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       # taz.de -- Outfit der Melania Trump bei Heimbesuch: She doesn't care?
       
       > Die First Lady fährt zu einem Heim für minderjährige Migranten und trägt
       > eine Jacke, die für Aufsehen sorgt. Über Kleidung als Politikum.
       
   IMG Bild: Auf dem Weg nach Texas: Melania Trump in ihrer Jacke, die für so viel Aufregung sorgt
       
       Ist das einfach Punk? Melania Trump, Präsidenten-Gattin und Ex-Model
       ignoriert das, was in offiziellen Kontexten „Protokoll“ genannt wird, und
       zeigt sich auf dem Weg, das Leiden der Anderen zu betrachten, in ihrem ganz
       persönlichen Look. Beim Besuch der Opfer des Hurrikans „Harvey“ in Houston
       waren es [1][die hohen, schwarzen Highheels] während die Sturmgeschädigten
       noch mit dem Schlamm kämpften; wohlgemerkt wechselte sie später in weiße
       Turnschuhe.
       
       Am Donnerstag besuchte die First Lady eine Unterkunft für unbegleitete
       minderjährige Migranten in Texas, an der Grenze zu Mexiko. Beim Hin- und
       Rückflug zeigte sie sich lässig im „ready to wear“-Outfit in einem
       olivgrünen Parka der spanischen Modemarke Zara. Auf der Rückseite der Jacke
       steht: „Es ist mir wirklich egal. Und dir?“ Auf Twitter [2][zeigt sie
       allerdings Bilder von sich in einer beigen Jacke] und dankt artig den
       Helfenden vor Ort. Ist Kleidung nicht einfach Kleidung oder ist das schon
       ein Politikum?
       
       Melania Trumps Sprecherin Stephanie Grisham versichert: „Es ist eine Jacke.
       Es gibt keine versteckte Botschaft.“ Der US-Präsident ist da anderer
       Ansicht [3][und twittert]: Die Botschaft „…richtet sich an
       Fake-News-Medien.“ Die [4][New York Times kommt zum Ergebnis]: Hinter der
       Zara-Jacke steckt kein versteckter Wink mit dem Zaunpfahl, wie nun
       gemunkelt wird, sondern das ist schon die Botschaft selbst. In sozialen
       Medien wie Twitter laufen Melania-Memes. Das Time-Magazine hat einen neuen
       Titel zu Trump und dessen Migrationspolitik mit der Zeile „Welcome to
       America“ herausgebracht, auf dem der US-Präsident auf ein kleines
       schreiendes Kind herunter blickt. Einige User haben sein Bild schon gegen
       das von Melania und ihrer Jacke [5][getauscht].
       
       Nun scheint es oft so zu sein, dass eher Frauen in politischen Kontexten in
       Stilkritik geraten als Männer. In der Politik tragen Männer eher uniform
       Anzug, da gibt es wenig Angriffsfläche. Außer sie tun es nicht: Sigmar
       Gabriel hatte bei einem offiziellen Besuch in Uganda im August 2017, damals
       noch im Amt des Außenministers, zwischendurch ein Safari-Outfit an. Seine
       Kollegen vor Ort trugen größtenteils Anzug. Die taz taufte ihn daraufhin
       „[6][Safari-Siggi]“.
       
       Doch bei Frauen wird wohl eher hingesehen, selbst, wenn sie sich an die
       Etikette halten. Selbst Schweißflecken können da zum Thema werden, wenn
       Politiker*innen ein Parkett betreten, wie etwa Kanzlerin Angela Merkel 2005
       bei ihrem sommerlichen Besuch der Bayreuther Festspiele feststellen musste.
       Für manche ist sowas sogar zu viel an berechenbarer Häme: Der Bayerische
       Rundfunk hatte den dunklen Fleck auf ihrem pastell-orangenen Kostüm sogar
       [7][nachträglich rausretouchiert].
       
       Was steckt denn nun hinter Melanias Jacke? Da Melania Trump selbst zu ihrer
       Klamottenwahl schweigt, gibt es dazu genauso viele potenzielle Antworten,
       wie Fragen. Möglich ist, dass ihr der ganze Politik-Medien-Rummel wirklich
       einfach egal ist. Doch sind ihr auch die Migranten egal? Dagegen spricht,
       dass es auch Melania Trump war, die [8][öffentlich die Praxis kritisierte],
       Kinder an der Grenze zu Mexiko von ihren Eltern zu trennen und in
       Abschiebeknäste zu stecken. Es ist vielleicht Ironie der Geschichte, dass
       sie nun genau in diesem Kontext mit einer Zara-Jacke für Diskussionen
       sorgt.
       
       Ein Gedankenexperiment dann aber doch zum Schluss: Stellen Sie sich vor,
       Joachim Sauer, der Gatte der deutschen Kanzlerin hätte ein T-Shirt von H&M
       auf dem Weg zu einer Notunterkunft für Geflüchtete an, auf dem sowas steht
       wie: „Highway to Hell“. Wie würde das wohl kommentiert werden? Eben. Wenn
       man Melania Trump eins vorwerfen kann, dann ist das fehlende Sensibilität
       für hochpolitische Kontexte.
       
       22 Jun 2018
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Melania-Trump-im-Hochwassergebiet/!5443876
   DIR [2] https://twitter.com/FLOTUS/status/1009969369227644928
   DIR [3] https://twitter.com/realDonaldTrump/status/1009916650622251009
   DIR [4] https://www.nytimes.com/2018/06/21/style/zara-jacket-melania-trump.html?hp&action=click&pgtype=Homepage&clickSource=story-heading&module=b-lede-package-region%C2%AEion=top-news&WT.nav=top-news
   DIR [5] https://twitter.com/Critical_TX/status/1010020157060595712
   DIR [6] /Sigmar-Gabriel-zu-Besuch-in-Uganda/!5433418
   DIR [7] http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/br-online-wie-merkels-fleck-weg-kam-a-367054.html
   DIR [8] /Familientrennungen-in-den-USA/!5511548
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Anna Grieben
       
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