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       # taz.de -- Kommentar Papst-Zitate zu Abtreibungen: Tödliches Dogma
       
       > Papst Franziskus vergleicht Schwangerschaftsabbrüche mit Nazi-Praktiken –
       > eine Anbiederung an religiöse FundamentalistInnen.
       
   IMG Bild: Denkt er auch an die vielen Frauen, die jährlich an illegalen Abtreibungen sterben?
       
       Dass der Papst Schwangerschaftsabbrüche verteufelt, ist nicht neu. Vor zwei
       Jahren bezeichnete er Abtreibungen als „grauenhaftes Verbrechen“: Es sei zu
       einer „Gewohnheit“ geworden, Babys vor ihrer Geburt zu „entfernen“,
       unterstellte er damals in einem Interview mit dem italienischen Fernsehen.
       
       Nun geht er einen Schritt weiter und [1][vergleicht Abtreibungen mit
       nationalsozialistischen Praktiken] der Vernichtung sogenannten unwerten
       Lebens. „Im vergangenen Jahrhundert hat sich die ganze Welt über das
       aufgeregt, was die Nationalsozialisten gemacht haben“, sagte Franziskus.
       „Heute machen wir das mit weißen Handschuhen.“ Ärzte rieten Schwangeren
       offenbar, Embryonen mit Behinderungen abzutreiben. Um ein „ruhiges Leben“
       zu haben, werde Leben ausgelöscht.
       
       Nicht zufällig äußert sich der Papst gerade jetzt: wenige Tage nachdem das
       Parlament seines Heimatlandes Argentinien für die Legalisierung von
       Abtreibungen gestimmt hat; und wenige Wochen bevor er nach Irland reisen
       wird, wo sich eine große Mehrheit der IrInnen Ende Mai ebenfalls für eine
       Straffreiheit von Abbrüchen bis zur zwölften Woche ausgesprochen hat.
       
       Die Aussage des Papstes ist in diesem Kontext nicht nur eine
       Positionsbestimmung der katholischen Kirche, auf deren Liberalisierung
       manche umsonst gehofft hatten. Sie ist auch ein Signal an religiöse
       FundamentalistInnen, deren Duktus Franziskus ganz offen bedient:
       ultrakonservative ChristInnen und die radikale Lebensschutzbewegung, die
       etwa den Begriff „Babycaust“ prägten und weltweit zum Teil breite
       Schnittstellen mit rechten Parteien haben.
       
       Der Beschluss in Irland und der in Argentinien wurden von diesem Milieu
       entsetzt kommentiert. Nun beruhigt das katholische Oberhaupt seine
       Schäfchen. Wer sich zu diesen nicht zählen darf, ist spätestens jetzt klar:
       rund 47.000 Frauen, die laut Weltgesundheitsorganisation jährlich durch
       illegale Abtreibungen sterben, darunter viele in erzkatholischen Ländern.
       Das Dogma des Papstes ist tödlich.
       
       18 Jun 2018
       
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