohl der einzige echte Verteidiger bleiben, der je zum
Weltfußballer gewählt worden ist.
[4][Die WM 2018] ist ein Turnier der Kreativen. Im Halbfinale stehen keine
Verhinderer, sondern Gestalter. Das Turnier wird weiter geprägt werden von
denen, deren Ziel es ist, dem Gegner das eigene Spiel aufzuzwingen.
Aktionsfußball hat den Reaktionsfußball bei diesem Turnier verdrängt.
Da sind zum Beispiel die Belgier. Auch wenn das Team um den
unwiderstehlichen Kevin de Bryune gegen Brasilien vor allem durch ihren
unwiderstehlichen Konterfußball überzeugt hat, so hat es bei diesem Turnier
auch schon gezeigt, dass es das Spiel machen kann. Und selbst im [5][Spiel
gegen Brasilien] war Trainer Roberto Martinez so mutig, drei Angreifer
aufzubieten. Es war der siegbringende Kniff. So variabel wie die Belgier
ist kein Team bei dieser WM. Es sind offensive Angebote, die die Belgier
machen.
## Das gepflegte Passpiel Englands
Dann sind da die Engländer. Für die hat sich Trainer Gareth Sothgate etwas
besonderes einfallen lassen. Sein 3-3-2-2-System ist ziemlich einmalig.
Darüber sollte vielleicht mehr geredet werden. Als über seine, nun ja,
schöne Weste und wie er aus dem tiefen Tal der Tränen als Notlösung zu
seinem Trainerjob gekommen ist, um dann als Heilsbringer schon vor dem
ersten Halbfinale eines englischen Teams seit 1990 [6][regelrecht
vergöttert zu werden].
Auch wenn die Engländer meist nach ruhenden Bällen treffen, so ist doch
sein Bemühen aller Ehren wert, aus der traditionellen Rackerkultur
auszuscheren, mit denen englische Mannschaften meist aufgetreten sind. Es
ist das gepflegte Passspiel, für das England mittlerweile steht. Wer hätte
das gedacht?
Die Kroaten haben ihre eigene Art der Balldominanz gefunden. Sie treiben
den Ball schier unermüdlich nach vorne – meist in Person des nimmermüden
Luca Modric. Er ist einer des besten Fußballer, die derzeit bei dieser WM
rumlaufen. Es ist kein ausgeklügelter Systemfußball, den die Kroaten
spielen, sonder einer, der sich an den Fähigkeiten des besten unter ihnen
orientiert. Starfußball im besten Sinne, in einem gestalterischen Sinne.
## Fußballverhinderer sind ausgeschieden
Für den Angriffsgeist steht auch das Team aus Frankreich. Nach einer
souveränen, aber rätselhaften Vorrunde, haben die Franzosen [7][im
Achtelfinale gegen Argentinien] gezeigt, welches Potenzial in dieser
Mannschaft steckt. Gegen Argentinien haben sie besten Umschaltfußball
gezeigt und der Welt ein Phänomen vorgeführt, das [8][den Namen Kylian
Mbappé trägt].
Gegen Uruguay mussten sie über den Ballbesitz ins Spiel kommen. Auch das
ist ihnen leidlich gelungen. Und auch wenn sich Abwehrchef Raphael Varane
danach auch wegen seines Tores selbst zum Führungsspieler ernannt haben
mag, so ist es doch das vertikale Spiel nach vorne, für das die Franzosen
stehen – bei aller Vorsicht, die Trainer Didier Deschamps immer walten
lässt.
Es wird also gespielt werden im Halbfinale dieser WM. Die
Fußballverhinderer sind ausgeschieden. Die letzten Spiele gehören den
Gestaltern. Mögen sie ihr Werk verrichten!
8 Jul 2018
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## AUTOREN
DIR Andreas Rüttenauer
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