# taz.de -- #Ausgehetzt-Demonstration in München: Zehntausende gegen den Rechtsruck
> In München gingen am Sonntag Zehntausende gegen eine „Politik der Angst“
> auf die Straße. Kritisiert wird der „hemmungslos verachtende Ton“ der
> CSU.
IMG Bild: „Seehofer, Söder, Dobrindt und Co“ wird eine „Politik der Spaltung“ vorgeworfen
München taz | Den Text, der in schwarzen Buchstaben auf dem weißen Laken
steht, hat sich Matti Bauer am Morgen beim Frühstück ausgedacht: „Bayern
weint wegen euch.“ Der Demonstrant steht nun um 13.30 Uhr auf dem Münchner
Goetheplatz in der Isarvorstadt, und der Dauerregen perlt an seinem
Trachtenhut hinab.
Bauer ist einer von Tausenden, womöglich Zehntausenden Menschen, die laut
Veranstalter an diesem Sonntagnachmittag unter dem Motto #ausgehetzt
demonstrieren: „Gemeinsam gegen die Politik der Angst“ lautet das Motto.
Die Kundgebung in Teilen der Stadt richtet sich gegen die
Flüchtlingspolitik der CSU, aber auch das neue bayerische Polizeigesetz und
die Wohnungsknappheit. „Seehofer, Söder, Dobrindt und Co“ wird in dem
[1][Aufruf zur Demonstration] eine „Politik der Spaltung“ vorgeworfen, ein
„massiver Rechtsruck“ sowie „Hass und Ausgrenzung“.
Den „hemmungslos verachtende Ton“ der CSU-Politiker kritisiert bei der
Auftaktkundgebung Antonia Veramandi, Leiterin der Münchner Schlau-Schule,
wo auf vorbildliche Weise Flüchtlingskinder unterrichtet werden. „Dieser
Ton, Herr Söder“, ruft sie ins Mikrofon, „löst Rassismus und Nationalismus
aus!“ Die CSU sei „moralisch insolvent“.
Da regnet es nicht nur, es prasselt heftig auf die Demonstranten ein. Die
Kundgebung ist ein unüberschaubares Meer von Regenschirmen, jene mit den
Längsstreifen der Farben des Regenbogens dominieren, man sieht aber auch
ein paar mit bayerischem blau-weißem Rautenmuster.
## „Seehilfe statt Seehofer“
Der Regen kriecht durch fast jedes Schuhwerk, setzt sich kalt in den Socken
fest, wandert an den Hosenbeinen immer weiter hinauf. Doch niemand scheint
sich davon abhalten zu lassen. „Helfen statt hetzen“ steht auf selbst
gebastelten Schildern, „CSU abschieben“ und „Seehilfe statt Seehofer“. Am
Nachmittag, noch vor der großen Schlusskundgebung auf dem Königsplatz,
spricht die Polizei schon von mehr als 20.000 Demonstranten. Nach
Veranstalterangaben sind insgesamt rund 50.000 Menschen auf die Straße
gegangen. Die Zahlen steigen immer weiter.
Jüngere und ältere Leute sind da, Kinder wurden in Regenzeug gepackt und
patschen im Wasser. Parteien wie SPD, Grüne und Linke, die neben 140
anderen Organisationen zu der Kundgebung aufgerufen haben, dominieren das
Bild nicht. Von einem Lastwagen wummern Techno-Beats. „No hate, one love“
steht auf einem Transparent.
In einer nächtlichen Eilaktion hat die [2][CSU in weiten Teilen der Stadt
Gegenplakate aufgestellt und Lastwagen mit Transparenten organisiert]. „Ja
zum politischen Anstand“, steht in Weiß-Blau darauf, „Nein zu #ausgehetzt“.
Und weiter: „Bayern lässt sich nicht verhetzen.“ Der Demonstrationszug geht
daran vorbei, kaum einer nimmt das wahr.
Offenbar findet München Geschmack am Demonstrieren. Im Mai waren schon mehr
als 30.000 Menschen zu einer großen [3][Kundgebung gegen das neue
bayerische Polizeigesetz gekommen].
22 Jul 2018
## LINKS
DIR [1] http://gemeinsam-fuer-menschenrechte-und-demokratie.de/ausgehetzt-gemeinsam-gegen-die-politik-der-angst
DIR [2] /Kommentar-Massendemo-in-Muenchen/!5523062
DIR [3] /Grossdemo-in-Muenchen/!5502592
## AUTOREN
DIR Patrick Guyton
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