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       # taz.de -- Verlängerung bei CSU gegen CDU: Noch drei Tage Seehofer-Chaos
       
       > Der vom Rücktritt vorerst zurückgetretene CSU-Chef will nochmal mit der
       > CDU über die Zurückweisung von Flüchtlingen reden. Die Fronten sind
       > verhärtet.
       
   IMG Bild: Rücktritt vom Rücktritt vor dem Rücktritt. Horst Seehofer am frühen Montagmorgen in München
       
       Berlin taz | Die Union – und mit ihr die Bundesregierung – bleibt im
       maximalen Chaos-Modus. Nach zehn Stunden turbulenter Beratungen in der
       Münchner Parteizentrale [1][kündigte Horst Seehofer vor JournalistInnen am
       frühen Montagmorge]n einen allerletzten Einigungsversuch an. Zuvor hatte er
       im CSU-Vorstand seinen Rücktritt angeboten. Eine für den frühen
       Montagnachmittag geplante Fraktionssitzung wurde zwischenzeitlich abgesagt.
       
       Er werde „in den nächsten drei Tagen“ seine beiden Ämter zur Verfügung
       stellen, sagte der sichtlich abgekämpfte CSU-Vorsitzende und
       Bundesinnenminister. Zuvor wollten er und seine Partei einen
       „Zwischenschritt einlegen zu einer Verständigung mit der CDU“. Die
       ihrerseits erklärte ihre Bereitschaft zum Gespräch.
       
       Bevor sich Merkel und Seehofer in Berlin treffen, wird an diesem
       Montagmorgen die in der Nacht unterbrochene Sitzung des CDU-Vorstandes
       fortgesetzt.
       
       Die Parteispitze hatte sich am Sonntagnachmittag im Konrad-Adenauer-Haus zu
       einer Beratung der Situation zusammengefunden, spätnachts verließ Angela
       Merkel durch die Tiefgarage das Gebäude. Zuvor hatte man gemeinsam
       diskutiert und vergeblich auf eine Entscheidung in München gewartet.
       
       ## „Das falsche Signal“
       
       Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer legte vor den JournalistInnen
       einen Beschluss des Parteivorstandes dar. „Ziel der CDU ist es, die
       Zuwanderung zu ordnen zu steuern und zu begrenzen. In diesem Ziel sind wir
       uns einig. Wir brauchen wirksame menschliche Lösungen, gemeinsam mit
       unseren europäischen Partnern.“ Der zentrale Satz Richtung CSU findet sich
       [2][im sechsten Absatz des Papiers]: „Einseitige Zurückweisungen wären das
       falsche Signal an unsere europäischen Gesprächspartner.“
       
       Das genau ist der Punkt, den Horst Seehofers CSU anders sieht. Der noch
       amtierende Bundesinnenminister fordert in seinem am Sonntagnachmittag nun
       doch veröffentlichten „Masterplan Migration“ unter Punkt 27, Deutschland
       solle an seiner Außengrenze künftig „auch die Zurückweisung von
       Schutzberechtigten, wenn diese in einem anderen EU-Mitgliedstaat bereits
       einen Asylantrag gestellt haben oder dort als Asylsuchende registriert
       sind“.
       
       Angela Merkel hatte beim EU-Gipfel in Brüssel Ende letzter Woche
       bilateralen Verhandlungen mit europäischen Staaten vereinbart, an deren
       Ende eine solche Rücknahme stehen soll. Der CSU ist das offensichtlich
       nicht genug.
       
       Wie frei flottierend Horst Seehofer mittlerweile agiert, zeigt ein Detail.
       Auf dem Deckblatt des lange geheim gehaltenen, dann am Sonntag Mittag in
       München aber freizügig verteilten „Masterplans “ steht als Autor „Horst
       Seehofer, Vorsitzender der Christlich-Sozialen Union“. Da von einem
       Flüchtigkeitsfehler nicht auszugehen ist, bedeutet das, dass Seehofer in
       einem Konflikt, der das Ende der aktuellen Bundesregierung bedeuten kann,
       nicht als Bundesminister agiert hat, sondern als Vorsitzender einer
       Landespartei.
       
       ## Entsetzen in der SPD
       
       Und ach ja, dann ist da ja auch noch der Koalitionspartner der Union.
       Carsten Schneider, Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD im Bundestag,
       zeigte sich am frühen Montagmorgen „entsetzt“ über das Agieren der Union.
       Die CSU stehe offensichtlich für ein „autoritäres, geschlossenes
       Staatsmodell“, während die CDU noch für ein „offenes, demokratisches und in
       die Welt eingebundenes ist“, sagt er im ZDF. „Das ist eine hohe Belastung
       für die Demokratie in Deutschland“. Die CSU sei für die SPD nur ein
       Bündnispartner, wenn sie weltoffen und proeuropäisch bleibe. Das aber sei
       derzeit offen.
       
       Ursprünglich wollten CDU und CSU bei einer gemeinsamen Sitzung feststellen,
       wie es um die weitere Zusammenarbeit bestellt ist. Für 14 Uhr war, wie
       stets in Sitzungswochen des Parlaments, eine Fraktionssitzung terminiert.
       Schließlich ist Haushaltswoche, an deren Ende die Abgeordneten in die
       sitzungsfreien Sommerwochen gehen. Die Sitzung wurde jedoch am Montagmorgen
       abgesagt.
       
       2 Jul 2018
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Streit-zwischen-CDU-und-CSU/!5517199/
   DIR [2] https://www.cdu.de/artikel/beschluss-des-bundesvorstandes-der-cdu-deutschlands-vom-1-juli-2018
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Anja Maier
       
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