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       # taz.de -- Torhüter bei der Fußball-WM: Paraden für die Karriere
       
       > Eine Fußball-WM bringt eine Sorte Fußballer besonders zur Geltung: die
       > Torhüter. Sie können ihren Marktwert erheblich steigern.
       
   IMG Bild: Hat seinen Marktwert vervielfacht: Jordan Pickford
       
       Sotschi taz | Das wilde Hüpfen von Danijel Subašić dient gewiss in erster
       Linie der Verunsicherung des gegnerischen Elfmeterschützen. Aber ein wenig
       sah es am [1][späten Samstagabend im Olympiastadion von Sotschi] beim
       kroatischen Torhüter auch nach Vorfreude auf das aus, was da kommen mochte,
       als der 33-Jährige wieder auf der Linie hin und her hopste. So wie er es
       bereits beim Elfmeterschießen i[2][m Achtelfinale gegen Dänemark] getan
       hatte.
       
       Seitdem ist der Keeper in aller Munde. Mit drei Paraden hielt er sein Team
       im Turnier. Und auch gegen Russland sollte ihm eine entscheidende
       Rettungstat gleich beim ersten Schuss [3][des russischen Gegenübers Fedor
       Smolov] gelingen.
       
       Eine Weltmeisterschaft ist ein Katalysator für große Karrieren, für die von
       Torleuten erst recht. Keeper nehmen dabei im Geschehen des Fußballs eine
       begünstigte Position ein. Je größer die Angst vor dem Versagen wird bei den
       immer wichtigeren Spielen, desto öfter neigen sich die Spiele dem
       Elfmeterschießen zu.
       
       Dann besonders kommt es auf sie an, die Männer im Tor. Insofern lässt sich
       aus den Entscheidungen vom Strafstoßpunkt bestens Kapital schlagen für die
       Keeper. Vor der WM kannten vor allem Beobachter der französischen Liga
       Subašić, der dort vorletzte Saison in Diensten des AS Monaco zum Torhüter
       der Saison gewählt wurde.
       
       Inzwischen kennt weltweit fast jeder flüchtig interessierte Fußballfan
       seine Biografie und weiß von seinem vor zehn Jahren verstorbenen Freund,
       dessen Abbild er auf einem T-Shirt unter dem Trikot stets mit sich trägt.
       Gut möglich, dass dem 33-Jährigen im Herbst seiner Karriere der Sprung zu
       einem noch größeren Verein gelingt.
       
       ## Der fehlerfreie Jordan Pickford
       
       Von der letzten WM in Brasilien profitierten gleich drei Torhüter in
       üppigem Maße. Allen voran wurde in dieser Zeit der Deutsche Manuel Neuer
       zur Stilikone eines neuen Torwartspiels. Der damals 31-jährige chilenische
       Keeper Claudio Bravo wurde kurzerhand aufgrund seiner überragenden
       Auftritte vom FC Barcelona verpflichtet – zum Leidwesen des anderen
       deutschen Torhüterneuzugangs, Marc-Andrè ter Stegen. Dem spanischen Rivalen
       Real Madrid wiederum gefiel, [4][wie Keylor Navas] für Costa Rica hielt.
       Seither überwacht er das Tor des Champions-League-Rekordsiegers.
       
       Ausschlaggebend für das plötzliche Interesse an ihm von so einem erlesenen
       Klub war damals auch ein Elfmeterschießen. Im Achtelfinale gegen
       Griechenland parierte Navas den letzten Schuss von Gekas. Sein Name allein
       stand plötzlich für den Erfolg eines vermeintlichen exotischen
       Teilnehmerlandes.
       
       Ein parierter WM-Elfmeter kann einen Torhüter schon in andere Welten
       katapultieren. Das erfährt in diesen Tagen auch die englische Nr. 1 Jordan
       Pickford. Vor dem Turnier meldeten sich jede Menge Zweifler zu Wort, die
       sich an seiner Unerfahrenheit (acht Einsätze für England mittlerweile) und
       seiner vergleichsweise geringen Körpergröße (1,85 Meter) störten. Seitdem
       er im Achtelfinale mit seiner Parade gegen den Kolumbianer Bacca den ersten
       englischen [5][WM-Sieg im Elfmeterschießen] überhaupt ermöglichte, können
       in der heimischen Presse die Lobpreisungen für den Profi vom FC Everton
       nicht groß genug ausfallen.
       
       Der Daily Telegraph schrieb: „Pickford ist zum Giganten unter den
       englischen Torhütern geworden.“ Und dem FC Liverpool wird von mehreren
       Seiten bereits angeraten, den Mann so schnell wie möglich unter Vertrag zu
       nehmen, bevor er bald unbezahlbar wird. Sollte es etwa nächsten Mittwoch
       beim Halbfinale zwischen Kroatien und England erneut zum Elfmeterschießen
       kommen, und Pickford würde gegen Subašić im Heldenduell der letzten
       Entscheidung siegen, wäre eines sicher: Sein Marktwert würde in noch
       schwindelerregendere Höhen steigen. So eine WM ist für Torhüter ein Turnier
       der fast unbegrenzten Möglichkeiten.
       
       8 Jul 2018
       
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